Besonderheiten des Temperaments: was man wissen sollte

Besonderheiten des Temperaments: was man wissen sollte

Das Thema Extraversion und Introversion war spannend, aber noch nicht zu Ende erzählt. Ich hole das Versäumte nach und erzähle weiter. Was ist Temperament, welche Besonderheiten hat es, und wie hängt es mit Extra- und Introversion zusammen? Man hat es dauernd im Ohr – und genaue Definitionen sucht man lange.

Das Temperament (von lat. temperamentum – „beständige Mischung der Bestandteile“) ist eine beständige Sache, physiologisch, psychologisch und historisch. Anders gesagt: Es ändert sich nicht. Schon in der Antike legte Hippokrates, geboren 460 v. Chr., für drei Jahrtausende fest, dass das Verhalten des Menschen davon abhängt, welcher der „Lebenssäfte“ überwiegt. Ein Saft konnte zwei Merkmale haben: heiß/kalt und trocken/feucht.

Das Temperament im Mittelalter
Das Temperament im Mittelalter

So kamen 4 Elemente zusammen:

  • Phlegma, der „Schleim“, kalt und feucht, der den Menschen ruhig und langsam macht – den Phlegmatiker.
  • Sanguis, das „Blut“, heiß und feucht, das den Menschen beweglich und fröhlich macht – den Sanguiniker.
  • Chole, die „Galle, das Gift“, heiß und trocken, die den Menschen hysterisch und grob macht, „heiß“ – den Choleriker.
  • Melaina chole, die „schwarze Galle“, kalt und trocken, die den Kerl traurig und ängstlich macht – den Melancholiker. Die „schwarze Galle“ galt übrigens als einziges Element, das im Körper von Natur aus gar nicht vorkommt.

Dieselben Elemente entsprachen Tageszeiten, Himmelsrichtungen und Organen des Körpers.

Menschheit und Medizin lebten fast dreitausend Jahre in dieser Theorie, bis ins 17. Jahrhundert. Im Mittelalter nahm man an, Krankheiten entstünden, wenn einer der „Säfte“ die Oberhand gewinnt – im Körper sollte ja ein harmonisches Gleichgewicht der Säfte herrschen. Deshalb löste der Aderlass alle Probleme, und die Gesundheit las man an der Farbe des Harns ab:

  • Sanguiniker – vom Schlag eines Kirkorow – galten als angenehme Leute mit „goldenem Regen“.
  • Melancholiker dagegen, verschlagen und schlecht gelaunt wie Tymoschenko, mussten grauen Harn haben.

Aber die Zeiten änderten sich, die Wissenschaft kam voran, und statt vier Temperamenten finden wir heute ... vier Temperamente! Übrigens ist die Wissenschaft so weit, dass sie aus Daten sozialer Netzwerke und Suchanfragen ablesen kann, welches Temperament zu welchen Geschenken, Berufen, Autos und vielem mehr neigt. Blättern Sie selbst durch die Grafik unten.

Die einfachste und schönste Theorie der letzten Zeit, die mir zu diesem Thema begegnet ist, betraf die Persönlichkeitstypen.

„Eine richtige Theorie ist einfach und schön. Wenn man Ihnen eine Theorie unterschiebt, die zwar manches ganz gut erklärt, aber an einer Stelle gebogen und zurechtgeschoben werden muss – lassen Sie sich nicht darauf ein! Fallen Sie nicht auf Illusionen herein!“

Nik Garkawy

Diese Theorie hat sehr einfach und sehr schön viele verstreute Puzzleteile zusammengefügt und ein stimmiges Bild von der Welt ergeben – und eben auch von den Temperamenten.

Extraversion oder aktive Lebensposition?

Es gibt Introvertierte und Extravertierte. Introvertierte erkunden die Welt über sich selbst, Extravertierte sich selbst über die Welt. Ausführlicher habe ich das in einem anderen Artikel beschrieben. Und jetzt gehen wir weiter. Die einen wie die anderen können aktiv oder passiv sein. Das ist dasselbe wie Yin und Yang, Stahl oder Wasser, Ausdehnung oder Bewahrung.

Die Aktiven genießen das Risiko (wohlgemerkt: das aus ihrer Sicht vertretbare), sie sind gern in großen Runden unterwegs, gehen in Clubs, quatschen mit Leuten und tun überhaupt vieles von dem, was man sonst zu Unrecht nur den Extravertierten zuschreibt. Und die Aktiven übernehmen die führende Rolle in Familie oder Beziehung, sie ergreifen die Initiative,

Die Passiven sind umgekehrt auf Ruhe und Bewahrung aus. Sie gehen mit Risiken viel vorsichtiger um, sind nur selten Karrieremenschen und wählen verlässlichere, sicherere Wege und Lösungen. Passive Extravertierte können monatelang zu Hause sitzen und mit anderen über Internet und Telefon in Verbindung bleiben. Um Führung, Einfluss und Macht werden sie kaum kämpfen. Oft sind sie sogar dafür, dass jemand anderer die Verantwortung trägt: das System, die öffentliche Meinung, eine Verschwörungstheorie, der Partner und so weiter. Wichtig ist hier die Unterscheidung: Passive sind durchaus selbstständige Menschen, sie können viel erreichen und die Verantwortung für ihr Leben selbst übernehmen – aber wozu, wenn es die Aktiven gibt, die ohnehin als Erste vorpreschen, und das auch noch mit Freude.

