Selbstentwicklung aus der grünen Bierflasche

Selbstentwicklung aus der grünen Bierflasche

Viele träumen von Start-ups, und noch lieber reden sie über Start-ups. Dabei stehen „Selbstentwicklung, Start-ups, persönliches Wachstum“ im Netz in einer Reihe. Also bin ich losgezogen, ein zweites Studium zu machen und ein Start-up zu gründen ... Und ich höre andere Meinungen: Warum lebt man nicht einfach? Erinnern Sie sich an Tatjana Oleschkewitsch mit dem Video, dass „ein erfolgreiches Produkt jene erfinden, die reisen und Sex haben“?

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Ich bin gereist und stelle nun das Produkt meiner Beobachtungen zur Diskussion: eine Erklärung aus der Bierflasche dafür, wozu man Selbstentwicklung betreiben soll. Wer bis zum Ende der Diskussion durchhält, bekommt als Belohnung statt eines Biers ein dreiminütiges Video darüber, wie Bier gebraut wird)))

Die philosophische Erklärung

Also, wozu soll man Selbstentwicklung betreiben? Es heißt, Sokrates habe gesagt: „Man kann nicht besser leben, als indem man sein Leben im Streben danach verbringt, vollkommener zu werden.“ Und Karen Horney hat das in ihrem Buch „Neurose und menschliches Wachstum. Das Ringen um Selbstverwirklichung“ erweitert: ENTWICKLUNG sei ein ANGEBORENES STREBEN in der EVOLUTION des Menschen.

Die Arbeit an sich selbst wird nicht nur zur vordringlichsten sittlichen Pflicht, sondern zugleich (in einem sehr realen Sinn) zum vordringlichsten sittlichen Vorrecht. Die angestrebte Wandlung hängt davon ab, wie sehr wir an uns arbeiten wollen, und sie geschieht in dem Maß, in dem wir unser Wachstum ernst nehmen. Indem wir die neurotische Selbstbesessenheit verlieren, gewinnen wir die Freiheit zu wachsen und werden frei für Liebe und Fürsorge für andere Menschen. Wir möchten ihnen die Möglichkeit zu ungehindertem Wachstum verschaffen, solange sie jung sind, und ihnen auf jede erdenkliche Weise helfen, sich zu finden und zu verwirklichen, wenn sie in ihrer Entwicklung blockiert sind. DAS IDEAL FÜR SICH SELBST oder für andere WIRD ZUR BEFREIUNG UND KULTIVIERUNG DER KRÄFTE, DIE ZUR SELBSTVERWIRKLICHUNG FÜHREN“
Karen Horney

Was hat Karen damit gemeint?

  • Wir werden mit konstruktiven Kräften der Entwicklung und der Evolution geboren. Das heißt, wir streben von Natur aus nach Selbstverwirklichung.
  • Wir wachsen und entfalten unser Potenzial, wenn wir an uns glauben, aktiv und produktiv sind und Beziehungen zu Menschen im Geist der Gegenseitigkeit aufbauen.
  • Nur wir selbst sind für unser Wachstum verantwortlich.
  • Maßstab der Verantwortung ist die Wahl: Hindern oder fördern meine Überzeugungen und Gewohnheiten mein Wachstum?
  • Da zerstörerische innere Kräfte das Wachstum behindern, wächst man am besten über sie hinaus.
  • Dafür wäre es gut, sich selbst zu erkennen und zu verstehen.
  • Dass der Weg über das Gewahrwerden und das Verstehen seiner selbst führt.
  • Folglich ist die Selbsterkenntnis ein Mittel, um die Wachstumskräfte der Persönlichkeit zu befreien.

Das klingt poetisch, schön und erhaben – und anfangs zu weit weg vom Alltag, den man anfassen kann. Und wenn man es nicht anfassen kann, bleibt weiter unklar, wozu man sich anstrengen und an sich arbeiten soll. Anfassen kann man aber die Ergebnisse der Tätigkeit anderer Start-up-Leute. Da ist zum Beispiel eine Flasche Bier. Sie ist oft grün; Bier mögen viele, und das erscheint uns selbstverständlich. Dabei gäbe es die „Flasche Bier“ nicht ohne die Niederländer aus der Familie Heineken.

Die Erklärung aus der Flasche

Gerard Heineken war ein ehrgeiziger junger Mann und träumte höchstwahrscheinlich von seinem eigenen Start-up. 1864 kam seine Chance. Seine Mutter bat den Sohn, eine Verwendung für das Familienvermögen zu finden, um das Problem der Trunksucht in Holland zu lösen. Das Volk betrank sich mit Gin, erhabenere Alternativen zum billigen Fusel gab es nicht. Mit dem Segen der Mutter kaufte Gerard eine Brauerei in Amsterdam. Mit 22 fehlte ihm das Wissen, doch das hielt ihn nicht von der Idee ab, Bier von hoher Qualität zu brauen. Was hat der junge Mann getan, das seinen Kauf in ein Imperium verwandelte?

