Viele Eltern glauben, jetzt überstehen wir noch die Krise der Dreijährigen, und dann erstrahlt das Leben in den hellen Farben einer wolkenlosen Elternschaft – wenigstens so ungefähr bis zwölf, vierzehn …
Und dann sind sie überhaupt nicht darauf gefasst, dass ihr Erstklässler oder ihre Zweitklässlerin plötzlich Charakter zeigt oder sich wie ein „kleiner König“ aufführt. Der Krise der Dreijährigen wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, über die Krise mit sieben Jahren gibt es fast keine Informationen. Dabei gibt es sie – und darüber erzähle ich jetzt ein wenig.
Während es heranwächst und sich entwickelt, durchlebt ein Kind stabile Phasen und Krisenphasen. Die ersten verlaufen ruhig: Das Kind entwickelt sich, lernt, und wir sind gelassen daneben. Und dann kommt die Krise ins Leben, furchterregend und bissig, und lässt uns nicht mehr in Ruhe leben. Und jede Krise hat ihre Besonderheiten (Symptome).
Symptome der Krise mit sieben Jahren sind Launenhaftigkeit, Negativismus, Ungehorsam und Gereiztheit. Das Kind ahmt im Verhalten die Erwachsenen nach. Bewegungen und Sätze passen nicht zum Alter, sie werden ungereimt, gewollt, übertrieben. Das wörtliche Wiederholen elterlicher Worte, Betonungen und Gesten – all das ist eine Erprobung der Merkmale des „Erwachsenseins“. Das Bestreben, die bestehenden Verhaltensregeln und die Umgangsformen mit den Familienmitgliedern zu ändern, geht mit häufigem Streit und dem Ignorieren der Bitten der Älteren einher. Wenn ein Erwachsener es anspricht, macht das Kind eine Pause, zieht die Erledigung unangenehmer Pflichten in die Länge und wählt seine Taktik (Widerstand, Fügsamkeit). Es vergleicht die Rechte und Pflichten der Angehörigen, deckt Ungerechtigkeiten auf, beschwert sich offen, ist störrisch (es weigert sich zu schlafen, geht ohne Schal, so wie der Papa).
In der Anfangsphase der Krise sind für das Kind die äußeren Merkmale des „Erwachsenseins“ wichtig. Das Kind verteidigt sein Recht zu wählen, beurteilt die Lage selbst und trifft Entscheidungen.
Die zweite Besonderheit dieser Krisenphase ist die Notwendigkeit, Regeln, Verbote, Rechte und Pflichten anzunehmen. Die Grenzen des Erlaubten werden nach der „Versuch-und-Irrtum-Methode“ erkundet – das Kind ignoriert, verneint und stellt sich gegen die Forderungen der Erwachsenen.
Die dritte Besonderheit: „erwachsen geworden“, weigert sich das Kind, seine gewohnte Rolle zu erfüllen – mit der kleineren Schwester zu spielen, früh schlafen zu gehen. Es ist doch schon erwachsen.
Die Krise hat auch eine physiologische Grundlage: Mit sechs, sieben Jahren entwickeln sich die Stirnlappen der Großhirnrinde stark, die für die Willkürsteuerung zuständig sind – für die Fähigkeit zu planen, die Ausführung von Handlungen zu kontrollieren und Folgen vorherzusehen. Deshalb bitte ich Eltern immer, diese Phase aufmerksam zu behandeln. Den inneren Kern eines Kindes in dieser Phase zu „brechen“ ist sehr leicht, aber danach wird es dem Kind viel schwerer fallen, seine Handlungen zu planen und zu organisieren und an die Folgen seines Tuns zu denken. Aber ja, an Geduld braucht man in dieser Zeit mindestens einen ganzen Waggon – und natürlich noch ein Wagerl dazu.
Auf der Ebene der Psyche geschehen folgende Veränderungen: Das Erleben wird sinnhaft, es wird verallgemeinert, das Selbstbild teilt sich in ein inneres (das Selbstwertgefühl) und ein äußeres (die Bewertung durch andere). Das Kind baut ein eigenes Wertesystem auf, es unterscheidet „schlecht“ und „gut“, „richtig“ und „falsch“. Es bildet sich das Bild von sich selbst als Person in der Gesellschaft.
In den meisten Fällen gelingt es dem Kind selbst, alle Schwierigkeiten dieses Alters zu bewältigen und aus der Krise herauszukommen; dennoch hängen das Wohlbefinden und der Zustand des Kindes in dieser Lebensphase in vielem von den Eltern ab. Was also können wir tun, um uns und unserem Kind das Leben zu erleichtern?
Geben Sie Ihrem Kind ein wenig Freiheit. Es braucht Möglichkeiten, seine Selbstständigkeit zu zeigen. Ein Beispiel: Das Aufräumen im Zimmer ist Pflicht, aber das Kind darf Zeitpunkt und Vorgehen selbst wählen.
Erlauben Sie ihm, Fehler zu machen. Ja, Sie sind erwachsen, und ja, natürlich wissen Sie, wie es besser und schneller geht – aber Sie müssen nicht überall vor den Folgen warnen. Lassen Sie es probieren und experimentieren (vorausgesetzt, es ist für Leben und Gesundheit ungefährlich). Das Auswerten des Ergebnisses lehrt es, Probleme vorherzusehen und für das eigene Tun einzustehen (am Abend habe ich Spiele statt der Hausaufgaben gewählt – am Morgen bekam ich eine schlechte Note).
Es ist gut, sich nicht mit dem Angebot der eigenen Hilfe in die Angelegenheiten des Kindes einzumischen, solange es nicht darum bittet. Es gibt keine wirksamere elterliche Unterstützung als das Nichteinmischen. In der Erziehung siebenjähriger Kinder ist es wichtig, sie alle Folgen ihres Handelns oder ihres völligen Nichthandelns spüren zu lassen. Geben Sie ein wenig Freiheit, und vielleicht kommt Ihr Kind von selbst und bittet um Rat und Hilfe – auch das ist eine sehr wichtige Fähigkeit! Um Hilfe bitten können.
Geben Sie dem Kind die Möglichkeit, hin und wieder mit Ihnen zu streiten. Es muss seine Meinung äußern, und die Erwachsenen müssen diese Meinung berücksichtigen. So versteht das Kind, dass es keine gute Lösung ist, etwas ohne Begründung zu fordern.
Bei den ersten Schulbesuchen sollte man sich für die Fortschritte des Kindes interessieren, aber man muss verstehen, dass für das Kind in diesem Moment nicht seine schulischen Leistungen wichtig sind, sondern die neuen Bekanntschaften und die aufkommenden Interessen. Deshalb verschiebt man die Fragen nach den Noten besser auf einen passenderen Zeitpunkt. Für die Persönlichkeitsbildung eines siebenjährigen Kindes spielt das Entstehen des Selbstwertgefühls eine sehr wichtige Rolle, und es ist sehr schlecht, wenn es unterschätzt wird. Hier können dem Kind Eltern und nahestehende Menschen helfen, indem sie es auf jede Weise loben und ermutigen. Auch dabei ist wichtig, dass das Lob begründet ist – und nicht: Du bist mein Goldstück, weil du mein Sohn bist. Du hast schön gezeichnet, du bist tüchtig, dass du es versucht hast, ich bin stolz, dass du selbst das Geschirr abgewaschen hast.
Die Gewissheit des Kindes, dass es von seinen Eltern geliebt wird und dass sie es brauchen, hilft ihm, die Krise mit sieben Jahren leicht zu bewältigen.