Was haben wir also am Ende: Wir haben Introvertierte und Extravertierte, und die können aktiv oder passiv sein. Macht vier Verhaltensvarianten, die den vier Temperamenten entsprechen. Und wir haben eine sehr einfache und logische Definition des Temperaments: Es ist unsere angeborene Art, Aufgaben, Fragen und Probleme zu lösen. Und auf diese Art wirken unmittelbar unsere Intro-/Extraversion und unsere Aktivität.

Besonderheiten des Temperaments

Choleriker sind nichts anderes als aktive Introvertierte: Menschen, die die Welt über ihre eigenen Empfindungen erkennen – und dabei nicht vergessen, sich dafür die unterschiedlichsten, für andere nicht immer angenehmen Situationen zu schaffen, ordentlich Raum einzunehmen, bei Bedarf laut zu werden und zu poltern und stur auf ihre Ziele zuzugehen, wobei sie Hindernisse und Widerstände gelegentlich schlicht übersehen.

Phlegmatiker sind ebenfalls Introvertierte, aber passive. Sie nehmen eher die Position von Beobachtern ein, bemerken genau alle Kleinigkeiten und Details, analysieren die Lage und streben nicht besonders danach, auf sie einzuwirken. Während die Choleriker eifrig hin und her sausen und den Leuten sich selbst, ihre überwertigen Ideen oder gleich beides andrehen, schauen sich die Phlegmatiker das an, schmunzeln in sich hinein und tun dann das, was für sie selbst nötig und günstig ist.

Aktive Extravertierte sind die Sanguiniker. Die „öffentliche Meinung“ und viele Klischees haben sie zu ewig gut gelaunten, lauten Gemütsmenschen erklärt, und zum Teil stimmt das auch – aber eben nur zum Teil. Als Extravertierte brauchen sie Austausch und Bewegung, denn nur so bekommen sie von der Welt Antworten über sich selbst und ihre Gefühle. Und manchmal ist dieser Trubel wirklich zu viel, sogar aus Sicht anderer Extravertierter. Dafür entwaffnen ihr Lächeln, ihre Entschlossenheit und ihre Begeisterung, und der Lärm, den sie einfach so machen können, zieht die Aufmerksamkeit der Introvertierten um sie herum an und lädt sie auf für gute Taten und große Vorhaben.

Und schließlich die Melancholiker. Das sind die übrig gebliebenen passiven Extravertierten. Wie es sich für Extravertierte gehört, kennen sie die Welt um sich und erkennen über sie sich selbst – nur ruhiger und leiser. Sie haben viele Freunde, mit denen sich alles besprechen lässt, sie sind echte Teamplayer und werfen sich vor den Partner, um ihn zu schützen; und melancholische Frauen sind das Ideal von Weiblichkeit.

Und natürlich ist es fast unmöglich, ein völlig reines Temperament zu finden. Jede und jeder von uns kann im Lauf des Lebens und je nach Umständen mehr oder weniger Aktivität zeigen und manchmal sogar im Verhalten Züge von Temperamenten mit einer anderen Art des Erkennens zeigen. Aber Züge sind das eine, unsere angeborene Grundausstattung etwas ganz anderes. Sie und nur sie bestimmt, wie wir uns der Welt zeigen, wo unsere Stärken und Schwächen liegen – und sie wirkt auch auf unsere Persönlichkeitstypen.

Und was mache ich jetzt damit?

Leben! Wie wir schon geklärt haben, ist jedes Temperament im Grunde unsere angeborene Art, anstehende Aufgaben, Fragen und Probleme zu lösen. Selbst wenn wir Züge der benachbarten Temperamente zeigen, bleibt diese Art bestehen. Von Extravertierten kann man keine so genaue Beschreibung ihres Inneren erwarten wie von Introvertierten (sie beschreiben sich schon, aber ganz anders, als es einem Introvertierten je in den Sinn käme). Und von Aktiven kann man nicht die Unnahbarkeit und das ewige Zuhausesitzen erwarten, die die Pop-Psychologie ihnen zuschreibt.

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Das Interessanteste daran: Es gibt sehr wenige fachliche Tests zu diesem Thema, die eindeutige Antworten geben, und selbst unter Fachleuten wird Extra-/Introversion immer wieder mit Aktivität verwechselt. Wer das nicht verwechselt, sind die Filmleute. Die haben klar erkannt: Wenn unter den Hauptfiguren eines Films Vertreter jedes Temperaments vorkommen, kann sich jede Zuschauerin und jeder Zuschauer in einer Figur „wiederfinden“ – und damit wird der Film oder die Serie erfolgreicher.

Wir haben Forschungsergebnisse und Erfahrungen berücksichtigt und einen eigenen Test zu den Temperamenten und zu den Persönlichkeitstypen entwickelt, die sich auf ihnen aufbauen. Nach einem Gespräch mit uns erfahren Sie nicht nur alles über sich selbst, sondern auf Wunsch auch über Ihre Nächsten. Ich schlage Ihnen aber vor, zuerst zu prüfen, wie gut Sie selbst Menschen lesen können. Wer auf dem Bild zu diesem Beitrag hat welches Temperament? :)

Mach den ersten Schritt ...

Erraten? Dann kannst du jetzt dich selbst prüfen – oder sogar, wer zu dir passt. Der erste Test ist in der App DatiCo, mit deinem Temperament geht es hier weiter:

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