Die böse S-Theorie über die Persönlichkeitstypen

Die böse S-Theorie über die Persönlichkeitstypen

Der folgende Artikel ist böse. Er beschreibt ausschließlich Sammelbilder aller Persönlichkeitstypen und meint in keiner Weise eine einzelne, konkrete Person. Er umfasst eher – wie jede Beschreibung eines klinischen Bildes – die äußersten Ausprägungen, bei denen wirklich alles den Bach hinuntergeht. Besonders empfindsame Gemüter bitte ich daher, gar nicht erst weiterzulesen. Alle anderen bitte ich, sämtliche Reserven ihres Humors auszugraben. Also los.

Dieser Tage gab es Kritik an der S-Theorie. Eine schlechte Wissenschaft sei das, alle kämen darin viel zu positiv weg. Übrigens nicht zum ersten Mal. Also wäre ich keine Schizoide, wenn ich nicht alle mit metaphorischem Teer beschmieren würde – meinen eigenen schizoiden Stamm samt mir selbst zuallererst. Aber so, dass alle ihren Spaß dabei haben. Und darum: Gurte anlegen, Helm und Kopfhörer aufsetzen. Die Reise beginnt.

Introvertierte

Beginnen wir mit den Introvertierten, denn die Autorin ist selbst introvertiert. Introvertierte haben nicht den blassesten Schimmer davon, wie die Welt funktioniert, und kassieren dafür regelmäßig eins auf die Mütze; zuzugeben, dass sie eins auf die Mütze bekommen, bringen sie von Geburt an nicht über sich – verbale Ohrfeigen dagegen teilen sie im Handumdrehen aus.

Choleriker

Zuerst die Choleriker. Choleriker sind diese Bekifften, die rein gar nichts delegieren.

Sie stürzen sich in stolzer Einsamkeit und ohne jede besondere Not in den Kampf gegen Windmühlen. Dafür mit dem triumphierenden Schrei „Kampf!“ wie Travoltas Michael beim Anblick des Stiers.

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Anlauf, Zusammenprall, Explosion – und alles fährt zum Teufel, den Choleriker eingeschlossen.

Choleriker gibt es in drei Unterarten.

Psychopathische Choleriker

Psychopathische Choleriker sehen keinen Unterschied zwischen Ihnen und einem Stockerl. Und Gott sei Dank sehen sie ihn nicht – denn sähen sie ihn, wären sie aufrichtig überzeugt, dass Sie gemeinsam mit ihnen losziehen, um genau diesen Stier per Frontalzusammenstoß plattzumachen. Und wenn Sie ablehnen, nennen sie Sie einen Verräter und stufen Sie zurück in die Kategorie Stockerl.

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Manische Choleriker

Manische Choleriker sehen den Unterschied zwischen Ihnen und einem Stockerl sehr wohl, erklären aber: Wenn Sie schon kein Stockerl seien, dann eben ein Tisch, und dann hätten Sie gefälligst auf allen vieren zu stehen, denn so machen es alle Tische – und die Manischen haben, hol sie der Kuckuck, immer recht. Immer, so lange man auch mit ihnen streitet. Also brummen und drängen sie so lange, bis auch Sie auf allen vieren stehen und der besagte Stier gleich mit. Und das alles mit der müde leidenden Miene eines Märtyrers, der die Welt im Alleingang rettet. Und das liegt keineswegs daran, dass ihnen der Sex fehlt, nein, wo denken Sie hin: Sex gab es am Sankt-Nimmerleinstag, und bis zum nächsten Nimmerleinstag ist das nun wirklich überhaupt kein Thema.

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Schizoide Choleriker

Schizoide Choleriker sind dafür keine Märtyrer. Sie sind waschechte Peiniger, denn sie fangen an, die Psychopathischen, die Manischen, den Stier und das besagte Stockerl in Grund und Boden zu reden und ihnen das Hirn zu zermürben. Zum Einsatz kommen dabei die ausgefeiltesten dreistöckigen Metaphern für Körperempfindungen (im Klartext: Schimpfwörter), theatralisches Herumfuchteln mit den Armen und Spucke in alle Richtungen. Aber negativ und nervös sind natürlich nicht sie, sondern Sie – sie selbst sind angeblich die Ruhe und der Zen in Person. Na ja, zu ihrem vollkommenen Zen könnten sie Ihnen höchstens noch mit dem Vorschlaghammer verhelfen.

