Sweta beschloss, ihre Wohnküche zu renovieren. Es war längst überfällig, und sie verdiente im Grunde genug, um Handwerker zu bezahlen. Auf Empfehlung von Bekannten wandte sie sich an eine Handwerkerpartie; die Burschen nahmen Aufträge nebenbei gern an und galten als schnell und gründlich.
Hintergrund: Die Geschichten werden auf Grundlage der Rückmeldungen und mit Einverständnis der Klientinnen und Klienten veröffentlicht. Die Namen wurden bewusst geändert. Am Ende finden Sie den fachlichen Kommentar mit der Analyse dieser Beziehung.
Direkt zum fachlichen KommentarIm Grunde passierte Sweta so etwas alle paar Jahre, immer genau in den Pausen zwischen ihren Arbeitsprojekten und Reisen, und jedes Mal endete es traurig: Die Partien erwiesen sich als zu wenig professionell, machten etwas falsch, es gab Krach, Sweta regte sich auf, wurde ausgesprochen nervös, posaunte über alle sozialen Netzwerke hinaus, dass die Partie doch nicht so gut sei, und so weiter. Am Ende wurde die Sache über Konflikt und Geschrei mehr schlecht als recht fertig, und Sweta empörte sich, dass die Arbeiter sie wegen ihres Aussehens nicht ernst nähmen.

Das Aussehen war tatsächlich beachtlich. Mittellanges, in helles Blond gefärbtes Haar umrahmte ein sehr liebes und stets nur dezent geschminktes Gesicht. Blaue, begeistert staunende, weit auseinanderstehende Augen und volle Lippen wurden durch auffälligen Schmuck und ebenso auffällige Kleider ergänzt – Sweta führte ein paar Modeboutiquen, an guter Kleidung mangelte es ihr also nicht. Ob leider oder zum Glück,
Aber Sweta konnte überleben, sie hielt sich über Wasser, so gut es ging, und zog aus diesem ewigen Wirbel sogar ein seltsames Vergnügen. Über das Übermaß an Ereignissen in ihrem Leben klagte sie mir gegenüber natürlich, doch gerade beim Blick auf sie wagte ich es, den berühmten Satz aus dem Dienstreglement über den laufenden Offizier umzudichten: Eine „Frusti“, die auf der Stelle stehen bleibt, bedeutet in Kriegszeiten … wie sage ich das literarisch … dass der Polarfuchs zu uns kommt, so umschreibt man im Russischen höflich den völligen Zusammenbruch; in Friedenszeiten bedeutet es, dass der Polarfuchs stark zugenommen hat. Und ja, „Frusti“ ist unser Fachjargon für den Persönlichkeitstyp von Menschen wie Sweta. Bei ihnen allen sprudelt das Leben ununterbrochen, so eine Eigenheit des Charakters. Der Tradition folgend steht die Beschreibung des Persönlichkeitstyps am Ende der Geschichte.
Also: Sweta beschloss wieder einmal, zu renovieren und eine Handwerkerpartie anzuheuern. Geführt wurde die Partie von einem gewissen Wenja, genauer Weniamin: nach den Erzählungen derer, die mit ihm zu tun hatten, ein Alleskönner mit goldenen Händen und der Spezialisierung Elektrik. Wenja konnte alles und vollbrachte Unmögliches. Dabei nahm Wenja bei der Wahl seiner Worte kein Blatt vor den Mund, war jähzornig, doch sein Zorn verrauchte schnell, und überhaupt war er ein klassisches wandelndes Klischeebündel zu Maskulinität, Männlichkeit und Sexismus. Jene, die ihn Sweta empfohlen hatten, beschworen sie lange, sanft mit ihm umzugehen, denn Wenja könne einen auch zum Teufel schicken, und das wäre ein unersetzlicher Verlust. Sweta hatte die schlimmsten Vorahnungen, lud Weniamin aber trotzdem zu sich ein.

Wie erwartet kam es schon beim ersten Treffen zum Konflikt. Wenja sagte Sweta ehrlich, sie habe sich völligen Unsinn zusammenfantasiert, und die Handwerker davor seien nach den Ergebnissen ihrer Arbeit zu urteilen schlicht Betrüger gewesen. Was die vorigen Handwerker betraf, stimmte Sweta zu, mit seinem Urteil über ihre Idee war sie ganz und gar nicht einverstanden. Sie versuchte, Weniamin Anatoljewitsch höflich zu erklären, dass er nicht alle Aspekte des Konzepts gesehen und durchdacht habe …
– „Was gibt es da zu durchdenken, wenn das niemand so macht, weil es ausgemachter Blödsinn ist! (im Original stand hier natürlich eine dreistöckige Schimpfkanonade).“
– „Hören Sie, die Leute machen so etwas doch, und es schaut großartig aus!“, versuchte Sweta die Wogen zu glätten.
