Jeder Mensch hat ein Inneres Kind. Es ist das kleine Mädchen, der kleine Bub, der in allem mitschwingt, was wir sind. In unserem Inneren Kind schlummert die Welt unserer inneren Bilder, Gefühle, Erinnerungen und Erlebnisse, die wir in der Kindheit entwickelt und im Gedächtnis behalten haben. Es verkörpert unsere instinktive Seite, jene Gefühle, die aus dem "sechsten Sinn" kommen und in jedem Augenblick unseres Lebens wirken. Je nachdem, ob wir das Innere Kind in uns annehmen und lieben oder ablehnen, zeigt es sich auch im Erwachsenenleben in unserem ganzen Wesen.
Woher der Begriff „Inneres Kind“ stammt
Den Begriff „Inneres Kind“ hat Eric Berne eingeführt. Er sprach davon, dass der Mensch drei Instanzen habe – „das Kind-Ich, das Eltern-Ich und das Erwachsenen-Ich“; solche Begriffe sind verständlicher als etwa „Es, Ich und Über-Ich“ bei Freud. Alice Miller und Donald Winnicott nannten es „das wahre Selbst“, und mich erinnert dieses Trio außerdem an „Geist, Seele und Verstand“. Wie man es auch dreht: Schon vor der Psychologie ist den Menschen aufgefallen, dass der Mensch aus mehreren Anteilen besteht.
"Das Kind" ist jener Teil unserer Psyche, der am wertvollsten ist, in dem Leben und Energie stecken, Intuition und Aufrichtigkeit. Ihm verdanken wir es, dass wir Gefühle wie diese erleben und kennenlernen:
- Freude,
- Interesse,
- Neugier,
- Kreativität,
- Begeisterung,
- Liebe,
- Wünsche.
Alles,
was uns Erwachsene „packt“, hängt unmittelbar vom inneren Kind ab. Unsere starken
emotionalen Reaktionen, die immer von Reaktionen unseres Körpers begleitet werden
(schnellerer Puls, schnellere Atmung, Schwere in der Brust, stärkeres Schwitzen,
jenes Gefühl, für das man sagt „das Herz rutscht in die Hose“, ein starker Energieschub
und Ähnliches) – all das sind Reaktionen unseres Kindes.
Dieser Teil unserer Psyche bildet sich aus meiner Sicht schon im Mutterleib, und nach Ansicht von S. Freud und E. Berne ist unser Inneres Kind etwa mit sechs Jahren bereits ausgebildet.
Wie geschieht das?
Im Säuglingsalter und in der frühen Kindheit, wenn wir uns noch nicht ganz als eigene Person wahrnehmen, die Bedeutung der Wörter nicht verstehen, die Welt und unseren Platz darin noch nicht kennen, lernen wir diese „Wissenschaften“ nicht über den Verstand, sondern über Emotionen und Gefühle, über die Reaktionen unserer Psyche und unseres Körpers auf die Ereignisse im Umfeld.
Unmittelbar beteiligt an der Bildung dieses wertvollsten Teils unserer Psyche sind unsere Eltern und jene Personen, die für uns Autoritäten waren. Das Wichtigste ist somit das Umfeld, in dem wir aufwachsen – von der Zeugung an. Diese Annahme bestätigt auch der Professor der Stanford-Universität Robert Sapolsky (US-amerikanischer Neuroendokrinologe, Professor für Biologie, Neurologie und Neurochirurgie), der sagt, die Genetik habe für die Bildung der Persönlichkeit zweitrangige Bedeutung – entscheidend sei das Umfeld.
Erlebt eine Frau im zweiten Schwangerschaftsdrittel Stress, kommt zum Beispiel ein Kind zur Welt, bei dem Ängstlichkeit vorherrscht. Gehört die Mutter dann auch noch zu den „ängstlichen Eltern“, so kann man sich vorstellen, welches „Innere Kind“, welchen „Charakter“ und entsprechend welches „Skript“ ihr Kind.
