Wann es Zeit ist, die Therapie zu wechseln

Wann es Zeit ist, die Therapie zu wechseln

Gestern sagte ein Klient in der Beratung, während er sein Anliegen in Worte fasste: „Ich möchte, dass im Leben alles ruhig ist.“ Was antwortet man darauf? Jeder Tag bringt uns doch Höhen und Tiefen, und eine gerade Linie auf dem Kardiogramm bedeutet vollkommene Ruhe – oder schlicht den Tod.

Es stellt sich die Frage: Woran erkennt man, was als normal gelten kann und was diesen Rahmen sprengt? Routine oder die Gewohnheit, etwas immer auf dieselbe Weise zu tun, hilft uns tatsächlich. Sie bringt Ruhe und Gleichmaß in unser Leben. Solche Abläufe lassen uns wirksamer arbeiten, ohne all unsere kostbaren geistigen Ressourcen zu verbrauchen.

Doch genauso, wie diese Abläufe uns in bestimmten Lebensbereichen helfen, gibt es Momente, in denen sie nicht mehr passen und veralten. Das war es – Sie stecken in irgendeiner Spur fest. Und sind Sie einmal dort, fällt es Ihnen schwer, sich von alten Gewohnheiten zu lösen, die Ihnen längst nicht mehr dienen; ja, es fällt Ihnen schwer, sie überhaupt zu bemerken.

Einer der Bereiche unseres Lebens, in dem wir ganz sicher stecken bleiben können, ist unsere Therapie. Das kann die körperliche wie die psychische Gesundheit betreffen. Wir können uns daran gewöhnen, dieselben Medikamente zu nehmen, dieselben Übungen zu machen, Jahr für Jahr mit denselben alten Symptomen auf ein und dieselbe Weise zurechtzukommen. Am zerstörerischsten ist dabei, dass uns unser Handeln normal erscheint und wir viel zu lange brauchen können, um darin die Hindernisse auf dem Weg zu Ruhe, Gesundheit und Wohlbefinden zu erkennen.

Wenn Sie schon länger in Psychotherapie sind, ist vielleicht der Moment gekommen, die Strategie zu überdenken und den Handlungsplan auf dem Weg zur psychischen Gesundheit zu ändern!

Sehen wir uns also an, nach welchen Zeichen man Ausschau halten sollte, um nicht in einer nutzlosen Routine stecken zu bleiben.

1. Keine Stimmung. Ihre Gefühle sind „auf null“

Verstehen Sie mich richtig: Sie müssen sich nicht die ganze Zeit fröhlich und unbeschwert fühlen, damit eine Psychotherapie wirkt. Zugleich besteht auch keinerlei Notwendigkeit, düster und niedergeschlagen zu sein.

Natürlich kann man Symptome als Einbildung abtun – vergessen Sie nur nicht, dass Ihr Befinden tatsächlich Anlass zur Sorge sein kann. Denken Sie daran: Schlechte Stimmung ist auch ein Grund dafür, dass das Energieniveau sinkt.

Dieses Wissen hilft Ihnen zu erkennen, dass es Zeit ist, sich zusätzliche Hilfe zu holen.

2. Die Symptome sind geblieben

Es gibt keine perfekte Behandlungsstrategie. Halten Sie deshalb nicht an ein und derselben Methode fest, vor allem dann nicht, wenn sie nicht wirkt.

Wenn Sie drei Monate oder länger an ein und demselben Problem arbeiten und Ihre Symptome geblieben oder nicht weniger geworden sind, ist es Zeit, die Richtung zu überdenken.

Das heißt keineswegs, dass Ihre Symptome vollständig hätten verschwinden müssen! Wichtig ist nur zu wissen: Behalten Sie Ihr Befinden im Blick – achten Sie auf Verschlechterungen und halten Sie Verbesserungen Ihres Befindens fest.

3. Der Schlaf ist gestört

Eine schlaflose Nacht ist kein Problem!

Und wie ist es, wenn Sie schon seit mehreren Wochen nicht richtig schlafen?

Sie müssen mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten sprechen oder mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besser noch mit beiden! Schlafmangel ist ein Zeichen dafür, dass etwas Ernsteres im Gang ist (etwa eine manische Phase bei Menschen mit bipolarer Störung oder Schlaflosigkeit durch Angst oder Depression), und Schlafstörungen verschlechtern obendrein die bestehenden Beschwerden.

Deshalb ist es sehr wichtig, dieses Problem nicht in der Truhe zu verstecken. Über den Körper versucht Ihnen der Schlafmangel zu sagen, dass Sie ein Problem haben. Übersehen Sie diese Warnzeichen nicht.