– „Mädchen, du kennst dich in Mode aus und ich mich im Bauen! Also selbst wenn es modern ist – aus bautechnischer Sicht ist es ausgemachter Blödsinn!“
– „Mit welchem Recht machen Sie mich zum Mädchen! Ich …“
Das war ein Streit erster Güte. Die Scheiben zitterten, die Wände wackelten, und Sweta und Wenja waren am Ende fast heiser.
Von einer hübschen, glamourösen Blondine hatte er so viel Widerstand nicht erwartet, aber es gefiel ihm. Weniamin sah dieses Wunder der Natur völlig neu, beinahe mit Respekt, und brummte, er werde darüber nachdenken und anrufen. Zu Hause setzte er sich tatsächlich an seinen Tisch und begann, Zeichnungen zu entwerfen. Schon am nächsten Tag rief er Sweta an und teilte ihr stolz mit, meinetwegen, er werde ihren Unsinn so bauen, dass alles funktioniert. Sweta jubelte, die Partie machte sich an die Arbeit, und schon Ende der Woche war die Wohnküche verwandelt.
– „Ich habe dir doch gesagt, dass es großartig wird!“, strahlte Sweta triumphierend.
– „Na ja, Wunder gibt es also doch“, gab Weniamin widerwillig zu.
– „Wunder – und Wundertäter!“
Im Überschwang der Gefühle umarmte Sweta den von dieser Wendung leicht verdutzten Weniamin sogar kurz. Und das nächste gemeinsame Projekt ließ nicht lange auf sich warten. Zuerst verwandelten sie gemeinsam Swetas Schlafzimmer, dann auch ihre Verkaufsflächen, und jedes Mal lief es nach demselben Drehbuch: eine völlig verrückte Idee, die Wenja anfangs ablehnte und Sweta dabei nach Strich und Faden beschimpfte, dann setzte sich Wenja hin, dachte nach und begriff, wie genau sich alles machen ließ. Und danach sah er Sweta mit noch verwunderterem Respekt an.
Sie unterschied sich grundlegend von den meisten Frauen, die er kannte: selbstständig, stark und so unberechenbar, dass er nur staunte. Weniamin war es gewohnt, über schwache Damen zu schimpfen, die das Kind spielen und alles auf fremde Kosten erledigen lassen wollen. Solche gab es an jeder Ecke. Schön und nutzlos. Sweta war anders, sie zog Aufmerksamkeit auf sich und rief sogar Respekt hervor.
nein, Wenja spürte mit jeder Faser, dass Sweta Männern insgesamt wohlgesinnt und von ihm ganz konkret restlos begeistert war.
Sweta war tatsächlich begeistert. Von der Arbeit dieses Mannes ebenso wie vom Mann selbst. Und der Gedanke, dass es nichts mehr zu renovieren gab und der Mann deshalb für immer aus ihrem Leben verschwinden könnte, beunruhigte sie zutiefst. Das durfte nicht passieren. Sie hatte sich womöglich schon ihre ganze Zukunft mit ihm ausgemalt, und er sollte einfach gehen? Nein, von ihr geht man nicht einfach so! Und Sweta lud Weniamin, ohne sich im Geringsten zu genieren, auf einen Kaffee mit Cognac ein (aber ohne Kaffee, fügte Wenja später gern hinzu, wobei er stets betonte, eine solche Frau nicht zu respektieren sei schlichtweg unmöglich).
Wenja blieb ihr nichts schuldig und lud Sweta zur Verkostung seiner Sammlung hochwertiger Tees ein. Und dann lud wieder sie ihn zu sich ein, und dann wieder er sie. Dann fuhren sie gemeinsam auf Urlaub, und dann noch einmal.
Das „junge Paar“ überlegte und beschloss, warum dann nicht gleich zusammenziehen … Was eine neue Welle von Renovierungen, diesmal bei Weniamin zu Hause, und eine neue Welle von Streitigkeiten auslöste, aus denen beide, wie es schien, unauslöschliches Vergnügen zogen. Fast komisch, dass Wenja später praktisch „nach Lehrbuch“ zugab, Sweta habe wirklich völlig verrückte Ideen.
