Der Philosoph

Der Frustrations-Persönlichkeitstyp (vermeidend)


Passiver Extravertierter im Kontakt mit der Erkenntnis

Vor- und Nachteile des Frustrationstyps

Der Frustrations-Persönlichkeitstyp ist ein Stratege, wie er im Buche steht! Von Intrigen, die er spinnen kann, haben andere Persönlichkeitstypen nicht einmal geträumt. Eine andere Sache ist, dass der Frustrationstyp im Grunde ein gutmütiger Mensch ist: Gemeinheiten sind ihm schlicht zu mühsam. Deshalb umgeht er alle Regeln, Verbote und Einschränkungen leicht, sanft und ohne Streit. Überhaupt weicht er Konflikten aus, um seinen Komfort zu bewahren. Doch so glatt läuft es nicht! Sehen wir uns die harmonischen und die konfliktträchtigen Züge dieses Typs im Detail an.

Harmonische Persönlichkeitszüge der „Philosophen“

Um bequem an Strategien zu arbeiten (also an Intrigen), lenkt der Frustrationstyp am liebsten die graue Eminenz, indem er ihr buchstäblich Ideen zuspielt, wie zu lenken sei. Und die graue Eminenz lenkt dann jene, die am Steuer stehen und die unmittelbaren Schritte und Hebel in der Hand haben. Die Botschaft des Frustrationstyps lautet:

„Wir segeln nach Westen! Mit welchen Abweichungen sie segeln – Gott sei mit ihnen! Hauptsache, die Richtung stimmt.“

Der wichtigste harmonische Zug sind all die positiven Eigenschaften von Winnie Puuh: das Plüschige, das Positive, die Gutmütigkeit, die Gemächlichkeit. Das ähnelt der Philosophie daoistischer Mönche: Man gibt sich mit wenig zufrieden.

Sie sind kreativ und vielseitig begabt. Ihre Fantasie ist voll entwickelt – so sehr, dass sie in jeder beliebigen Realität fantasieren und das Fantasierte danach auch verwirklichen können.

Sie sind tolerant und haben ein Grundvertrauen in die Welt, ins Leben, in die Menschen und in den Fluss der Dinge. Deshalb versuchen sie, in jedem Menschen etwas Wertvolles, Gutes, Interessantes zu sehen. Als passive Persönlichkeiten ermüden sie jedoch im Umgang mit Menschen. Sie erforschen und interessieren sich also eher und gehen zugleich ein wenig auf Distanz. Der Frustrationstyp wirkt stets offen und kontaktfreudig. Doch hinter dieser äußeren Offenheit entfernt er sich in Wahrheit ein Stück, zieht sich zurück und geht bei erster Gelegenheit ein Stück weit weg – damit Zeit zum Erleben bleibt, damit er es innerlich fühlen und durchdenken kann.

Als Logiker können Frustrationstypen Wissen aus verschiedensten Gebieten zusammenführen und integrieren – also buchstäblich sehen, wie es sich zu einem Hyperwert verbindet. Sie sehen den Wald und das Ganze, nicht nur die einzelnen Bäume, und wirken deshalb von außen auf jedem Gebiet kompetent, das sie interessiert (und stellen sich auch so dar). Ebenso leicht und mutig nehmen sie jede neue Sache in Angriff, auch ohne dafür ausreichendes Wissen zu haben.

Frustrationstypen denken groß – in Visionen wie in Taten. Daraus entstehen mitunter Schwierigkeiten, weil sie mit zu großen Begriffen hantieren. Details mögen sie als Extravertierte nicht, und sobald sie ihre großen Maßstäbe an eine konkrete Situation anlegen, gerät alles ins Stocken. Sind sie aber erst auf einer gewissen Ebene der Verallgemeinerung angekommen, ist dort alles klar.

Konfliktträchtige Züge

Das Hauptproblem der Frustrationstypen: Sie lassen sich schwer in Gang bringen und „bremsen“ beim Start. Geht es um etwas Unwichtiges, fangen sie leicht an, erzielen Ergebnisse und finden dafür Anerkennung. Doch sobald eine Sache den Status einer wichtigen Angelegenheit bekommt, beginnt die eigentliche Intrige.

Bis zuletzt weigern sie sich, alle Punkte auf die i zu setzen; volle Klarheit und Bestimmtheit wollen sie in keiner Sache: Man kann doch noch so viel nachdenken, in sich hineinhorchen, abwägen, mit dem Bewusstsein durch die Weiten dieser Philosophie treiben. Deshalb weichen sie klaren, eindeutigen Antworten auf direkte Fragen mit allen Mitteln aus und lassen sich „Fluchtwege“ und Ausflüchte offen.

In ihrem Inneren brodelt eine Menge Erleben rund um Ideen, Systeme, Philosophien. Um sich dieses Erleben zu gönnen, wirken Frustrationstypen von außen zerstreut und vergesslich. Die wichtigsten Dinge schieben sie auf – nach dem Muster: „Was stand denn heute am Plan? Einkaufen gehen, fernsehen, die Wohnung aufräumen. Und in einer halben Stunde – wieder fernsehen.“

Der Frustrationstyp kann für jedes Gebiet eine Erfolgsstrategie entwerfen und sie auf die Ebene konkreter Aufgaben herunterbrechen; er gibt einen guten Methodiker ab. Doch danach müsste man das alles noch aufschreiben, die Punkte auf die i setzen – und schon wird es langweilig: Es bleibt nur noch die Umsetzung, und die ist nicht mehr interessant.

Im letzten Moment, wenn das Ergebnis, das er so lange angestrebt hat, zum Greifen nahe ist, bleibt er einen Schritt davor abrupt stehen. Dann beginnt der langsame Prozess, dieses Ergebnis anzunehmen – im Detail, um alles zu durchfühlen, damit es abgeschlossen ist. Das erinnert manchmal an Hedonismus, ist aber von etwas anderer Art.

Sie meiden die Verantwortung für ihre Entscheidungen und Handlungen und ziehen ihre Worte, Versprechen und Vereinbarungen lieber zurück. Das Lieblingsspiel: „Diese Verpflichtung habe ich nicht freiwillig übernommen. Ich habe das nicht gewählt. Was kümmert mich, was ich versprochen habe?“ Wie in dem Witz:

„Du hast versprochen, mich zu heiraten! – Was kümmert mich, was ich dir versprochen habe!“

Typisch ist die Lebensposition „es wird sich schon irgendwie von selbst regeln, es kommt schon“, „sie kommen von selbst, bieten von selbst alles an und machen alles“. Am liebsten lassen sie das Verantwortungsvollste für sich erledigen – und wollen dabei doch am Steuer bleiben.

Und äußerlich mündet das alles in eine Art unangepassten „Sandler-Look“ – im Erscheinungsbild, in der Lebensweise und im Weltbild.