Der Extravertierte ist ein Mensch, der sich selbst über die Resonanz der Welt ringsum erkennt. Daher kommen die Gesprächigkeit (erzählen, um die eigenen Gedanken zu verstehen), die Geselligkeit (um Rückmeldung zu bekommen) und häufig auch die Theatralik (um die Aufmerksamkeit der anderen zu gewinnen).
Umso paradoxer ist es, dass nach dem Wort „Extravertierter“ in Suchmaschinen halb so oft gesucht wird wie nach dem Wort „Introvertierter“. Vielleicht, weil Introvertierte mehr Fragen stellen; vielleicht, weil Extravertierte weniger in Suchmaschinen sitzen und mehr reden. Oder womöglich, weil es unter den Extravertierten mehr Frauen als Männer gibt (und Frauen interessieren sich für Männerfragen))). Diese Behauptung muss allerdings statistisch erst noch überprüft werden.

Die Extraversion ist eine der beiden Formen der Einstellung eines Menschen. Die Einstellung ist eine angeborene Form des Verhältnisses des Menschen zur äußeren Welt, die sich im Denken ebenso zeigt wie in der Physiologie und in den Grundreaktionen.
Der Erste, der in der Psychologie über die Einstellungen schrieb, war, wie Sie aus dem Artikel oben erfahren haben, Carl Gustav Jung. Doch der erste Dichter, der sich groß angelegt in die Unterschiede zwischen Extravertierten und Introvertierten vertiefte, war Friedrich Schiller. Bereits 1795 charakterisierte er in seiner Schrift „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ die Formel der Extravertierten so:
Schiller über die Extraversion„Alles Äußere zu verinnerlichen und allem Innerlichen Form zu geben“
Zum Extravertierten wird man nicht, als Extravertierter wird man geboren. Diese Einstellung bildet sich perinatal aus, und zum Zeitpunkt der Entwicklung ist „der Stempel gesetzt“. In der Regel sind Extravertierte die Frucht einer ruhigen Schwangerschaft: Der Mutter ging es gut, und dem Kind im Bauch ebenfalls. Das Ergebnis: mehr Entspanntheit und Fluss, weniger Angespanntheit und weniger Bedürfnis, sich selbst und die anderen zu kontrollieren.

Am leichtesten zu bemerken ist das beim Tanzen. Die Bewegungen der Extravertierten sind unabgeschlossen, fließend, gehen ineinander über. Bauchtanz und erotische Bewegungen sind ihr Element. Dafür sieht man einem Extravertierten nicht so gern beim Hip-Hop zu oder bei irgendwelchen „Pas“, die klare, abgeschlossene Bewegungen verlangen: Es sieht alles irgendwie richtig aus, aber nicht besonders überzeugend.
Introvertierte und Extravertierte unterscheiden sich in der Wirbelsäule. Bei Introvertierten finden sich verschiedene Formen der Wirbelsäulenverkrümmung. Viele Extravertierte haben zum Beispiel einen kurzen Hals. Introvertierte hängen stärker vom Bau des Nervensystems ab, Extravertierte vom Bau des Hormonsystems.
Manchmal heißt es, der Introvertierte sei stärker auf die Innenwelt ausgerichtet und der Extravertierte auf die äußere – doch in dieser Behauptung steckt ein logischer Fehler. Das Grundbedürfnis des Extravertierten ist, sich selbst zu erkennen. Ja, über die Welt ringsum, aber sich selbst. Jedes Ereignis, das außen geschieht, wird automatisch auf die innere Realität bezogen: „Wie wirkt das auf mich? Was ist dadurch mit mir geschehen?“ Die Hauptaufmerksamkeit des Extravertierten richtet sich also auf seine eigene Innenwelt: Hat er eine Tatsache erhalten, überlegt er (oder sie), wo sie einzuordnen ist und wie er sich mit ihr arrangiert.