Die verrückteste Idee hatte allerdings Wenja selbst. Er schlug Sweta vor, die Arbeit aufzugeben und mit den Kindern zu Hause zu bleiben.
– „Mit welchen Kindern?“
– „Mit unseren. Den künftigen.“
Sweta freute sich sogar über diese Möglichkeit, denn endlich hatte ihr ein echter, starker Mann, der sich um alles kümmert, das angeboten, wovon jede Frau träumt. Anderthalb Jahre gingen für die Versuche drauf, schwanger zu werden, sieben Monate für eine schwierige Schwangerschaft mit einer Frühgeburt, und nach insgesamt mehr als zwei Jahren zu Hause heulte Sweta auf. Noch einige Jahre bemühte sie sich, so gut sie konnte, gab alles, sorgte, bangte, kümmerte sich. Auf ihr Betreiben hin wuchs Weniamins Firma, nahm Fahrt auf und schnappte sich eine Reihe sehr großer Aufträge.
Aber Sweta selbst schien wie in einem Sumpf zu stecken, eingesperrt in dieser Routine. Über ihre Idee, wieder arbeiten zu gehen, lachte der Mann nur: Das sei nichts für eine Frau, ihre Arbeit sei jetzt zu Hause beim Kind. Sie versuchte, das mit vollem Ernst zu nehmen: Das Kind flitzte durch Kurse und Frühförderschulen, Sweta durch Koch- und Designkurse, aber irgendetwas stimmte nicht …
Und obendrein fing Wenja an fremdzugehen. Frauen erkennen so etwas am Geruch. Und danach bemerken sie alle Ungereimtheiten und alles Unausgesprochene. Hier brummte Wenja etwas Merkwürdiges zur Antwort, dort seltsame Nachrichten am Telefon und Geschenke in der Manteltasche, von denen Weniamin mit keinem Wort sprach … Ihr gemeinsames Kind dagegen vergötterte er und war für das Kind zu allem bereit. Für Sweta nicht. Sie fühlte sich mit jedem Tag stärker am falschen Platz, verbrachte Dutzende Stunden in Beratungsgesprächen und kam zu dem Schluss, dass eine Scheidung nicht zu vermeiden war. Und seltsamerweise brachte ihr diese Erkenntnis große Erleichterung.
Weniamin fiel der Gedanke an die Scheidung schwer. Es ist eine Sache, wenn er selbst manchmal überlegte, ob er sich nicht befreien sollte, und etwas ganz anderes, wenn seine eigene Frau ihn plötzlich sitzen lassen will. Das war unzulässig, aber Sweta blieb stur. Sie ging wieder arbeiten, mietete eine Wohnung und reichte einfach die Scheidung ein. Und das alles mit einem sechsjährigen Kind! Weil er sie, bitte schön, nicht zu schätzen wisse!
Das Verfahren war sehr schwierig, Weniamin war es gewohnt, jedes Hindernis zu zertrümmern, aber Sweta war ein Diamant, den man weder zerdrücken noch zerbröseln kann. Und wieder empfand Weniamin, ohne es zu wollen, wie schon zu Beginn ihrer Bekanntschaft, großen Respekt vor ihr. Nein, er wusste genau, dass das Frühere nicht zurückkehrt, doch seltsamerweise flammte ihre Leidenschaft nach der Scheidung mit neuer Kraft auf. Ob dafür Swetas Unerreichbarkeit und Freiheit bürgte oder die Tatsache, dass sie sich verwirklichen konnte. Wenja sah mit aufrichtiger Begeisterung auf seine wieder aufblühende Frau, die vollkommen Unglaubliches zustande brachte: arbeiten, sich um das Kind kümmern und obendrein Zeit für einen sehr freundlichen Umgang mit ihm finden – und jedes Mal betonen, wie gut es ihr allein gehe und wie wenig sie sonst jemanden brauche.
– „Und wenn du mich gleich losgelassen hättest, wäre es auch ohne Scheidung gegangen“, sagte Sweta einmal halb im Scherz, halb im Ernst, während sie sich nach einem weiteren sehr leidenschaftlichen Treffen an seine Schulter schmiegte.
– „Also gut, heiraten wir?“, schlug Weniamin fröhlich vor.
– „So schlau!“, zog Sweta die Worte in die Länge, „damit du wieder anfängst, mich zu betrügen?“
– „Ich kann dich doch auch jetzt betrügen!“, wunderte sich Wenja.
