Slow Sex

Slow Sex

Sex als Gebet – was für ein Buchtitel! So heißt ein Buch über Sex mit dem Untertitel: Ein Wegweiser für Männer und Frauen zu ekstatischer Liebe und tiefer Leidenschaft. Im Vorwort zu diesem Buch von David Deida steht: „Zumindest für eine Weile treten wir in eine zeitlose, raumlose und glückselige Vereinigung mit dem wunderbaren Geliebten ein: und welche bessere Definition spiritueller Befreiung könnte es geben?“ Oh, wie sehr wünschte ich mir, dass solche Sätze von allen Menschen kämen, auch von denen, die von einer Beziehung zu Gott und zur eigenen Sexualität abgeschnitten sind. Leider ist es nicht so.

Was ist Slow Sex?

Sex ist oft nur auf Reibung, Druck und die direkte Stimulation der Genitalien ausgerichtet. Diese Mittel sind zwar meist wirksam, wenn es um den Orgasmus geht, doch Genuss bringen sie nicht zwangsläufig. Je länger, je feinfühliger und je angenehmer der Weg zur wachsenden Erregung ist, desto besser kann ich die Ganzheit mit Haut und Haaren spüren, mit den Lippen, den Händen, dem Penis, der Vagina und der Vulva, mit dem Atem und den Bewegungen – und desto angenehmer ist das Zusammenspiel mit dem Partner. Umso hingerissener, greifbarer und angenehmer ist der Orgasmus und auch die emotionale Nähe danach; und die körperliche wie die emotionale Befriedigung, also der gemeinsame Genuss. Eine solche Sexualität braucht Zeit und eine gewisse Langsamkeit. Nicht viel mehr Zeit (vielleicht aber doch – und das ist eine Frage der Übung), aber genug Zeit, damit wir miteinander und mit uns selbst in Kontakt sein und uns ganz entspannen können.

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Um zu dieser Form der Sexualität zu gelangen, braucht es oft experimentelle Entdeckungen des Körpers, um herauszufinden, wie er funktioniert und wie er bei Erregung reagiert. Das gilt für Frauen ebenso wie für Männer. Denn dass Männer leichter und schneller zum Orgasmus kommen, heißt nicht, dass sie einen ganzheitlichen, echten, vollständigen Orgasmus erleben; es ist eher so etwas wie schlicht „Dampf ablassen“. Wenn Männer und Frauen sich selbst und ihren Körper kennenlernen, erfahren sie, wie man Erregung hervorruft, wie man sie steigert und wie man Ebene und Stärke der Lust verändert. Wie man in der Erregung bleibt, wie man fließt und wie man spielt, wie man Lust und Genuss an sich selbst und am liebenden Partner empfindet. Mann und Frau brauchen einander, sie brauchen es, dass dieses Verlangen anerkannt wird – ohne Angst –, ein Verlangen, das sich in Körper, Geist und Seele ausdrücken will. „Dieser Fluss der Sexualität ist unmittelbar mit Gott verbunden. Und sobald Sie diesem Fluss nachgespürt haben, werden Sie nie wieder derselbe Mensch sein“, heißt es im Vorwort des Buches weiter.

Ja, Sexualität – die Art, wie Sexualität gelebt wird – prägt meine Persönlichkeit und mein Leben. Eine erfüllende, tief erlebte Sexualität schenkt mir Freude und ein zufriedenes Leben, in dem ich der Mensch sein kann, der ich bin. Frei unten macht frei oben – frei oben macht frei unten. David Deida schreibt: „Das Weibliche wächst spirituell, indem es lernt, Liebe zu leben, statt auf sie zu hoffen. Das Männliche wächst spirituell, indem es lernt, Freiheit zu leben, statt um sie zu kämpfen. Sie sind verschieden, führen aber zur selben spirituellen Glückseligkeit.“