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Phlegmatiker

Die Phlegmatiker. Phlegmatiker sind diese Bekifften, die alles gestalthaft erfassen, also zu einem ganzen Bild zusammenfügen. Sie und die Choleriker und die Stiere und das Stockerl. Wie das Kalb im Zeichentrickfilm, das alle durchgezählt hat, ob sie wollten oder nicht. Dabei erfassen sie mitunter so lange, bis die Choleriker losziehen und alles kurz und klein schlagen – aber den Phlegmatikern ist das egal, sie erfassen auch die Tatsache des Kurz-und-klein-Schlagens noch gestalthaft.

Auch von ihnen gibt es drei Unterarten.

Autistische Phlegmatiker

Die Autistischen sind verdammt stur. Nicht ehrgeizig, nicht zielstrebig (obwohl das nicht ausgeschlossen ist), sondern schlicht stur. Sie stemmen die Hörner in den Boden, und kein Teufel bewegt sie. Nicht einmal die vereinten Kräfte aller Choleriker samt Stier. Schon der bloße Versuch, sie zu bewegen, versetzt sie in Starre und wird ignoriert, weil er sich nicht gestalthaft erfassen lässt. Selbst wenn also der Weltuntergang käme, würden die Autistischen ihn womöglich ignorieren, weil er in ihr Bild von der Welt nicht hineinpasst. Sie machen einfach weiter, was sie immer schon gemacht haben.

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Kompulsive Phlegmatiker

Die Kompulsiven sind verdammt korrekt. Und sie erwarten aufrichtig, dass alle anderen genauso korrekt sind. Sex erst nach der Hochzeit, die Hochzeit erst nach zehn Jahren Händchenhalten, und Händchenhalten erst, wenn der Kompulsive eine Mitgift, eine Wohnung und eine der künftigen besseren Hälfte würdige Figur vorzuweisen hat. Warum? Weil es korrekt ist, basta.

Aufs Bild klicken und mehr erfahren: Der Analytiker – der kompulsive Persönlichkeitstyp
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Und darin liegt die große Tragödie der Kompulsiven: Für alle korrekt zu sein ist körperlich unmöglich, es nicht zu sein aber seelisch unerträglich. Also sitzen die Kompulsiven in der Regel bis über beide Ohren in der Jauche und überzeugen die Umstehenden langatmig davon, dass Bio gut für die Haut ist – sie bleiben also noch ein Weilchen sitzen.

Paranoide Phlegmatiker

Die Paranoiden dagegen sitzen nicht im Bio und begreifen sogar, dass die Welt groß und chaotisch ist und sich nicht gestalthaft erfassen lässt. So gern man es auch täte. Statt zu erfassen, nörgeln die Paranoiden also. Über alles: über die chaotische Welt und über die Idioten, die darin auch noch etwas planen und erfassen wollen. Vor allem aber darüber, dass sie selbst nichts getan haben und an nichts schuld sind – die anderen dagegen …

Aufs Bild klicken und mehr erfahren: Der Ermittler – der paranoide Persönlichkeitstyp
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Extravertierte

Nun zu den Extravertierten. Da wird es noch lustiger, denn sie kennen sich selbst nicht, überzeugen aber alle lautstark vom Gegenteil und sind dabei ausgesprochen dekorativ beleidigt.

Sanguiniker

Sanguiniker sind diese Bekifften mit Posiertalent. Sie betreten keinen Raum, sie offenbaren sich dem Volk – mit Getöse, mit Musik, mit den Flüchen der Introvertierten und nicht selten sogar mit der Ansage „Und hier bin ich!“. Und danach fangen sie unweigerlich an, etwas anzuzetteln und das Wasser aufzuwühlen.

Wie bei allen gibt es auch von ihnen drei Unterarten.

Hysteroide Sanguiniker

Die Hysteroiden platzen herein und brechen dabei die Tür und alles, was die Tür streift. Und fangen sofort an zu fordern. Aufmerksamkeit, ein Stamperl, Küsse, Umarmungen, Geld oder Leben, Ihre letzte Hose und unbedingt die Reste Ihrer Nerven. Und zwar alles und sofort, sonst sind Sie ein selbstzufriedenes, gehörntes und stößiges Nutztier, das sie nicht liebt. Die erste Regel der Hysteroiden lautet: Alle reden über die Hysteroiden.