– „Jetzt kann auch ich dich betrügen!“, schnaubte Sweta.
– „Untersteh dich!“, murmelte Weniamin beleidigt.
– „Sonst was?“
– „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“
Zum Zeitpunkt meines Treffens mit ihnen lebten sie so weiter, in gegenseitigen Stippvisiten, und erinnerten ein wenig an die Helden des alten Films „The Marrying Man“.
Nur den bürokratischen Teil des „Heiratens“ ignorierten beide klugerweise. Dabei weigerten sich beide strikt, das eine Besuchsehe zu nennen. Das sei bei ihnen keine Ehe, bitte schön, das sei eine Beziehung nach dem Prinzip „alles interessant“ (im Gegensatz zum üblichen „es ist kompliziert“ in den sozialen Netzwerken). Auf meine Frage, wie lange sie so noch zu leben planen, runzelte Weniamin müde die Stirn, und Sweta zuckte unbekümmert mit den Schultern.
– „In der Scheidung haben wir weniger Routine und mehr Leidenschaft, ich bin nur für so ein Leben.“
– „Und was ist mit dem zweiten Kind?“
– „Schatz, ich verrate dir ein schreckliches Geheimnis: Für ein Kind braucht es keine Ehe.“
– „Tja, so leben wir …“
– „Genau: gemeinsame Abendessen, gemeinsame Projekte, gemeinsame Kinder – und keinerlei gemeinsame Routine!“
Fachlicher Kommentar
Sweta ist eine Vertreterin des frustrierenden Persönlichkeitstyps nach der S-Theorie. Für sie zählen vor allem Bewegung und das Sprudeln des Lebens, sie startet immer neue Projekte und kann sich oft nicht mit dem Erreichten zufriedengeben. Auf einem Fleck zu sitzen ist für diese Menschen wie der Tod. Frauen des frustrierenden Persönlichkeitstyps sind in der Regel sehr selbstständig, unabhängig und rastlos, und ihre Energieladung ist schlichtweg riesig. Sie sind offen für Neues und erkunden die Welt durch Versuch und Irrtum von den verschiedensten und interessantesten Seiten. Das Problem von Menschen wie Sweta liegt im Unwillen, Details auszuarbeiten, und darin, dass sie Verantwortung und negative Ergebnisse ihrer Projekte nicht annehmen. Routine und lange Verpflichtungen erträgt sie ebenfalls sehr schwer.
Weniamin ist der psychopathische Persönlichkeitstyp nach der S-Theorie. Er ist die Verkörperung der meisten Klischees und Stereotype zum Thema „echter Mann“: stark, erfolgreich, herrisch und geradeheraus. Er ist es gewohnt, sich vom Leben alles zu nehmen und sich selbst, seine Nächsten und überhaupt alle, die ihm unter die Hände kommen, unter Kontrolle zu halten. Bei ihm ist man wie hinter einer festen Mauer, man kann die eigene Weiblichkeit voll entfalten und muss nicht an morgen denken, aber gerade Sweta fehlt dort früher oder später die Freiheit des Selbstausdrucks. Als aktiver Persönlichkeitstyp braucht sie Arbeit oder irgendwelche beruflichen Projekte.
In der Regel beginnt die Beziehung mit einem großen Konflikt, meistens dann, wenn sie eine berufliche Position in der Gesellschaft beansprucht oder für Gerechtigkeit kämpft. Und je heftiger der Streit, desto besser danach die Versöhnung. Die Versöhnung kann sich in ein jahrelanges gemeinsames Leben verwandeln. Sie erschrickt sehr stark, wenn sie ihm begegnet. Doch Frauen des frustrierenden Typs haben eine Besonderheit: Je stärker sie erschrecken, desto mehr suchen sie die Konfrontation. Von außen sieht das nach völliger Furchtlosigkeit aus, obwohl es aus Entsetzen geschieht. Niemand außer ihnen selbst weiß davon. Sie ist in ihrer Furchtlosigkeit so überzeugend, dass sogar er nicht glaubt, dass man ihn fürchtet. Und das wundert ihn sehr. Seine Lieblingsmethode ist es, Angst zu machen – und hier fürchtet man ihn nicht. Genau darauf wird die Beziehung aufgebaut: Sie erschrickt regelmäßig, stellt aus Schreck etwas an, und er wundert sich sehr.
Beide sind sozial aktiv. Diese Verbindung ist in der Regel gesellschaftlich erfolgreich: Er hat viele Ressourcen, und sie hat verrückte Ideen.










