Halt mal! Kennenlerngeschichte Nr. 09

Halt mal! Kennenlerngeschichte Nr. 09

Eine der interessantesten Eigenheiten von Menschen sind ihre Vorstellungen von Liebe. Jeder beschreibt die Liebe anders – und sucht dann genau das, was zu seiner Beschreibung passt. Ira, eine auffällige, sexy, herausfordernde Blondine in Designerkleidung, mit echten Brillanten in den Ohren, gepflegt und ewig mit irgendetwas unzufrieden, hielt Liebe für eine Art Achterbahn der Gefühle. Von Liebe zu Hass waren es bei ihr anderthalb Wimpernschläge, ihr neuestes iPhone trillerte in allen Messengern und sozialen Netzwerken, und Kürze war ihr ärgster Feind.

Hintergrund: Die Geschichten werden auf Grundlage der Rückmeldungen und mit Einverständnis der Klientinnen und Klienten veröffentlicht. Die Namen wurden bewusst geändert. Am Ende finden Sie den fachlichen Kommentar mit der Analyse dieser Beziehung.

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Schon als Kind hat mich verblüfft, wie Frauen wie Irina es schaffen, von der Welt nicht nur alles auf einmal und gratis zu verlangen, sondern es tatsächlich auch zu bekommen. Früher habe ich sie beneidet. Manchmal auch heute noch. Wie sollte man auch nicht? Unsere Leistungen hat ihr Ex bezahlt, ein erfolgreicher Unternehmer, der Irina „nicht genug respektiert“ hatte. Sie erzählte davon leichthin und in allen Einzelheiten; kennte ich ihren Persönlichkeitstyp nicht, es wäre wie einstudiert erschienen. Und Irina wollte von uns den nächsten erfolgreichen Unternehmer. Was, könnte man meinen, hat da die Psychologie verloren?

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Ich war mir nicht sicher, ob Irina den Mann überhaupt bemerken würde, der mit ihr das ideale Paar abgäbe. In unserer Kartei gab es einen passenden Menschen: Serjoscha. Serjoscha gehörte zu jener Sorte Menschen, von denen es heißt: ein Schrank, den im Zimmer trotzdem niemand bemerkt. Breite Schultern, ein aufmerksamer Blick, ein etwas kindlicher Gesichtsausdruck. Er mochte Lärm und Hektik nicht, bewegte sich bedächtig und war auf eine unauffällige Weise immer dort, wo er gebraucht wurde, hatte alles parat und alles durchdacht. Manchmal hat man das Gefühl, dass auf Menschen wie ihm die Welt ruht. Er verdiente beständig ganz gut – genug für den jährlichen Urlaub in Italien, für ein gemütliches Zuhause und für die Zukunft. Kein Oligarch, versteht sich, sondern einfach ein beständiger, häuslicher, sehr ausgeglichener und ruhiger Mensch … und ein einsamer. Es gibt bei Männern diese Phase: das Reifen für eine Beziehung. Sie kommt bei jedem zu einer anderen Zeit, aber man sieht sie immer. Das ist der Moment, in dem Menschen begreifen, dass es allein in einer großen Wohnung doch nicht so schön ist, wie es früher schien.

Meine Aufgabe war es, Irina davon zu überzeugen, dass sie genau das braucht. Sie war auf einen völlig anderen Persönlichkeitstyp aus, stellte sich innerlich auf Kampf ein, auf Gefühlsausbrüche, Geschrei und Leidenschaftsanfälle mitsamt zerschlagenem Geschirr. Ich sah beinahe Enttäuschung in ihren Augen, als ich Sergejs Persönlichkeitstyp beschrieb. Am Ende willigte sie ein, es zu versuchen – so lange, bis wir für sie den passenden Oligarchen fänden.

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Meine Aufgabe war es, Irina davon zu überzeugen, dass sie genau das braucht. Sie war auf einen völlig anderen Persönlichkeitstyp aus, stellte sich innerlich auf Kampf ein, auf Gefühlsausbrüche, Geschrei und Leidenschaftsanfälle mitsamt zerschlagenem Geschirr. Ich sah beinahe Enttäuschung in ihren Augen, als ich Sergejs Persönlichkeitstyp beschrieb. Am Ende willigte sie ein, es zu versuchen – so lange, bis wir für sie den passenden Oligarchen fänden.

