Wie viel Prozent Introvertierte und Extravertierte gibt es auf der Welt?

Wie viel Prozent Introvertierte und Extravertierte gibt es auf der Welt?

Die Frage, wie viel Prozent Introvertierte und Extravertierte es auf unserer Welt gibt, weckt immer wieder Interesse. Wer dieses Verhältnis versteht, begreift auch die Vielfalt menschlicher Persönlichkeiten besser.

Stellen wir zunächst die Uhren gleich und einigen wir uns darauf, wen wir Introvertierte und wen wir Extravertierte nennen

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Ein historischer Überblick über die Forschung

Untersuchungen aus verschiedenen Zeiten kommen zu unterschiedlichen Schätzungen des Verhältnisses von Introvertierten und Extravertierten. Die Studie von Gray und Wheelwright (1946) etwa ergab unter zweihundert Befragten 54 % Introvertierte und 46 % Extravertierte. Eine andere Untersuchung von Myers und Briggs (1962) mit 8561 Teilnehmenden ergab 55 % Extravertierte und 45 % Introvertierte.

Heutige Sichtweisen

Otto Kroeger und Janet Thuesen behaupten in ihrem Buch „Type Talk“, es gebe dreimal weniger Introvertierte als Extravertierte. Susan Cain verweist in ihrem Buch „Quiet“ (deutsch „Still“) auf Untersuchungen, nach denen 33 bis 50 % der Bevölkerung der USA introvertiert sind. In bestimmten Berufsgruppen, etwa unter Juristinnen und Juristen, kann der Anteil der Introvertierten deutlich höher liegen.

Und das schreiben die Autoren über das Verhältnis von Introvertierten und Extravertierten in den USA:

Introvertierte sind dreimal seltener. Deshalb müssen sie zusätzliche Fähigkeiten entwickeln, die ihnen helfen, dem enormen Druck der Gesellschaft standzuhalten, die von ihnen verlangt, „so zu sein wie alle anderen“.

Kroeger & Thuesen, 1989

Auf unserer Website sieht der Anteil von Introvertierten und Extravertierten allerdings ganz anders aus. Prüfen Sie es selbst – beantworten Sie die Frage unten:

Folgt man Eysenck, so sind Extravertierte und Introvertierte gleichmäßig in der Bevölkerung vertreten, mit je 16 %. Die meisten Menschen (rund 68 Prozent der Bevölkerung) liegen im mittleren Bereich des Kontinuums von Extraversion und Introversion, in einem Feld, das Ambiversion heißt (Bartol, 2004). Zum Verständnis: Das „mittlere Kontinuum“ bei Eysenck ist alles halbwegs Ausgeglichene.

Kulturelle und persönliche Unterschiede

Woher kommen also derart unterschiedliche Schätzungen? Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. unterschiedliche Definitionen von Introversion und Extraversion, vor allem ihre Vermischung mit der aktiven und der passiven Lebensposition. Vor diesem Fehler warnte schon vor 100 Jahren Carl Gustav Jung selbst, der Begründer der Persönlichkeitstypologien. Einzelheiten zu diesen Fehlern lesen Sie in den Beiträgen "Die Lebenspositionen des Menschen" und "Test zum Persönlichkeitstyp. Bringt er etwas?"
  2. kulturelle Vorlieben der Forschenden. Die Psychotherapeutin M. Laney weist in ihrem Buch „The Introvert Advantage“ mehrfach auf die ungerechte, marketinggetriebene Überhöhung eines Temperaments in den USA hin: „Für Extravertierte wird ordentlich die Werbetrommel gerührt“ (Laney 2002).
  3. das persönliche Temperament der forschenden Person. Ist sie extravertiert, zieht sie Extravertierte an – und umgekehrt. Das ist allerdings eine breitere und feinere Materie, die einen eigenen Beitrag verdient.

Fazit und Literatur

Mein persönliches Fazit: Das Verhältnis von Introvertierten und Extravertierten auf der Welt ist ungefähr gleich. Wer mehr lesen möchte, findet hier weiterführende Literatur:

  • Gordon, L. A. (2016, January 1). Most lawyers are introverted, and that's not necessarily a bad thing. ABA Journal.
  • Kroeger, O., & Thuesen, J. M. (1989). Type Talk: The 16 Personality Types That Determine How We Live, Love, and Work. Dell
  • Laney, M. O. (2003). The Introvert Advantage: How to Thrive in an Extrovert World (russische Ausgabe, übersetzt von E. Bogdanowa). Moskau: Verlag Eksmo.
  • Bartol, C. (2004). Criminal Behavior: A Psychological Approach (russische Ausgabe). Sankt Petersburg: PRIME-EWROSNAK.