Der Philosoph

Der Frustrations-Persönlichkeitstyp (vermeidend)


Passiver Extravertierter im Kontakt mit der Erkenntnis

Was ist das für ein Name, „Frustrations-Persönlichkeitstyp“? Sagen wir es einfacher – das ist der Philosoph in Reinform, mit einer typischen Lebensposition: Alles regelt sich schon irgendwie von selbst. Denken wir an das Meme: „Was machst du gerade?“ – „Ich schaue den Bäumen beim Wachsen zu.“ – „Du kommst auch nie zur Ruhe.“ Dann verstehen Sie die Seele der Frustrationstypen.

Wenn Sie die Schauspieler Matt Damon, Robin Williams, Harrison Ford und Gérard Depardieu mögen, wenn Sie die frühere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bewundern, die Lieder von Lolita Miljawskaja hören oder der Herzogin von Cambridge, Kate Middleton, folgen, dann erkennen Sie diesen Typ auch am Äußeren.

Und wenn Sie den Dude aus dem Film „The Big Lebowski“ mögen, dann ist das überhaupt die Hymne der Frustrationstypen.

Von den inneren Prozessen her sind die „Philosophen“ Extravertierte in der passiven Lebensposition mit dem Ego-Typ der Erkenntnis und einem verletzten „Recht zu erreichen“

  • Extravertiert heißt: Sie brauchen die Rückmeldung der Welt um sie herum dringend, um sich selbst zu verstehen und zu erkennen.
  • Passiv heißt: Menschen, die auf Harmonie und Freundschaft mit den anderen ausgerichtet sind und denen das Dabeisein wichtiger ist als der Sieg oder soziale Erfolge
  • Der Ego-Typ der Erkenntnis bestimmt ihr Streben nach Sinnhaftigkeit des Daseins. Der Logik trauen sie jedoch nicht (weil sie sie nur schwach beherrschen) und ziehen die Erkenntnis über die eigene Erfahrung vor: Sie denken sich ein Experiment aus, schauen sich das Ergebnis an und versuchen zu verstehen, wie man zu einem Ergebnis kommt

Bittet man sie, von ihrer Kindheit zu erzählen, erinnern sich die Philosophen meist daran, dass sie wunderbare, liebevolle Eltern hatten – aber kurz vor der Schule lief etwas schief. Alles war gut, und dann zog die Familie entweder in eine andere Stadt, oder ein Elternteil starb. So entstand das verletzte „Recht zu erreichen“, ein inneres Verbot gegen den schnellen, plötzlichen, unüberlegten Start und ebenso gegen Abschlüsse und Erfolge.

Deshalb „bremsen“ sie ständig, bevorzugen Langsamkeit und Bedachtsamkeit in allem, was sie tun, und leben nach der Devise

Lieber etwas Wichtiges nicht tun, als es zu tun

Es könnte ja schiefgehen – und die Philosophen haben große Schwierigkeiten damit, Verantwortung für ihre Entscheidungen und für die Ergebnisse ihres Handelns zu übernehmen.

Man kann die Frustrationstypen auch „Oblomows“ (nach dem trägen Romanhelden bei Gontscharow) oder „Hinhalter“ nennen. Die Philosophen haben es nicht eilig: Sie bremsen am Anfang, und sie bremsen am Ende. Damit „frustrieren“ sie indirekt die anderen und sich selbst – dadurch, dass Vereinbarungen zu spät oder gar nicht erfüllt werden. Es ist ein ständiges Zupfen an der Leine, eine Art Prüfung.

Nur kommen die anderen gar nicht dazu, beleidigt zu sein: Wenn der Philosoph einmal losgeht, dann geht er auch – methodisch, gleichmäßig und ruhig, „gemächlich steigen wir vom Berg hinab“. Ergebnisse gibt es, aber langsame, gemessene. Deshalb ernten sie dort, wo andere in Konflikt und Strafe geraten, oft ein Lächeln, einen Händedruck und neue Bekanntschaften – nach dem Motto: „Was für ein nettes Gespräch!“

Und abgerundet wird ihr Persönlichkeitsbild dadurch, dass sie Förmlichkeit, Pomp, übertriebene Strenge und Ernst nicht annehmen. Sie halten sich ein wenig abseits des Gesellschaftlichen und mögen soziale Regeln und Normen nicht. Dann lassen die Philosophen, wie es ihrem Wesen entspricht, die anderen auflaufen – im Stil von: „Was, man muss im Anzug kommen? Gut, bitte sehr, ich ziehe einen Anzug an! Sie sehen ja, jetzt schaue ich aus wie ein Sandler!“