Sexsucht

Sexsucht

Über ein solches Thema zu sprechen ist nicht leicht, am schwersten aber fällt es einem Menschen, sich einzugestehen, dass er oder sie sexsüchtig ist. Deshalb kommen meine Klientinnen und Klienten meist mit Anliegen zu Beziehungen oder zu Problemen in der Familie. Und selbst nach mehreren Beratungsgesprächen, wenn zwischen mir und der Klientin oder dem Klienten Vertrauen entstanden ist, beginnen nur wenige von sich aus über Probleme im Sexualleben zu sprechen, über den Verlust der Kontrolle über den eigenen Körper. Meine Kolleginnen und Kollegen wissen: Sehr oft verbirgt eine Klientin oder ein Klient das wahre Anliegen, ich nenne das „Anliegen als Wandschirm“ – eine Fachkraft entdeckt den „Wandschirm“ allerdings recht schnell. In diesem Artikel möchte ich das Thema Sexsucht ein wenig aufschlüsseln. Warum das ein Problem sein kann, was hinter diesem Problem stehen kann und vor allem, wie es sich lösen lässt!

Sexsucht

Wie viele Menschen unter Sexsucht leiden, lässt sich nicht genau sagen. Das liegt vor allem am großen Schamgefühl der Betroffenen und an ihrer Neigung, das süchtige Verhalten zu verleugnen. Oft brauchen sie Jahre, um ihr Problem zu erkennen und professionelle Hilfe zu suchen; das Bedürfnis nach sexueller Befriedigung ist so groß, dass sie die meiste Zeit darauf konzentriert sind, es zu stillen. Anderes im Alltag, etwa Arbeit oder Partnerschaft, leidet darunter und wird immer häufiger vernachlässigt.

Ärztinnen und Ärzte sprechen lieber von Hypersexualität, auch wenn sich der Begriff „Sexsucht“ allgemein durchgesetzt hat. Häufig hört man für die Sexsucht bei Frauen den Begriff „Nymphomanie“, seltener für die Sexsucht bei Männern „Satyriasis“.

Der gelassene und freie Umgang der modernen Gesellschaft mit Sexualität hat dieses Problem deutlich verschärft. Wer immer bereit sein soll, steht unter ständigem Druck – nicht nur im Beruf, sondern auch im Bett. Er gleicht das aus, indem er sich in eine Welt zurückzieht, in der Masturbation und anonymer Sex vorherrschen.

Kein Wunder also, dass eines der Hauptsymptome der Hypersexualität die Sucht nach Internetpornografie ist. Laut einer amerikanischen Studie verbrachten 8,5 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer mindestens elf Stunden pro Woche auf einer Pornoseite – das nennt man Cybersex-Sucht. Sex ist zur Konsumware geworden und blüht in der Pornoindustrie.

...

Ist Pornografie die Sprache des Unbewussten? – Artikel – Freuds Erbe. Klub für Psychologie und Entwicklung

Sie wissen ja, was man über Freud erzählt: Alles steuert das Unbewusste, und das Unbewusste steuert der Sex. Damals, im viktorianischen, puritanischen, sexlosen Zeitalter, hatte Freud wenig Informationen. Hätte er heute gelebt, wüsste Freud alles. In diesem Artikel gehe ich

https://freud.online/articles/pornografiya-yazyk-bessoznatelnogo

...

Filme für Erwachsene. Anschauen oder nicht? – Artikel – Freuds Erbe. Klub für Psychologie und Entwicklung

Pornofilme schauen sehr viele Menschen. Auch in diesem Moment. Das tägliche Publikum umfasst im Schnitt mehr als anderthalb Millionen Zusche...

https://freud.online/articles/filmy-dlya-vzroslykh-smotret-ili-net

Kontrollverlust über das sexuelle Verlangen

Übermäßige sexuelle Aktivität kann eine Sexsucht verbergen. Kennzeichnend dafür ist die fehlende Kontrolle über das eigene Sexualverhalten. Negative, mitunter schwere Folgen werden nicht beachtet. Mit dem Wachsen der Sucht wird das Lustempfinden immer geringer und verschwindet mit der Zeit ganz. Solche Menschen neigen dazu, sich bei sexuellen Handlungen treiben zu lassen, und danach folgen Schuld- und Schamgefühle

Menschen mit einer Sexsucht haben nicht einfach viel Sex. Sie haben die Kontrolle über ihr Sexualverhalten verloren. Weitere Symptome:

  1. sehr häufig wechselnde Sexualkontakte (Promiskuität),
  2. übermäßige Masturbation (Masturbation),
  3. übermäßiger Konsum von Pornografie, Cyber- oder Telefonsex,
  4. eine zunehmende Zahl von Besuchen bei Prostituierten,
  5. keine festen Beziehungen,
  6. zwanghaftes Ausleben sexueller Fantasien.