Der Weg zur sexuellen Tiefe ist bei Männern und bei Frauen verschieden. Männer müssen, wie David Deida sagt, „zuerst lernen, in ihren Körper einzudringen, dann ihre Partnerin tief zu spüren und schließlich ganz gegenwärtig und bewusst zu bleiben, während sie die äußerste Wollust genießen und jede Zelle des Körpers der Partnerin bewundern, um sich dann in reiner Offenheit mit der Partnerin aufzulösen“. Man kann auch sagen: sich in der Frau aufzulösen. Und hier haben wir es mit einem umfassenden und nicht mit einem mechanischen Eindringen beim Sex zu tun, mit der „Liebe zum Sex“ und nicht mit der „Versessenheit auf Sex“. Diese Offenheit, dieses Offensein und Zeigen von Verletzlichkeit fällt Männern schwer, weil sie fürchten, in diesem Moment unterlegen zu sein, also fürchten, sich als Schwächlinge zu zeigen. Sie fürchten die Anforderungen und den Druck, eine Erektion bekommen und halten zu müssen, um die Frau zum Orgasmus zu bringen und auf keinen Fall zu früh zu ejakulieren. Ilan Stephani schreibt in ihrem Buch LIEB UND TEUER: „Männer sind das unglückliche Geschlecht. Die Sexindustrie macht den Mann immer unglücklicher, weil sie ihm die Normen und Maßstäbe für sein Selbstwertgefühl vorgibt; nur in der Scham, in Geheimnissen, in heimlichen Verwicklungen und in Lügen kann er ‚er selbst‘ sein.“ Laut Stephani leiden Männer an einem kollektiven unbewussten Schmerz wegen des Glieds. Slow Sex lässt Sie diese Angst überwinden, und Ihr Penis wird zur Verbindung mit der Frau – zu einem empfindsamen, großzügigen und kraftvollen Geschlecht, das geben, nehmen und fühlen will. Das ist es, was Männer erleben möchten: Sex, in dem sie ihre Frau wirklich besitzen können.

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Männer sehnen sich nach einer Frau, für die Sex Lust und Genuss ist und nicht Pflicht. Eine sexuell entspannte, selbstsichere Frau nimmt dem Mann den Druck, was und wie er im Bett zu tun habe – einen Druck, den ihm die Gesellschaft und die Pornoindustrie auferlegt haben. Sexuelle Entspannung wiederum lässt Frauen das Begehren tief in ihrem Körper und in ihrem liebenden Herzen spüren. Das heißt: Sie kann ihren Körper und das Lustgefühl im Ganzen genießen, sie kann den Körper ihres Partners genießen, sie verschmilzt mit ihm, will seinen Penis in sich aufnehmen und sowohl ihre eigene als auch seine Lust genießen. Frauen wollen oft sich selbst und das Geschehen um sie herum kontrollieren, nicht nachgeben, nicht verzeihen; den Stress des Alltags oder die schlechte Laune des Partners können sie nicht beiseiteschieben und vergessen. Der sexuelle Anteil einer Frau ist sehr aktiv – er verbindet und versöhnt, statt zu erdulden, sich zurückzuhalten und zu dienen. Frauen können sexuell glücklich und zufrieden werden; sie müssen es nur wollen, wirklich guten Sex für sich zu entdecken.

Unser Körper kann uns diesen Sex lehren, wenn wir uns ihm überlassen: mit dem Beckenboden, mit langsamen Bewegungen des Beckens, mit dem Wiegen des Beckens, mit dem Loslassen des Oberkörpers, der Schultern, des Kopfes, mit der Bauchatmung, mit dem stöhnenden Ausatmen. Überlassen Sie sich diesen Empfindungen des Körpers, des Mundes, der Hände, dem Atem, dem Penis, der „Vulvina“, lassen Sie sie tun, was sie wollen. Vielleicht wollen sie auch gar nichts tun. Denn auch ein entspannter Beckenboden, eine entspannte Vagina, ein entspannter Penis, ein entspannter Körper können Lust empfinden, vielleicht sogar eine tiefere und umfassendere. Indem wir abwechselnd ruhen, uns bewegen und einander berühren, lassen wir der Erregung Raum, spüren sie und lassen sie steigen. Die asiatische Liebeskunst zum Beispiel sagt Männern nicht, man solle „hart“ beginnen und weich zurückkommen, im Gegenteil – den Sex weich beginnen und mit einer Erektion enden. Diese Liebeskunst sagt uns, weniger zu tun und mehr „hier und jetzt“ zu sein. So bringt uns der Geschlechtsakt dazu, einander aus der Tiefe von Geist, Herz und Körper zu berühren. Wie eine Frau schreibt: „Meine Vagina hat sich die Berührung des Penis, die sie beflügelt, fast von selbst geholt!“