„Ich muss kurzfristig arbeiten, bitte pass auf meine Tochter auf. Deiner wird es zu zweit auch lustiger gehen“, bittet Sie eine Freundin. Dabei hatten Sie sich für diesen Tag endlich Erholung vorgenommen. Aber die Freundin hängen lassen wollen Sie auch nicht – sie springt ja manchmal ebenfalls für Sie ein.
Was passiert mit uns, wenn wir „Nein“ sagen?
Was fühlen Sie, wenn Sie einer Bitte zustimmen, die Sie eigentlich nicht erfüllen wollen? Und was, wenn Sie ablehnen? Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera, wie man sagt. Im ersten Fall des obigen Beispiels kann das Ärger über die Freundin sein; Wut auf sich selbst, weil man nicht absagen kann; der Versuch, sich einzureden, es sei die richtige Entscheidung gewesen. Im zweiten Fall das Gefühl, schlecht zu sein, ein Schuldgefühl, das Gefühl, sich von der Freundin zu entfernen.
Warum also fällt ein „Nein“ so schwer? Und gibt es einen Weg, der aus dieser Wahl zwischen Pest und Cholera herausführt – abzusagen und danach in Ruhe weiter seinen Dingen nachzugehen?
Warum ist das so schwer?
Wir Menschen sind soziale Wesen, deshalb wird auf der Ebene der Biochemie und des Reptiliengehirns jede Zurückweisung und jeder Beziehungsabbruch – und sei er nur hypothetisch – als Gefahr wahrgenommen. Allein zu bleiben, außerhalb des Rudels zu stehen, bedeutete früher den sicheren Tod. Das Gehirn erkennt diese Bedrohung schon im Anflug und drückt sofort den roten Knopf: Achtung, Gefahr! „Sag Ja, dann bleibt die Beziehung erhalten“, schlägt es vor. Das läuft auf der Ebene des Instinkts. Daneben haben wir aber auch den Neokortex, unser „rationales“ Gehirn. Er hilft uns einzuschätzen, wie real die Gefahr ist, und aus dem gegenwärtigen Moment heraus zu entscheiden statt gestützt auf hypothetische Situationen aus der Vergangenheit.
Wenn Sie beginnen, zu dem „Nein“ zu sagen, was Ihnen Kraft raubt und Sie am Leben hindert, wird das JA mit jedem Tag größer. Die JAs wachsen von selbst – wie Zinsen auf der Bank.
James Altucher
Was hilft dabei, „Nein“ sagen zu lernen?
- Weniger Erwartungen an sich selbst. Wenn Sie die Erwartung fallen lassen, ein „Nein“ müsse Ihnen unbedingt leichtfallen, nehmen Sie sehr viel Anspannung heraus. Ja, am Anfang ist es nicht einfach, aber nach und nach ändert sich das.
- Trennen Sie Gefühle und Fakten. Nehmen Sie es als gegeben hin, dass unangenehme Gefühle Sie eine Weile begleiten – ewig dauert das nicht. Richten Sie sich nach der Absage und den unangenehmen Empfindungen auf die Fakten aus. Mit hoher Wahrscheinlichkeit nimmt Ihre Freundin Ihr „Nein“ an, und die Beziehung bleibt. Ihre Absage kann sich auf die Beziehung auswirken, etwa wie eine Wolke am Himmel, die die Sonne verdeckt. Nach einer Weile kommt die Sonne wieder hervor. Oft hält uns die Angst vor Zurückweisung zurück, in Wirklichkeit aber wird niemand zurückgewiesen.
- Erst die neuen Handlungen, dann die neuen Gefühle. Wenn wir neu handeln, können dabei wenig angenehme Gefühle auftauchen, denn wir verlassen das Gewohnte. Es ist normal, neu zu handeln und dabei einen ganzen Strauß „alter“ Gefühle zu spüren. Zum Beispiel abzusagen und sich mit einem Schuldgefühl zu quälen, obwohl die Beziehung bleibt und formal alles in Ordnung ist. Wer diesen Mechanismus versteht und sich Zeit gibt, bei dem ziehen die Gefühle nach und nach mit – und das „Nein“ fällt immer leichter, ohne Schuldgefühl im Schlepptau.
- Loben Sie sich. Wenn es gelungen ist, sich auf die eigene Seite zu stellen, loben Sie sich. So bekommen die neuen Handlungen Rückhalt und Bestärkung. Die Stimme, die sich mit Selbstzerfleischung beschäftigt, ist ohnehin meist gut genug ausgebildet.
- Der Zugang von der anderen Seite. Sie können es auch andersherum angehen. Schauen Sie, wie Sie reagieren, wenn man Ihnen eine Bitte abschlägt. Nehmen Sie das „Nein“ anderer Menschen an? Zum Beispiel, wenn Ihr Mann den Müll nicht hinunterbringen will? Versuchen Sie zu beobachten, wie Sie Absagen aufnehmen. In der Regel gilt: Je leichter Sie ein fremdes „Nein“ annehmen, desto leichter sagen Sie Ihr eigenes.
- Seien Sie bereit, etwas zu riskieren. „Nein“ zu sagen ist immer ein Risiko. Jemand kann gekränkt reagieren, und die Beziehung leidet tatsächlich. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und auf dem Spiel steht Ihre Ruhe und das Gefühl, auf Ihrer Seite zu stehen und das zu tun, was Sie wollen, und nicht, was die anderen wollen.
- Sagen Sie „Nein“ ruhig und sicher. Ein „Nein“ braucht keinen stählernen Unterton und keine erhobene Stimme. Mit der Zeit lernt man, es ruhig und mit Würde zu sagen, ohne sich zu rechtfertigen, mit innerer Sicherheit. Sie haben schließlich jedes Recht dazu.
- Fassen Sie sich kurz. Wenn Sie „Nein“ sagen, müssen Sie sich nicht in weitläufige Erklärungen stürzen, gewichtige Gründe suchen oder welche erfinden. Es genügt, den eigenen Standpunkt kurz zu benennen: „Leider kann ich dir diesmal nicht aushelfen.“ Für viele ist es eine Entdeckung, dass der Satz „Ich möchte nicht“ vollkommen ausreicht und man seine Absage nicht mit überzeugenden Fakten untermauern muss.
Was bringt die Fähigkeit, „Nein“ zu sagen?
Wer das kurze, aber gehaltvolle Wort „Nein“ oft und geschickt einsetzt, kann einiges erreichen. Zumindest wird die freie Zeit deutlich mehr.
Aus dem Internet
Was bringt die Freiheit, „Nein“ zu sagen? Erstaunlicherweise stabilere und gesündere Beziehungen. Denn Sie müssen dann nicht hinterher auf jemanden schmollen, dem Sie gegen Ihren Willen „Ja“ gesagt haben. Sie müssen ihm nicht aus dem Weg gehen, nur damit er nicht wieder um etwas bittet, was Sie ihm nicht abschlagen können. Dazu kommt das innere Gefühl von Freiheit, das eigene Leben zu leben und nicht das, welches die anderen für Sie vorgesehen haben.
Wenn Ihnen ein „Nein“ noch schwerfällt und es Ihnen schwerfällt, auf sich und Ihre Wünsche zu hören, kommen Sie in den Klub. Genau darum geht es hier: auf sich und die eigenen Gefühle zu hören und den Mut zu entdecken, den eigenen Entscheidungen zu folgen.
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