Auch sogenannte paraphile sexuelle Störungen, die Paraphilien (zum Beispiel Fetischismus, sexueller Sadismus oder Masochismus), können süchtig machen.

Verborgenes Verhalten mit schweren Folgen

Die Betroffenen verlieren immer mehr die Kontrolle über ihr Sexualverhalten, und damit nehmen die negativen Folgen zu. Unkontrolliertes Sexualverhalten bleibt größtenteils verborgen. Damit kann verbunden sein, dass Situationen entstehen, die für einen selbst oder für andere potenziell gefährlich sind, ebenso wie finanzielle, berufliche und soziale Probleme (etwa in der Partnerschaft). Außerdem kann ungeschütztes Sexualverhalten zu sexuell übertragbaren Krankheiten führen.

Menschen mit einer Sexsucht empfinden immer weniger Befriedigung durch ihre sexuelle Aktivität und fühlen sich wegen der erlebten Unkontrollierbarkeit häufig hilflos oder minderwertig. Der Leidensdruck wächst. Die Sucht nimmt immer mehr Raum und Zeit im Leben ein – bis sie vielleicht das Einzige ist, was bleibt. Auch straffälliges Verhalten (etwa im Sinne eines Sexualdelikts) kann eine schwere Ausprägung der Sexsucht sein.

Wie entsteht eine Sexsucht?

Wie sich eine Sexsucht entwickelt, ist nicht genau bekannt. Folgende Faktoren können jedoch eine Rolle spielen:

  • Störungen des Stoffwechsels (insbesondere die Hormone Dopamin und Serotonin),
  • ein geringes Selbstwertgefühl,
  • Erfahrungen sexueller Gewalt oder andere traumatische Erfahrungen,
  • Probleme in Beziehung und Bindung,
  • Internetpornografie und Cybersex als mögliche Nebenauslöser (hohes Suchtpotenzial) sowie
  • Stress, Lebenskrisen.

Sexualität wird als kurzfristige Befreiung von negativen Gefühlen und Gedanken, von Minderwertigkeitsgefühlen und Einsamkeit erlebt. Nach und nach wird sexuelles Verhalten zur am häufigsten genutzten Belohnungsstrategie. Dieses Verhalten nimmt mit der Zeit zu und wird über alles andere gestellt. Andere Wege, mit Stress umzugehen, verlieren zugunsten der sexuellen Aktivität ihren belohnenden Charakter.

Eine Sexsucht entsteht oft in der Kindheit

Eine Sexsucht entwickelt sich häufig in der Jugend. Am Anfang steht eine ständige Beschäftigung mit sexuellen Gedanken und Reizen. Das führt zu ritualisiertem Sexualverhalten. Man beginnt, sich mit Sex zu „belohnen“.

Mit der Zeit stellt sich ein Gefühl der Verzweiflung ein, und das eigene Verhalten wird immer schwerer zu kontrollieren. Es kommt zur Isolation. Beziehungen werden zerrüttet. Die Verzweiflung wiederum führt als Kompensation zu stärkerem sexuellem Verlangen.

Auch wenn die starke emotionale Anspannung der ersten sexuellen Erfahrung häufig der Auslöser ist, liegt der Grund für die Entwicklung einer Sexsucht meist viel früher, in der Kindheit. Fast alle Betroffenen haben in der Kindheit Gewalt in der einen oder anderen Form erlebt – körperliche, sexuelle oder psychische. Oft gibt es in der Familie bereits eine Veranlagung zur Sucht, etwa Alkoholismus. Die Ursache kann auch in einer besonders strengen oder prüden Erziehung liegen, in der das Thema Sexualität tabu war.

Diagnostik der Sexsucht

Im Mittelpunkt der Diagnostik steht die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Das Hauptaugenmerk liegt auf den Themen Sexualität sowie auf der sexuellen Entwicklung und den Beziehungen. Es gibt spezielle psychologische Tests zur Selbsteinschätzung (zum Beispiel den Sexual Addiction Screening Test / SAST oder das Hypersexual Behavior Inventory / HBI). Die Testergebnisse müssen jedoch in der Regel von einer Fachkraft auf ihre klinische Bedeutung hin beurteilt werden. Eine Diagnose lässt sich mit keinem psychologischen Test stellen. Tests, die im Internet kursieren, sollte man daraufhin hinterfragen, ob sie seriös sind; als Orientierung dafür, ob man professionelle Hilfe suchen sollte, können sie aber dienen.

