Sie finden im Ernst, dass „passive Lebensposition“ nicht besonders gut klingt? Dann denken Sie an Wladimir Putin, Dmitri Medwedew, Steven Seagal, Céline Dion, Milla Jovovich – und obendrein an Angela Merkel. Sie alle sind Menschen mit passiver Lebensposition (PLP).
In der S-Theorie sind das Menschen, die auf Stabilität, Harmonie, Mehrung und Fortpflanzung ausgerichtet sind. Also jene, auf denen die Zivilisation ruht. Weiter entwickelt sie sich dadurch natürlich nicht – das ist die Sache derer mit aktiver Lebensposition –, dafür aber:
Das Motto der PassivenFRIEDEN DER WELT, UND DABEISEIN IST WICHTIGER ALS SIEGEN
Kurz gesagt: Das sind die friedliebendsten Menschen überhaupt, ausgerichtet auf Schöpferisches, Selbsterhaltung und Überleben. Es gibt dafür noch etliche anschaulichere Begriffe. In ihnen dominiert oder überwiegt die Anima, das Yin, das Weibliche. Und wie Sie oben bemerkt haben, finden sich unter den Menschen mit PLP viele Männer – und zwar sehr, sehr erfolgreiche.

Und doch ist es Weiblichkeit – also jene Eigenschaften, die man Frauen traditionell und auch aufgrund der Physiologie zuschreibt: das Bemühen um Dialog, der Wunsch nach stabilen Beziehungen zu den Menschen ringsum, die Fürsorge für Kinder, Nachwuchs und Katzen. Dazu gehört auch die Freude daran, zu kochen und andere satt zu machen.
Eine Einstellung, die für die Passiven typisch istSICH IN DER GESELLSCHAFT ZU ZEIGEN, IST NICHT SICHER
Brutale Männer mit „toxischer Männlichkeit“ in aktiver Lebensposition werden das nie verstehen!
Die PLP entsteht einerseits über das Geschlecht (also hormonell) und andererseits perinatal – bei einer sanften Schwangerschaft und einer ruhigen Geburt.
Und wo wir schon beim dominierenden weiblichen Prinzip sind: Es ist reichlich ironisch, dass in der heutigen Welt – bei allem vorherrschenden Feminismus – das Weibliche, die Weiblichkeit, in der aktuellen Psychologie überhaupt nicht erforscht wird (anders als die Männlichkeit, für die es sogar einen Index namens CNMI-46 gibt).
Eine der wenigen Arbeiten mit Indexcharakter zur passiven Lebensposition findet sich bei Irvin Yalom, der sich auf die Arbeiten zum Locus of Control (Kontrollüberzeugung) von Rotter (1966) beruft. Nebenbei bemerkt hat auch Rotter zur heutigen Verwechslung von Introversion/Extraversion und Aktivität/Passivität beigetragen, indem er die Skala zur Messung der Kontrollüberzeugung I-E nannte (internal–external, innen–außen).
Locus of Control nach Rotter (1966)Hat ein Mensch das Gefühl, dass die Ereignisse seines Lebens unter seiner Kontrolle stehen – oder dass sie unabhängig von seinem Handeln geschehen?
Glaubt ein Mensch an die eigene Einzigartigkeit – oder eher an einen letzten Retter? Nun, Menschen in der PLP „verlegen die Quelle der Kontrolle nach außen und suchen dort auch nach Antworten, Unterstützung und Führung“, und sie neigen eher dazu, ihr Leben als von äußeren Umständen bestimmt zu betrachten.
Was übrigens genau ihre Stärke ist: Dazu gehören die gutmütigsten Menschen, die depressiven Typen, ebenso wie die kunstfertigsten Ermittler à la Sherlock Holmes, denen kein noch so kleines Detail der Außenwelt entgeht. Denn von ihr hängt ja so vieles ab!







