Sie sorgen sich viel um andere und vergessen dabei oft Ihre eigenen Bedürfnisse? Hier lesen Sie, wie Sie lernen, richtig für sich selbst zu sorgen.
Es gibt Lebensphasen, die stark von der Sorge um andere bestimmt sind: Die Kinder sind noch klein, oder die Eltern brauchen mehr Hilfe und Aufmerksamkeit als früher. Manchmal kommt beides zugleich und fordert sehr viel. Aber: Nur wer regelmäßig Kraft tankt, kann wirklich für andere da sein. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie ein Gleichgewicht zwischen der Fürsorge für andere und der Fürsorge für sich selbst finden.
Selbstfürsorge – was heißt das?
Selbstfürsorge bedeutet, dass wir uns selbst mit Liebe begegnen. Sie bedeutet aber auch, dass wir dafür verantwortlich sind, dass es uns gut geht. In der Kindheit haben unsere Eltern diese Rolle übernommen. Als Erwachsene müssen wir jedoch selbst für uns sorgen, um im Gleichgewicht zu bleiben und auf unsere Bedürfnisse zu achten. Vor allem aber müssen Sie wissen, was Sie brauchen. Viele Menschen verlieren das über ihren vielen Pflichten aus dem Blick. Achtsamkeit kann Ihnen helfen, wieder zu spüren, was Ihr Körper und Ihre Seele wollen.
Warum es so wichtig ist, für sich selbst sorgen zu lernen
Sie gehen ganz in Ihrer Aufgabe als Elternteil auf und wollen, dass es Ihren Kindern gut geht? Sie vergessen oft, an die eigenen Bedürfnisse zu denken? Oder Sie kümmern sich um Ihre Eltern, die inzwischen Hilfe oder sogar Pflege brauchen – weil Sie ihnen jene Liebe zurückgeben möchten, mit der sie Sie großgezogen haben?
Es gibt viele Situationen, in denen wir unser eigenes Wohlergehen vernachlässigen, weil uns andere Menschen wichtiger sind. Ja, es ist ehrenwert, die Bedürfnisse eines anderen über die eigenen zu stellen. Wenn wir jedoch auf Dauer kein gesundes Gleichgewicht zwischen der Fürsorge für andere und der Fürsorge für uns selbst finden, kann nach und nach alles aus dem Ruder laufen. Wenn uns selbst die Kraft fehlt, ist keine Kraft mehr da, die wir anderen geben könnten.
Für andere können Sie nur da sein, wenn Sie gut für sich selbst sorgen
Vielleicht liegt Ihnen das nicht, aber manchmal ist es einfach wichtig, sich selbst an die erste Stelle zu setzen und andere warten zu lassen. Das heißt nicht, dass Sie sich von nun an mit Ellbogen nach vorn drängen sollen. Es heißt nur, dass Sie ab und zu an sich und an Ihre Kräfte denken müssen, um neue Energie zu tanken. Denn nur dann können Sie Ihre wertvolle Energie an andere Menschen weitergeben.
Wenn Sie dagegen nur geben, ohne sich Ruhe und Entspannung zu gönnen, sind Sie schnell an der Grenze Ihrer Kräfte. Dann sind Sie eines Tages körperlich und seelisch nicht mehr in der Lage, für andere zu sorgen. Also: Übergehen Sie Ihre Bedürfnisse nicht und nehmen Sie sich Zeit für sich! Sagen Sie sich ab und zu: Ich gehe! – weg vom Stress und von illusorischen Erwartungen.
Wie sorge ich für mich selbst? 7 Tipps für den Alltag
Diese Frage stellt sich immer wieder Menschen mit einem bestimmten sozialen Zug, die gar nicht anders können, als ihren Mitmenschen zu helfen und sie zu retten. Was bringt sie dazu, sich selbst aufzugeben und die Verantwortung für ihre Nächsten ganz zu übernehmen? Es geht sogar so weit, dass sie über der Sorge um andere sich selbst völlig vergessen.