Ich persönlich halte für den wichtigsten Test die Einschätzung des Menschen selbst, der Hilfe sucht – jemand, der diese Sucht entweder selbst an sich bemerkt oder auf die Meinung nahestehender Menschen gehört hat.

Im Diagnosemanual ICD-10 werden der Sexsucht je nach Erscheinungsbild und Schweregrad unterschiedliche Diagnosen zugeordnet, darunter:

  • gesteigertes sexuelles Verlangen
  • Zwangsstörung
  • nicht näher bezeichnete sexuelle Funktionsstörung
  • nicht näher bezeichnete abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle.

Die Paraphilien (dabei geht es um sexuelle Erregung durch atypische Gegenstände, Situationen und/oder Erregungsobjekte, etwa Kinder, Leichen, Tiere. Manche Formen sexueller Aktivität, die anderen Menschen oder einer Ärztin oder einem Arzt ungewöhnlich erscheinen, sind allerdings nicht schon deshalb Paraphilien, weil sie ungewöhnlich sind) sind in der ICD-10 gesondert aufgeführt. Für eine Diagnose müssen die Symptome mindestens sechs Monate anhalten und im Alltag erhebliche Schwierigkeiten und Leiden verursachen. Außerdem sind körperliche und andere psychiatrische (zum Beispiel Manie, emotional instabile Persönlichkeitsstörung / Borderline-Typ) oder neurologische Ursachen (zum Beispiel eine Hirnschädigung) zu berücksichtigen. Das Risiko einer weiteren psychischen Störung (zum Beispiel Angststörung, Depression, Essstörung) oder einer anderen Sucht sowie eines pathologischen Glücksspiels ist bei Betroffenen erhöht.

Hilfe bei Sexsucht

Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Sexsucht gehören:

  • Psychotherapie (Einzel-, Gruppen-, Paar- oder Familientherapie)
  • Medikamente (zum Beispiel Antidepressiva, die gegen Depressionen wirken)

In der Psychotherapie oder Sexualtherapie werden unter anderem alternative Verhaltensformen erarbeitet. In der Regel versucht eine Sexsucht, ein nichtsexuelles Problem im Leben zu lösen. Also geht es auch um die Arbeit an genau diesem Thema.

Hilfreich kann auch der Besuch von Selbsthilfegruppen sein (zum Beispiel Anonyme Sexsüchtige). Wenn unkontrollierte sexuelle Handlungen zu Sexualdelikten führen, kommen zusätzlich triebdämpfende Medikamente zum Einsatz.

Was kann ich selbst tun?

Das Problem einzugestehen ist der erste und wichtigste Schritt. Meist ist das allerdings sehr schwer. Verzerrte Vorstellungen von sich selbst und Rechtfertigungen erschweren das Eingeständnis. Scham- und Schuldgefühle machen es auch nicht leichter. Versuchen Sie dennoch, rasch Hilfe zu bekommen. Fachleute machen keine Vorwürfe, wundern sich nicht und verurteilen nicht.

Was können Partnerinnen und Partner tun?

Partnerinnen und Partner sollten auf mögliche Anzeichen von Co-Abhängigkeit achten.

Versuchen Sie, die Kontrolle über das Sexualverhalten Ihrer Partnerin oder Ihres Partners zu behalten, die Sexsucht nicht zu verleugnen und nicht zuzulassen:

  • Sex ohne Verlangen,
  • Sex als Belohnung,
  • Sex trotz Schmerzen.

Scheuen Sie sich nicht, um Unterstützung zu bitten, wenn Sie unter dem Verhalten Ihrer Partnerin oder Ihres Partners leiden.

Ein gesunder Umgang mit Sexualität

...

Slow Sex – Artikel – Freuds Erbe. Klub für Psychologie und Entwicklung

Sex als Gebet – was für ein Buchtitel! So heißt ein Buch über Sex mit dem Untertitel: Ein Leitfaden für Männer und Frauen zu ekstatischer Liebe und Leidenschaft. Im Vorwort zu diesem Buch von David Deida heißt es: „Zumindest für eine Weile treten wir ein in einen inneren

https://freud.online/articles/slow-sex