Sie trafen sich im Pascucci, dem wichtigsten Treffpunkt der Reichen und Schönen. Nachdem sie Serjoscha kritisch von Kopf bis Fuß gemustert hatte, erlaubte sie ihm, ihren Mantel im Flug aufzufangen („Halt mal!“) und an der Garderobe aufzuhängen. Sie gingen an ihren Tisch, und dort wunderte sie sich zum ersten Mal darüber, mit welcher Wärme ihn die Empfangsdame beim Namen nannte. Bald allerdings vergaß sie das wieder und studierte aufmerksam die alleinstehenden Junggesellen an der Bar. Ein paar aussichtsreiche waren dabei; zufrieden zupfte Ira sich eine Strähne zurecht und besann sich im letzten Moment darauf, dass sie ja in Begleitung war. Sergej saß unbeirrt ihr gegenüber und sah sie unverwandt an. Als sie seinen Blick auffing, zuckte sie zusammen. Er sah genau sie an: nicht das Dekolleté, nicht den Schmuck, nicht den ganzen Flitter, sondern gleichsam durch all das hindurch – die wahre Ira, die sie selbst in der Kette ihrer Liebesabenteuer nur selten eines Blickes würdigte. Das erschreckte und erregte zugleich; hinter diesem kühnen Blick lagen Kraft und Macht. Solche Männer hatte sie noch nicht gehabt. Aber auch diesen Gedanken ließ sie mit reinem Herzen und der ihr eigenen Leichtigkeit aus dem Kopf ziehen. An der Bar saßen ja würdigere Kandidaten.

Sergej beobachtete seine neue Bekanntschaft tatsächlich sehr genau. Sonst ging er solchen Frauen aus dem Weg, denn sie waren launisch, laut, chaotisch und machten viel zu viele überflüssige Bewegungen. Er versuchte zu verstehen, warum die Fachleute die beiden für ein passendes Paar hielten, und registrierte dabei mechanisch jede Regung in ihrem Gesicht, alle Gedanken, die Irina gar nicht groß zu verbergen suchte. Ihn verblüffte ihre kindliche Unbefangenheit, ihr Durst nach Leben, ihr Verlangen, alles selbst auszuprobieren. Dieser Schwung riss mit, ohne mit Gewalt hineinzuziehen. Diese Frische und der leichte Wechsel der Gefühle, verbunden mit einer unbegreiflichen Zerbrechlichkeit hinter Make-up und Modeschmuck, beeindruckten ihn.

– Halt mal! – befahl Ira, ohne Widerspruch zu dulden, drückte ihm ihre Handtasche in die Hand und stürzte vom Tisch weg.

Mit Interesse sah Sergej zu, wie Irina auf dem Weg zur Damentoilette (die Handtasche wäre glaubwürdiger gewesen, da ist ja der Lippenstift und der ganze andere Damenkram) stolperte und sich, um das Gleichgewicht zu halten, an den kräftigen Arm eines nicht mehr jungen, sehr gut gekleideten Herrn klammerte. Fast ohne zu übertreiben. Schüchterne Entschuldigungen, ein strahlendes Lächeln, Verlegenheit ohne die Spur von Reue und eine ganze Reihe weiterer kleiner Gesten. Dann bemerkte sie seinen Blick, kam aus dem Takt, wurde verlegen, entschuldigte sich und verschwand eilig auf der Damentoilette.

Zurück am Tisch versuchte sie vergeblich, aus seinem Gesicht zu lesen, ob sie schon alles verdorben hatte – doch die Gefühle eines Menschen zu lesen, der selbst ganz im Beobachten aufgeht, ist schwer. Er registrierte die ganze Bandbreite der Gefühle in ihrem Gesicht: wie der Wunsch wegzulaufen mit der Neugier rang und die Verwirrung darüber, dass er sie durchschaut, mit dem Vergnügen daran. Sie setzten das Gespräch fort, als wäre nichts gewesen. Nur war Irina nun ungewöhnlich zärtlich und entgegenkommend, schenkte Sergej mehr Aufmerksamkeit und ließ sich von der Bar nicht mehr ablenken.

Das zweite Treffen vereinbarten sie sofort. Sergej mochte keine Discos, willigte aber ein, mit ihr hinzugehen. Zwischen den Verabredungen telefonierten sie so gut wie gar nicht – umso erstaunlicher, mit welcher Freude Ira ihm um den Hals fiel. Danach musterte sie kritisch sein „Standardoutfit“ für alle Lebenslagen, öffnete ganz selbstverständlich den obersten Knopf, stellte den Kragen auf und krempelte die Ärmel hoch. So, als hätte sie das ihr Leben lang mit ihm gemacht. Nach kurzem Überlegen zerzauste sie ihm auch noch die Haare (bei seinem kurzen Igelschnitt gab es da nicht viel zu zerzausen). Sie selbst glänzte und funkelte, und das nicht nur wegen des Schmucks. Womit sie ihre Haut auch eingerieben hatte – auch die schimmerte und warf das Licht der Laternen zurück. Sergej hatte eine Art glitzernde Puppe im Arm, klingelnd von Ohrringen und Armreifen, lockend mit Glöckchenklang und spielerischem Lachen.

In der Disco war alles, wegen dessen Sergej dort nie hinging: Gedränge, brownsche Bewegung, Chaos und sehr laut. Er versuchte, sich auf Irina zu konzentrieren, um wenigstens irgendeinen Halt zu finden, eine Art Anker in diesem uferlosen Meer. Diesmal verschwand Irina nicht, im Gegenteil: Sie machte sich schön vor ihm, wollte beeindrucken und verblüffen. Und er ließ sich mit Vergnügen beeindrucken, genoss die neuen Gefühle, ihre Wärme und ihr Leuchten.