Diese 7 Tipps helfen Ihnen, besser für sich zu sorgen:
- Finden Sie heraus, was Sie brauchen. Sie sind immer für andere da – aber wer sind Sie eigentlich selbst? Was ist Ihnen im Leben wirklich wichtig, und was macht Sie glücklich? Welche Bedürfnisse haben Sie Und begegnen Sie sich selbst so liebevoll, wie Sie den Menschen begegnen, für die Sie sorgen? Richten Sie den Blick auf sich, um herauszufinden, was Sie – Ihr Körper und Ihre Psyche – brauchen. Sich selbst als eine andere Person zu sehen, ist eine gute Übung: Was würden Sie tun, damit es dieser Person gut geht? Das mag paradox und absurd klingen, aber während Sie Ihren Kindern, Eltern oder anderen Menschen immer wieder sagen, sie sollen regelmäßig essen, trinken und ausschlafen, sind es oft genau diese Grundbedürfnisse, die Sie bei sich selbst vernachlässigen. Übermüdet und hungrig schleppen Sie sich erschöpft durch den Tag. Wenn Sie sich nicht einmal diese Grundbedürfnisse zugestehen, treten die emotionalen Bedürfnisse erst recht in den Hintergrund.
- Achten Sie auf die richtige „Dosis“ Fürsorge. Mit niemandem sind wir enger verbunden als mit unseren Kindern. Sie sind unser Ein und Alles. Oft können Sie sich nichts Schlimmeres vorstellen, als dass den eigenen Kindern etwas zustößt. Diese berechtigte Sorge und dieses starke Gefühl der Liebe dürfen aber nicht dazu führen, dass wir unsere Kinder gar nicht mehr aus den Augen lassen und uns übermäßig um sie sorgen. Das engt die Kinder ein und entfernt sie oft von uns.
- Nehmen Sie sich an, wie Sie sind. Es ist völlig normal, dass nicht alle perfekt sind. Auch kann nicht jede und jeder immer gut gelaunt und voller Energie sein. Deshalb ist es ganz normal, wenn Sie sich eingestehen, dass Sie manchmal gereizt sind oder unzufrieden. Nehmen Sie sich an, wie Sie sind, mit all Ihren Fehlern und Schwächen. Denn man muss nicht immer allen gefallen.
- Vertrauen Sie sich anderen an. Nicht alles, was uns bedrückt, ist von kurzer Dauer und geht einfach schnell vorüber. Es gibt Dinge, die wir sehr lange mit uns tragen müssen, manchmal sogar ein Leben lang. Dieser vollgepackte emotionale Rucksack kann wirklich schwer sein und eine erhebliche Last. Deshalb hilft es, sich einer Freundin oder einem Freund oder einer Fachperson anzuvertrauen. Das ist echte Selbstfürsorge: dafür zu sorgen, dass Sie mit sich selbst im Reinen leben. Nur so können Sie wieder ganz für andere da sein, wenn Sie es möchten.
- Üben Sie sich im Beobachten. Am Anfang steht immer die Analyse. Denn Sie können erst dann etwas verändern, wenn Sie wissen, was fehlt und was Ihr Ziel ist. Dafür müssen Sie in sich hineinhören und verstehen, was Sie fühlen. Zu diesem Blick nach innen gehört auch der Blick nach außen – auf die Strukturen, die Sie umgeben und prägen. Innen und außen wirken aufeinander. Wenn Sie sich selbst und Ihr Umfeld im Blick behalten, fällt es Ihnen leichter, sich Ihrer Bedürfnisse bewusst zu werden. Das braucht etwas Übung, bringt Sie aber Schritt für Schritt zu sich selbst zurück. Zu Beginn können Sie ein paar Atemübungen machen oder einfach einen Moment innehalten und völlig wertfrei spüren, wie es Ihnen geht. Bewusster mit sich umgehen können Sie zum Beispiel lernen – bei unseren Online-Treffen im Klub „Freuds Erbe“, der Ihnen hilft, festgefahrene Verhaltensmuster loszulassen, die sonst eine verstärkende Wirkung haben. Schritt für Schritt erfahren Sie wieder mehr über sich und lernen, wie Sie Ihre Akkus aufladen und das richtige Maß an Fürsorge für Ihre Mitmenschen finden.