  1. ERFAHRUNG ÜBERNEHMEN. Zuerst kopierte er die Technologien der Bayern, der führenden Bierbrauer des 19. Jahrhunderts. Er führte die untergärige Brauweise ein und machte das Bier heller und milder.
  2. DER RICHTIGE NAME. Wenn das Bier heller und milder geworden ist, muss man es auch verkaufswirksam benennen. Gerard änderte den Namen von „Arbeiterbier“ in „Bier des Gentleman“. Eine geänderte Definition – und der Absatz stieg)))). Drei Jahre nach der Gründung der Firma Heineken und Konsorten :-) baute er eine neue Brauerei in der Stadhouderskade in Amsterdam, in der sich heute das Erlebnismuseum Heineken Experience befindet. Dort werden übrigens Sporttaschen, Badeanzüge und Mützen für bis zu 30 Euro verkauft, die in den Sportfachketten doppelt so viel kosten. Da im Eintrittspreis drei Gläser Bier enthalten sind, lohnt sich ein Besuch dort durchaus))).
  3. IMPORTSUBSTITUTION UNTER SANKTIONEN. 1870 führte der Deutsch-Französische Krieg dazu, dass bayerisches Bier nicht mehr nach Holland geliefert wurde. Nun waren Heinekens Hauptkonkurrenten verschwunden, und er wurde zum Monopolisten! Erinnert das heute an nichts?
  4. INNOVATION. Heineken installierte als Erster in Holland eine Kälteanlage in der Brauerei. Die anderen Konkurrenten kauften teures Natureis oder lagerten es in Kellerräumen. Bei unserem Helden wurde das Eis von einer Maschine im laufenden Prozess erzeugt. Es gab mehr Bier, und es wurde billiger.
  5. GEHEIMNISVOLLES. Gerard war der erste Bierbrauer in Holland, der ein Labor zur Verbesserung der Bierqualität gründete. 1886 lud Gerard Doktor Elion ein, eine besondere Hefesorte für das Unternehmen zu züchten. Sie heißt heute „A-Hefe“, ist patentiert und ist die TOP-SECRET-Zutat des Heineken-Biers. Selbst wenn sie sich von gewöhnlicher Hefe nicht unterscheidet – nachprüfen wird das niemand. Und es klingt geheimnisvoll, nicht wahr?
  6. WIEDERERKENNBARKEIT. Und schließlich die grüne Flasche. Sie kam in den 1970er-Jahren und ist ebenfalls eine Idee der Heinekens. Davor wurde Bier nur offen ausgeschenkt.

Gerard Heineken war die typische Verkörperung eines heutigen Start-up-Gründers, nur im 19. Jahrhundert. Wahrscheinlich der Steve Jobs des Bierbrauens). Was trieb ihn an? Zumindest wusste er, wofür er lebt.

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, dieses Geschäft mit größter Anstrengung und peinlicher Sorgfalt fortzuführen, und ich werde kein Mittel unversucht lassen, um auf lange Sicht beharrlich Bier von bester Qualität zu liefern“
Gerard Heineken

Verdammt gut hat mir dieser Leitspruch gefallen. Los, noch einmal auf Englisch!

I have set myself the task of continuing this business with the utmost effort and painstaking care and will leave no remedy untried to persist in supplying the best-quality beer in the long term
Gerard Heineken

Offenbar kannte Heineken das Ziel seines Lebens. Und im Ergebnis haben wir eine grüne Flasche Bier in der Hand. Deshalb geht es mir gut, wenn andere Selbstentwicklung betreiben))) Für alle, die erfahren haben, warum es gut ist, an sich zu arbeiten, hier das versprochene Video über die Bierherstellung, aufgenommen im Museum Heineken Experience in Amsterdam.

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Nachwort. Was noch?

Ist im Leben wirklich alles so schön? Der Weg zur Hölle kann mit guten Vorsätzen gepflastert sein. Elite zu sein wie Heineken ist eine große Verantwortung. Denn unter deinen Entscheidungen können viele Tausend Menschen leiden. Vielleicht handelte Heineken richtig. Vielleicht hatte er Glück. In weiteren Beiträgen sprechen wir noch über den Survivorship Bias, die Verzerrung durch die Überlebenden. Es geht darum, dass wir ein paar Gewinner sehen und die Tausenden nicht kennen, die es gewagt und verloren haben. Über welche Fähigkeiten verfügen die Heinekens? Nein, nicht über Zeitmanagement))))) Und auch nicht über die Fähigkeiten aus den Büchern von Dale Carnegie. Das sind Kleinigkeiten. Auch darüber sprechen wir.

Wie mag es den Heinekens gehen, wenn sie eine neue Sache beginnen, ohne die Sache zu kennen? Harte Kalkulation, Planung – oder ein Sprung ins Dunkle? Und wie geht man mit diesem Gefühl der Blindheit vor dem Neuen um? Auch darüber sprechen wir) Und bis dahin: Genießen Sie das Bier aus der grünen Flasche. Gemacht hat sie ein Mensch, der seine Sache ständig weiterentwickelt hat.