Konstruktiver Dialog

Konstruktiver Dialog

Wir alle brauchen Kommunikation. Manchmal ist es aber so schwer, ein positives, konstruktives Gespräch aufzubauen. Die meisten von uns haben das nie eigens gelernt, und ich versuche jetzt, ein wenig Wissen darüber weiterzugeben, was nötig ist, damit nach dem Gespräch das Gefühl bleibt: Sie konnten die für Sie wichtige Information übermitteln, man hat Sie gehört und richtig verstanden. Also – ein bisschen kompliziert, aber wichtig!

Woraus besteht ein konstruktiver Dialog?

Jeder Dialog umfasst in der Regel einen Sprecher, einen Zuhörer und eine (verbale oder nonverbale) Nachricht, die vom Sender codiert und vom Empfänger decodiert wird. Dazu gehört auch die Rückmeldung – die Antwort des Empfängers auf die Nachricht.

Das Codieren übernimmt der Sprecher: Er verwandelt seine Gedanken in übermittelbare Nachrichten. Der Zuhörer deutet das, was er hört, als Nachricht – sowohl den verbalen als auch den nonverbalen Teil. In der Theorie klingt das einfach; wie Sie sich aber vorstellen können, passiert dazwischen sehr viel, und keine Nachricht wird jemals ohne Verzerrung decodiert.

Einfacher gesagt: Sehr oft verschlüsseln wir das, was wir dem Zuhörer übermitteln wollen, und derjenige, der uns zuhört, versucht es zu entschlüsseln und zu verstehen.

Wie wir eine Nachricht entschlüsseln, deckt sich oft nicht mit der objektiven Wirklichkeit. Wir alle haben eigene Filter und eigene Erklärungsstile, die das Weltbild erzeugen, so wie wir es sehen.

Noch komplizierter wird die Kommunikation dadurch, dass die Nachricht des Sprechers kaum je bloße Sachinformation ist.

„Wir sprechen nicht nur, um anderen Menschen zu sagen, was wir denken, sondern auch, um uns selbst zu sagen, was wir denken. Sprechen ist ein Teil des Denkens.“ Oliver Sacks
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Das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun

In seinem Vier-Seiten-Modell der Kommunikation, dem „Kommunikationsquadrat“, hält Friedemann Schulz von Thun (1981) fest, dass jede Nachricht vier Seiten hat:

  1. Sachinhalt: worüber ich informiere (Daten, Fakten, Aussagen);
  2. Selbstoffenbarung: was ich von mir preisgebe (Information über den Sprecher);
  3. Beziehung: was ich von Ihnen halte (Information darüber, wie wir zueinander stehen);
  4. Appell: wozu ich Sie veranlassen möchte (der Versuch, auf den Zuhörer einzuwirken).

Praktisch nie legt ein Sprecher auf alle vier Seiten dasselbe Gewicht, und der Schwerpunkt kann ganz unterschiedlich gemeint und verstanden werden. Zum Beispiel:

Die Zuckerdose ist leer
sagte die Frau und meinte damit, dass ihr Mann losgehen und Zucker kaufen soll.

Im Dialog spielt aber auch der Zuhörer eine riesige Rolle, und was er hört, ist längst nicht das, was wir gesagt oder gemeint haben. Hat der Mann also schlechte Laune, kann er den Satz so entschlüsseln:

Du bist so unzuverlässig, du bringst gar nichts zustande, nicht einmal rechtzeitig Zucker zu kaufen
dachte der Mann, als er die Bemerkung seiner Frau hörte

Und dann geht er selbstverständlich in die Verteidigung, und aus dem Dialog wird nichts.

Kommt Ihnen die Situation bekannt vor? Leider beobachte ich sie sehr oft in der Arbeit mit Paaren. Wenn Menschen sich nicht einigen können, wenn sie keinen

konstruktiven Dialog

aufbauen können, beginnt ihre Beziehung zu zerbröckeln.

Wichtig ist zu verstehen: Was wir hören, muss nicht dem entsprechen, was der andere übermitteln wollte.

Um gesunde Kommunikation zu beginnen, müssen wir an die vier Seiten einer Nachricht denken:

  • Sachinhalt
  • Selbstoffenbarung
  • Beziehung
  • Appell

Wenn Sie also das nächste Mal spüren, dass ein Gespräch in eine Sackgasse gerät oder zu heftige Gefühle auslöst, gehen Sie zur ursprünglichen Aussage zurück und denken Sie an die vier Seiten der Nachricht. Wie könnten Sie die Nachricht sonst noch deuten? Konzentrieren Sie sich auf den sachlichen Inhalt und stellen Sie Fragen, um zu klären, ob Sie verstanden haben, was der andere Ihnen sagen wollte.

Beispiel für einen konstruktiven Dialog

Als Beispiel noch ein Gespräch: Ihr Partner kommt zu spät, und Sie werden allmählich ärgerlich. Damit das Gespräch zu einem guten Ergebnis führt, gehen Sie in vier Schritten vor:

1. Beobachtung

Versuchen Sie erstens, Ihre Beobachtung wiederzugeben, ohne Etiketten zu vergeben und ohne sie zu deuten. Wenn Ihr Partner zu spät kommt, dann ist es genau das: Er kommt zu spät.

Ihre Deutung kann lauten, dass ihm das Date (oder Sie) nicht viel bedeutet oder dass ihm etwas anderes wichtiger war.

Statt sich also sofort über Ihre eigene Deutung zu ärgern, können Sie einfach sagen: "Ich sehe, dass du zu unserem Date zu spät gekommen bist." Das ist eine sachliche Beobachtung ganz ohne Bewertung.

2. Gefühle ≠ Gedanken

Zweitens ist es sehr wichtig, dass Sie über Ihre Gefühle sprechen. Ein Streit entsteht oft aus verborgenen Emotionen. Vergewissern Sie sich, dass Sie Ihre Emotionen verstehen, und drücken Sie sie ohne Verurteilung aus.

Wenn Ihr Partner zu spät kommt, können Sie sagen: "Ich fühle mich gereizt" oder „Das beunruhigt mich, weil es mich fragen lässt, ob du überhaupt Zeit mit mir verbringen willst“.

3. Eine Strategie muss her

Drittens sollten Sie Ihre Bedürfnisse verstehen und aussprechen. Damit geben Sie Ihrem Partner die Möglichkeit zu entscheiden, ob er ihnen begegnen kann und will. Sie können zum Beispiel sagen: "Ich möchte respektvoll behandelt werden, und ich möchte spüren, dass ich dir wichtig bin."

4. Die Bitte klar formulieren

Der vierte Schritt ist, die Bitte klar zu formulieren. Was soll Ihr Partner tun, damit Sie spüren, dass Ihre Bedürfnisse erfüllt sind? Sie könnten einfach sagen: "Genau deshalb bitte ich dich, nicht zu spät zu kommen."

Bereit zum Üben?

Auf den ersten Blick mag es einfach wirken – nur vier Schritte. Beim Anwenden werden Sie aber merken, dass es gar nicht so einfach ist. Doch beständiges Üben hilft Ihnen mit Sicherheit, einen konstruktiven Dialog aufzubauen und Ihre Kommunikation in Ordnung zu bringen.