- Nehmen Sie sich regelmäßig eine Auszeit. Das heißt nicht, dass Sie die Koffer packen und für mehrere Wochen in den Urlaub fahren sollen. Eine Pause kann aus zehn Minuten Meditation, einer halben Stunde Yoga, einem entspannenden Bad, einem Saunabesuch oder einem Spaziergang bestehen. Wichtig ist, dass Sie sich in dieser Zeit nur sich selbst widmen, Ihren Bedürfnissen und Gedanken. Selbstfürsorge hat auch mit Selbstbestimmung zu tun, deshalb sollten Sie regelmäßig das tun, was nur Ihnen gefällt, unabhängig davon, was andere sagen oder wollen. Diese Auszeiten sind nicht nur für Sie wichtig: Fürsorge für sich selbst und Fürsorge für andere gehen Hand in Hand. Nur wenn Sie genug für sich selbst sorgen, haben Sie die Kraft, anderen aktiv zu helfen; nach dem Grundsatz: Der Starke hilft dem Schwachen. Um stark zu werden und zu bleiben, brauchen Sie diese bewussten Momente mit sich selbst. Viele sprechen in diesem Zusammenhang auch von Resilienz. Das ist die Widerstandskraft, die nötig ist, um seelisch belastende Probleme zu bewältigen, ohne dass diese Phasen Sie nach und nach schwächen, bis alle Reserven aufgebraucht sind. Werden Sie stärker, indem Sie sich Zeit für sich nehmen – und dann mit ganzer Kraft andere unterstützen!
- Treffen Sie sich mit Freundinnen und Freunden. Die Sorge um andere nimmt meist viel Zeit in Anspruch. Oft ist der Alltag immer derselbe, dieselben Aufgaben sind jeden Tag zu erledigen, und am Ende des Tages fallen Sie erschöpft und müde ins Bett. Deshalb ist es wichtig, für Abwechslung zu sorgen und sich mit anderen Menschen auszutauschen. Ein Treffen mit Freundinnen und Freunden lenkt für eine Weile ab, bringt neue Impulse ins Leben und nimmt seelischen Druck.
Wie Sie im Alltag für sich sorgen
Jetzt wissen Sie, dass Sie besser für sich sorgen sollten. Aber wie lässt sich Selbstfürsorge in einen bewegten Alltag einbauen? Ganz einfach: indem Sie kleine Oasen der Entspannung schaffen und Dinge in den Alltag holen, die Sie zum Beispiel im Urlaub tun würden. Hier ein paar Ideen:
- Bleiben Sie morgens fünf Minuten länger im Bett, atmen Sie entspannt ein und aus und spüren Sie, wie es Ihrem Körper geht.
- Stellen Sie sich nach dem Aufstehen ein paar Minuten ans offene Fenster und atmen Sie die frische Morgenluft ein.
- Sie gehen einkaufen? Dann setzen Sie sich unterwegs einfach in ein Café und trinken einen Espresso oder essen ein Stück Torte. Genießen Sie bewusst den Moment, den Sie nur für sich haben.
- Legen Sie einfach fünf Minuten die Beine hoch und schließen Sie die Augen. Schon das hilft Ihnen, die Akkus aufzuladen.
- Setzen Sie sich auf den Balkon oder gehen Sie auf eine Wiese und schauen Sie sich den Sonnenuntergang an.
- Lesen Sie ein Buch oder eine Zeitschrift, auch wenn Sie gar keine Zeit haben. Zwischendurch findet sich immer Gelegenheit für eine Seite oder einen interessanten Artikel.
- Sie sind in der Stadt? Setzen Sie sich ein paar Minuten in eine leere Kirche und genießen Sie einfach die Stille
Wie Sie sehen, lassen sich diese Tipps sehr leicht umsetzen und kosten nicht viel Zeit. Den Lohn für diese kleinen Einheiten der Selbstfürsorge spüren Sie schnell: mehr Kraft, mehr Energie, mehr Gelassenheit und mehr Lebensfreude!
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