Aufs Bild klicken und mehr erfahren: Der Schauspieler – der hysteroide Persönlichkeitstyp
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Narzisstische Sanguiniker

Die Narzisstischen platzen nicht herein. Sie steigen elegant über den Hysteroiden hinweg und verkünden, sie selbst seien ja wohl nicht so eine Herde und so ein Pack wie diese Hysteroiden da drüben, und überhaupt seien sie anders – auch wenn auf die Straßenbahn zu warten ebenfalls nichts für Fürsten ist. Und Ihre Aufgabe ist es, ihnen rechtzeitig zuzustimmen, denn sonst stellt sich heraus, dass das Pack Sie selbst sind: Sie können ja überhaupt nicht mit vernünftigen, wohlerzogenen Menschen reden, die – anders als gewisse andere – niemals an irgendetwas schuld sind.

Aufs Bild klicken und mehr erfahren: Der Prinz – der narzisstische Persönlichkeitstyp
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Frustrierende Sanguiniker

Die Frustrierenden dagegen trägt ein Wirbel des Chaos herein, der alles auf seinem Weg umgestaltet. Da gibt es Ideen, Anfänge, Projekte, Pläne und Perspektiven und gaaanz viel Sex und Witze unter der Gürtellinie (aber ihnen sei es erlaubt). Und so viel Charisma und Energie, dass alle irgendwie unbemerkt mitgerissen werden und anfangen, etwas zu tun; und wenn sie es merken und beschließen, dem Frustrierenden endlich dorthin zu geben, wo er es sich verdient hat, ist er längst über alle Berge – und den Haufen unfertiger Projekte dürfen die Introvertierten zu Ende bringen.

Aufs Bild klicken und mehr erfahren: Der Stimmungsmacher – der frustrierende Persönlichkeitstyp
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Melancholiker

Bleiben die Melancholiker. Das sind diese Bekifften, die alle anlügen. Nein, lügen tun natürlich absolut alle, aber die Melancholiker tun es ästhetischer, feiner und flächendeckender, unlogisch und in erster Linie sich selbst. Etwas direkt zu sagen, geradeheraus und ohne Vortanz, ist für einen Melancholiker so gut wie der Tod.

Epileptoide Melancholiker

Die Epileptoiden lügen, damit man ihnen zu essen gibt. Denn sie sind ja so ätherisch, so zart, so gefühlvoll und scheiden ausschließlich Regenbögen und Seifenblasen aus – essen möchten sie trotzdem. Das direkt zuzugeben geht aber gar nicht, und so beginnen die Lieder über die Liebe und darüber, wie viel ein echter Mann jeder Frau schuldet – ihnen selbst natürlich nicht, aber wenn er es nicht tut, ist er kein Mann!

Aufs Bild klicken und mehr erfahren: Der Romantiker – der epileptoide Persönlichkeitstyp
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Depressive Melancholiker

Die Depressiven lügen, damit man nicht mit ihnen schimpft. Denn sie sind ja so brav, und die ganze Welt hasst sie und ist gegen sie, und überhaupt ist alles schlecht. Wenn also plötzlich alles gut ist, sind es genau die Depressiven, die anfangen herumzuwuseln und alles zu verändern: die Decke zurechtzuzupfen, Möbel zu rücken, die letzte Hose ihrer Nächsten an ihre Fernsten zu verschenken und alle aufzuscheuchen. Und wenn dann alle aufgescheucht sind und den Depressiven an den Kragen wollen, schlagen die demütig die Augen nieder und seufzen zufrieden, dass die ganze Welt tatsächlich gegen sie ist – sie haben es ja gesagt …

Aufs Bild klicken und mehr erfahren: Der Fürsorgliche – der depressive Persönlichkeitstyp
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Vermeidende Melancholiker

Am ausgefeiltesten aber lügen die Vermeidenden, denn sie lügen, um rein gar nichts tun zu müssen. Rein gar nichts zu tun ist allerdings schlecht, und so entfalten die Vermeidenden eine rasende Betriebsamkeit, bei der es um nichts geht und die kein Mensch braucht – aber sie waren ja sooo beschäftigt, so gehetzt und so abgekämpft, dass Sie es bloß nicht wagen sollten zu sagen, sie täten rein gar nichts. In diesem Fall werden sie die nächsten anderthalb Stunden sehr tatkräftig damit verbringen, Sie schlechtzumachen und abzuwerten, und Ihnen zu allem Überfluss auch noch tödlich böse sein – und Sie, nur Sie ganz allein, sind schuld daran, dass sie rein gar nichts geschafft haben und es jetzt garantiert auch nicht mehr schaffen.

Aufs Bild klicken und mehr erfahren: Der Philosoph – der Frustrations-Persönlichkeitstyp (vermeidend)
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Zum Abschluss des Artikels erinnere ich noch einmal daran, dass ich niemanden konkret gemeint habe (mit Ausnahme der Schizoiden – ja, ich bin so ein Biest, und ich bin stolz darauf).