Catch-22. Das Spiel „Jetzt hab ich dich, du Schweinehund!“

Catch-22. Das Spiel „Jetzt hab ich dich, du Schweinehund!“

Catch-22 – das ist, wenn man dich mit Regeln oder Bedingungen umstellt, die einander ausschließen und alle gegen dich arbeiten. Verletzt du die eine, erfüllst du die andere. Verletzt du die andere, erfüllst du damit die erste. Wer unter solche Normen oder Bedingungen gerät, hat keine Kontrolle mehr über sie, denn der Versuch, die Bedingung zu brechen, bedeutet, sie zu erfüllen. Wie zeigt sich Catch-22 im wirklichen Leben?

Den Begriff hat der amerikanische Schriftsteller Joseph Heller im Roman „Catch-22“ erfunden. Der Roman erschien 1961, 2019 wurde er als Serie verfilmt. Der Held dient 1944 als Bomberpilot im Italienfeldzug gegen die deutschen und italienischen Truppen. Sein Soll an Einsätzen hat er längst geflogen, er hätte das Recht, nach Hause zurückzukehren. Von der Front wegzukommen hindern ihn seine Vorgesetzten mit dem sogenannten „Catch-22“, einer absurden bürokratischen Vorschrift.

„Catch-22“ besagt: „Jeder, der sich dem Kampfeinsatz zu entziehen versucht, ist nicht wirklich verrückt.“ Sorge um sich selbst angesichts einer unmittelbaren, akuten Gefahr ist ein Zeichen gesunden Menschenverstands. Zum Beispiel: Du bist verrückt, und man kann dich vom Fliegen befreien. Dazu musst du nur eines tun – darum bitten. Doch sobald du bittest, giltst du nicht mehr als verrückt und musst wieder Einsätze fliegen. Du bist verrückt, weil du weiterfliegst. Du wärst normal, wenn du aufhören wolltest zu fliegen; aber wenn du normal bist, musst du fliegen. Fliegst du, bist du verrückt und dürftest folglich nicht fliegen; willst du aber nicht fliegen, bist du gesund und musst fliegen.
Aus dem Roman „Catch-22“

Das Spiel „Jetzt hab ich dich, du Schweinehund!“

„Catch-22“ kennen wir alle auch aus einem anderen Spiel: „Jetzt hab ich dich, du Schweinehund!“ Kennen Sie Menschen, die einen mit kleinen Tricks zu einer Reaktion provozieren, um danach sagen zu können: Der Kern des Spiels: Ganz gleich, wie das Opfer sich rechtfertigt – was immer du tust oder sagst, es zählt gegen dich.

Siehst du, ich hab’s ja gewusst. Ich hatte recht: Du bist schlecht!
Autor

Bekannt ist dieses Spiel vor allem aus dem Märchen von Blaubart.

Ein Herr, dem die Ehefrauen auffällig oft starben, heiratet erneut und reist bald darauf ab. In seinem prächtigen Haus verbietet er der Frau, die kleine Kammer zu betreten – sonst werde sie sterben. Verbiete jemandem etwas, und genau das wird er tun wollen. Die Frau ist neugierig, öffnet die Kammer – und darin liegen die toten Ehefrauen!
Das Märchen von Blaubart

Das Spiel „Jetzt hab ich dich, du Schweinehund!“ kommt sehr, sehr häufig vor, und vielleicht erkennen Sie sich gleich in der Hauptrolle wieder. Blaubart provoziert mit kleinen Tricks eine unsichere Reaktion, um danach sagen zu können: „siehst du, ich hab’s ja gewusst. Ich hatte recht: Du bist schlecht!“ Der Kern des Spiels: Ganz gleich, wie das Opfer sich rechtfertigt – was immer du tust oder sagst, es zählt gegen dich. Diese Form von Energieraub betreiben oft:

  • Vorgesetzte, die ihre Stufe der Inkompetenz erreicht haben und nun nicht mehr um das Ergebnis kämpfen, sondern um die Form.
  • Mitarbeitende, die sich auf Moral oder Regeln berufen und deren Einhaltung einfordern, bis ganze Abteilungen gelähmt sind.
  • Männer oder Frauen in Paarbeziehungen, die damit eigene Ziele verfolgen (einen Anlass finden, die eigene negative Sicht auf den Partner bestätigen, um Macht kämpfen).

Wie kommt man an Catch-22 vorbei?

Im wirklichen Leben ist das schwer, wenn es um Gesetze geht. Der Held des Romans hat seine Vorgesetzten nie ausgetrickst. Wie also umgeht man Blaubart im Alltag?

Die Taktik geht so:

  1. In der Position des Erwachsenen bleiben, auf der Ebene der Fakten. Also die Manipulation für bare Münze nehmen. Zum Beispiel: „Schauen Sie, wie unprofessionell Sie das hier geschrieben haben!“ – „Hier steht das Wort ‚abc‘. Wie soll es heißen?“
  2. Der Aussage von Blaubart zustimmen. Zum Beispiel: „Richtig heißt es ‚cba‘!“ – „Verstanden!“
  3. Die Folgen BIS INS ABSURDE ÜBERTREIBEN, sie für Blaubart unbequem machen – und dabei seine Position STÜTZEN: „Gut, dann schreibe ich sofort den ganzen Brief neu!“