Wie sich ein Mensch gegenüber der Gesellschaft positioniert – genau das ist die Lebensposition. Nach Jung und im Rahmen der S-Theorie sind das angeborene Eigenschaften der menschlichen Psyche, die das männliche und das weibliche Prinzip bezeichnen: Anima und Animus, Yin und Yang. Oder anders gesagt: jene Eigenschaft, die die Menschen teilt in die „Aktiven“, die auf Expansion und Dominanz ausgerichtet sind, und die „Passiven“, die auf Harmonie, Stabilität und Mehrung ausgerichtet sind.
Neben der Einstellung (Introversion und Extraversion) ist die Lebensposition die zweite angeborene, unveränderliche Eigenschaft des Menschen. Denken wir an Jung, so wissen wir: In jedem Mann steckt ein weibliches Prinzip und in jeder Frau ein männliches – das System „Anima und Animus“ ist uns also angeboren.
Diese Eigenschaften zeigen sich in der Wirklichkeit recht deutlich, und sie lassen sich leicht bestimmen, einschätzen und damit auch feststellen.
Männlich und Weiblich – das sind nicht nur äußere Geschlechtsmerkmale. Das äußere Geschlecht ist das, was wir im Spiegel sehen: die körperlichen Merkmale. Das innere Geschlecht ist das, wie wir uns selbst im Kopf vorstellen und auf welches Verhalten wir hormonell „geeicht“ sind.
Es gibt Männer, die äußerlich sehr männlich wirken, bei denen aber das weibliche Prinzip dominiert – die also in der passiven Lebensposition sind. Das sind zum Beispiel Leonardo DiCaprio, Dmitri Medwedew und Robin Williams.

Es gibt Frauen, die äußerlich weiblich sind, bei denen aber das männliche Prinzip dominiert – die also in der aktiven Lebensposition sind. Das sind zum Beispiel Charlize Theron, Alla Pugatschowa und Scarlett Johansson.

Die Kombination aus äußeren und inneren Geschlechtsmerkmalen kann also ganz unterschiedlich ausfallen.
In den verschiedenen Richtungen der Psychologie wird der Begriff „Lebensposition“ unterschiedlich beschrieben. Berne zum Beispiel fasst darunter die Kombinationen der „Okayness“: „Ich bin o.k., und du bist o.k.“, „Ich bin nicht o.k., und du bist nicht o.k.“ Uns interessiert dagegen das, worauf schon Furneaux Jordan 1896 in seinem Buch „Character as Seen in Body and Parentage“ („Der Charakter aus der Sicht von Körper und Abstammung“) aufmerksam gemacht hat. Er schrieb:

Furneaux Jordan, 1890, „Character as Seen in Body and Parentage“Es gibt zwei Charaktere, die sich grundlegend voneinander unterscheiden, zwei klar ausgeprägte Charaktertypen: Beim einen Typ ist die Neigung zur Aktivität stark und die Neigung zur Reflexion schwach; beim anderen überwiegt der Hang zur Reflexion, während der Drang zur Tätigkeit schwächer ausfällt
Als Jung die erste Typologie der Persönlichkeit entwickelte, beurteilte er Jordans Hinweis so:
Carl Gustav Jung, 1914Ich meine, dass das Moment der Aktivität als hauptsächliches Merkmal fallengelassen werden sollte; als Merkmal zweiten Ranges spielt es allerdings insofern eine Rolle, als der extravertierte Mensch, seiner Eigenart getreu, gewöhnlich viel beweglicher, lebendiger und tätiger ist als der introvertierte. Diese Eigenschaft hängt aber unbedingt von der Phase ab, in der sich das Individuum im Augenblick gegenüber der Außenwelt befindet