Und dann geschah das Unerwartete. Wobei – durchaus zu erwarten, wenn man bedenkt, wie Ira sich herausgeputzt und nach allen Seiten geflirtet hatte. Eine Gruppe besonders hitziger, betrunkener junger Männer fing an, sie zu bedrängen, und nahm ein „Nein“ überhaupt nicht wahr. Und Sergej musste eingreifen.

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Irina war skeptisch gewesen, als ich ihre damals noch bevorstehende Beziehung zu Sergej mit dem Film „Bodyguard“ verglichen hatte. Sie sei ja nicht schwarz, und ein Happy End gebe es dort auch nicht. Doch jetzt fühlte sie sich ganz und gar wie die Figur von Whitney Houston. Sergej wuchs aus dem Nichts und stand als unüberwindlicher Berg zwischen ihr und den aufgeheizten Burschen. Sie verstand nicht genau, was er ihnen sagte, aber die Burschen wurden sichtlich kleinlaut und beruhigten sich. Dann drehte er sich vollkommen gelassen zu ihr um, ließ sie sich bei ihm einhängen und führte sie an die frische Luft. Es schien, als läse er ihre Gedanken und wüsste genau, was sie in diesem Moment brauchte.

Ira war laute Kraftdemonstrationen gewohnt. Ihre früheren Verehrer waren auffällig, manchmal schrill, laut und nicht zu übersehen gewesen. Auch hier war Kraft – aber eine andere, viel größere, verborgene, die auf ihre Stunde wartete und nicht im Geringsten gegen sie kämpfte. Es war eine stille Selbstsicherheit, ständige Aufmerksamkeit und Fürsorge, ohne jede Aufdringlichkeit, und dabei wusste er immer, wo sie war und was sie brauchte, und war immer bereit, ihr alles zu geben, worum sie bat. Es war auch die Kraft, eben nicht jede ihrer Launen zu erfüllen, sondern nur die, die wirklich wichtig waren. Verglichen mit dieser Kraft wirkten alle ihre früheren Kavaliere wie billige Angeber. Und genau mit dem Bewusstsein dieser Kraft in Sergej begriff Ira, dass sie mit ihm so viel Zeit wie möglich verbringen wollte.

Ihre Liebesgeschichte wurde weit schöner als die, die Kevin Costner und Whitney Houston von der Leinwand gezeigt haben. Irina wurde merklich ruhiger, ausgeglichener, ohne einen Tropfen ihrer Gefühlsstärke und Leidenschaft zu verlieren. Sergej wirkte selbstsicherer, und man sah, mit welchem Entzücken er Irina ansah – durch allen Flitter und alle Fassade hindurch. Beim freiwilligen Rückmeldegespräch gestand Irina, dass sie zum ersten Mal ernsthaft über Kinder nachgedacht habe.

Fachlicher Kommentar

Irina ist der hysteroide Persönlichkeitstyp. Ihr ist wichtig, im Mittelpunkt zu stehen und darin zu baden, und dafür ist ihr jedes Mittel recht. Menschen dieses Typs sind sehr emotional, auffällig und immer bemerkbar; sie verlangen, dass andere ihnen diese Aufmerksamkeit ständig schenken, bei ihnen sind und ihre Launen erfüllen.

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Sergejs Persönlichkeitstyp ist der autistische. Solche Menschen sind im Leben eher Beobachter, denen keine Einzelheit, keine Kleinigkeit und kein Fakt entgeht – auch wenn sie daraus nicht immer ein Gesamtsystem bauen können. Autistische Menschen neigen dazu, ihr Umfeld und ihre Nächsten zu gestalten, und sind eben dadurch hervorragende Empathen, die weit mehr sehen als andere.

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Von außen mag es wirken, als wäre der autistische Mann für die hysteroide Frau ein Diener. Er erfüllt ihr jeden Wunsch, jede Laune. Sie geht vorne, er trägt hinter ihr den Pelzmantel. Er erweist ihr Dienste, und sie lässt es zu. Dabei bringt eine hysteroide Frau jeden Mann mühelos dazu, hinter ihr herzulaufen – auch wenn sie ihn gar nicht braucht, auch wenn es nur um die Arbeit geht. Aber der autistische läuft nicht, er weiß, wohin sie gelaufen ist, wie weit, und dass sie nach einer Weile zurückkommt.

Sie spürt das, und es zieht sie an: dass er da ist, dass er treu ist und ihr nicht hinterherläuft. Plötzlich beginnt sie zu spüren, dass sie dazugehört. Er hält sie mit seiner Standfestigkeit.

In dieser Beziehung gibt es viele Gefühle, viele Emotionen. Durch sie fühlt er sich an ihrer Seite lebendiger, moderner.

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Jetzt kommt Ihr eigenes Experiment. Möchten Sie Ihren Persönlichkeitstyp erfahren und den zu Ihnen passenden Menschen finden? Dann herzlich willkommen im Dating-Club mit unseren Fachleuten!

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