4. Sie essen wenig oder unregelmäßig

Hier noch eine wichtige Frage. Wenn Sie tatsächlich weniger zu essen begonnen haben, ist das vielleicht ein Signal, dass es Zeit ist, Ihre Therapie zu ändern.

Ist es vielleicht eine Verschlimmerung von Angst oder Depression? Oder sind es Nebenwirkungen des Medikaments, das Sie nehmen? Oder haben Sie gesundheitliche Probleme, und der fehlende Appetit ließe sich zum Beispiel durch eine Erkrankung des Verdauungssystems erklären?

Appetitlosigkeit ist ein Symptom, das wir schnell abtun. Wenn Sie aber auch dieses übergehen, wächst sich die mangelnde Ernährung ganz sicher zu anderen Problemen aus.

Der Verzicht aufs Essen führt nicht nur zu Auszehrung und Erschöpfung, er verschlimmert auch die Symptome der Depression, gegen die Sie ohnehin schon hartnäckig ankämpfen.

Wenn Sie einen Rückgang des Appetits bemerkt haben, holen Sie unbedingt den Rat einer Fachperson ein und fragen Sie nach ihrer Meinung zu den nächsten Schritten oder zu Änderungen in der Therapie.

Haben Sie Fragen zu Ihrer Gesundheit? Wenden Sie sich online oder telefonisch an eine zertifizierte, erfahrene Fachperson.

5. Ihre Beziehungen leiden

Streiten Sie mit Freunden? Wie steht es um Ihre Ehe? Geht die Familienfehde weiter? Manchmal, wenn wir mit allen im Streit liegen, sind nicht die anderen schuld, sondern wir selbst.

Als ich einmal toxische Beziehungen zu meinem Umfeld hatte, sah ich mich um und stellte fest, dass einer nach dem anderen viele gute Menschen aus meinem Umfeld verschwunden waren. Erst da verstand ich: Zusammen mit den gegangenen Freundinnen und Freunden gehört auch mein Psychotherapieplan vor die Tür gesetzt.

Vergessen Sie nicht: Es ist nie zu spät, etwas in Ordnung zu bringen und alte Verbindungen wiederherzustellen.

6. Sie weinen mehr als sonst

Fühlen Sie sich weinerlicher als sonst? Rührt etwas an Ihre Seele? Weinen Sie aus Traurigkeit oder aus ohnmächtiger Wut?

Weinen ist eine Art zu sagen, wo Sie gefühlsmäßig gerade stehen. Der Beweis läuft Ihnen buchstäblich übers Gesicht.

Weinen kann zwar auch eine Reinigung für die Seele sein; wenn Sie aber merken, dass Sie mehr weinen als sonst, sollten Sie nachsehen, was die Ursache ist und warum Sie damit nicht zurechtkommen.

Es ist nichts Beschämendes daran, sich zusätzliche Unterstützung zu holen, wenn sich die Umstände ändern und unsere psychische Gesundheit der Belastung einfach nicht standhält. Vielleicht ist es jetzt nötig, Ihre Therapie anzupassen.

7. Irgendetwas stimmt einfach nicht ...

Wir Menschen sind alle verschieden, entsprechend verschieden sind auch die Zeichen dafür, dass sich der psychische Zustand verschlechtert. Genau deshalb ist es wirklich wichtig, sich selbst zu kennen. Welche Zeichen sagen Ihnen, dass Ihr Zustand sich nicht bessert?

Kommen Sie den ganzen Tag nicht aus dem Bett? Essen Sie zu viel? Explodieren Sie bei jeder Kleinigkeit? All das und vieles mehr kann ein Hinweis darauf sein, dass es Zeit ist, mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten oder mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Strategie und Richtung der Therapie zu sprechen. Vielleicht sollten Sie etwas anderes ausprobieren.

Leiden Sie nicht wochen- oder monatelang, gerade dann nicht, wenn Ihnen Hilfe zur Verfügung steht! Medikamente und Übungen lassen sich anpassen, ein Zeitplan ändern oder sogar völlig umstellen. Ihre psychische Gesundheit ist außerordentlich wichtig! Schieben Sie sie nicht in den Hintergrund.

Vergessen Sie nicht: Im Alltag zählen für uns Gesundheit und Wohlbefinden am meisten. Hören Sie auf sich und auf Ihren Körper; werden Sie tätig, sobald Sie die genannten Signale bemerken oder etwas schiefläuft.

Ihre Seele, Ihr Körper und Ihr Verstand werden es Ihnen bestimmt danken!

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Noch Fragen offen? Schieben Sie es nicht auf die lange Bank – RUFEN SIE AN oder SCHREIBEN SIE gleich jetzt!