Leider beobachte ich in meiner Praxis: Nicht jeder Mensch kann sich einer glücklichen Kindheit und liebevoller, fürsorglicher Eltern rühmen. Oft sind die Kindheitserinnerungen negativ gefärbt, das Gedächtnis erzählt von Kränkungen, Ängsten, Ausweglosigkeit, von Gefühlen des Nichtgebrauchtwerdens, der Hilflosigkeit und der Rechtlosigkeit. Um irgendwie zu überleben, haben wir also Verhaltensregeln entwickelt, die von unseren wahren Wünschen abweichen, von unserem wahren „Ich“ – und die wir unbewusst auch im Erwachsenenleben anwenden. Und wenn Sie immer wieder spüren, dass Sie „nicht Ihr eigenes Leben leben“, dass „etwas fehlt“, „etwas verloren gegangen ist“, „etwas unentfaltet blieb“, „ich bin nicht ich“, „Angst, meine wahren Gefühle zu zeigen“ – dann hat sich Ihr Inneres Kind ganz sicher sehr tief versteckt.
Verzweifeln Sie jedoch nicht: Alles lässt sich in Ordnung bringen – durch ein bewusstes Kennenlernen des Inneren Kindes und die weitere Arbeit mit ihm. Das ist ein ziemlich langer und nicht einfacher Weg; ich bereite meine Klientinnen und Klienten immer auf die Begegnung mit dem Inneren Kind vor, denn das ist ein sehr schmerzhafter Prozess, der von starken, tiefen Emotionen begleitet wird.
Warum bleiben uns negative Emotionen oder Ereignisse leichter im Gedächtnis als positive?
Eigentlich ist alles recht einfach und zugleich kompliziert. Die Neurobiologie erforscht diese Tatsache seit Langem, das Ergebnis dieser Untersuchungen klingt bislang so: Bei angenehmen Gefühlen und positiven Emotionen werden die „Glückshormone“ ausgeschüttet (Dopamin, Serotonin, Endorphin); grob gesagt senden sie unserem Organismus das Signal „alles in Ordnung“. Werden dagegen die Hormone von Stress und Angst ausgeschüttet (Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol), erhält der Organismus das Signal „Gefahr!“ und mobilisiert entsprechend alle Kräfte zum Überleben. Das wirkt naturgemäß auf das Gehirn, das daraufhin neuronale Verbindungen bildet – und dieser Prozess ist intensiver als unter dem Einfluss der „Glückshormone“. Es entstehen feste neuronale Verbindungen, dank derer der Organismus beim nächsten Signal „Gefahr“ bereits weiß, was zu tun ist.
Das ist natürlich eine Erklärung „für Laien“; unser Ziel ist es nicht, die physiologischen Prozesse des Organismus, die Einteilung und Wirkung der Hormone oder die Neurobiologie im Detail zu untersuchen. Ich denke, das Prinzip, warum wir negative Erlebnisse eher behalten als positive, ist verständlich.

Wie beeinflusst das Innere Kind unser Leben?
Ehrlich gesagt ist die Antwort auf diese Frage eine Art Offenbarung, die man nur schwer aushält; in der Praxis halten sie nicht alle aus, und sehr oft brechen Menschen die Arbeit ab, weil sie sich mit der Antwort nicht abfinden und sie nicht verdauen können. Tatsächlich wirkt sich dieser Teil unserer Psyche auf alles aus: auf Bildungsniveau, Intelligenz, Entwicklung, auf die Wahl der Partnerin oder des Partners, der Freunde, des Berufs, des Kleidungsstils, auf die Art zu sprechen, auf die Karriere ……………….Kurz gesagt: auf alles!!!!! Zu erkennen, dass wir in Wahrheit nur Marionetten in den Händen eines verletzten Kindes sind, ist nicht leicht! Natürlich wirkt auch unser innerer Elternteil mit, aber im Kern ist es das Kind – und wenn das Kind „nicht gesund“ ist, dann brauchen Sie vom Erwachsenen gar nicht erst zu träumen (es geht nicht um das Geburtsdatum).
Um das eigene Leben zum Besseren zu verändern, um all das loszuwerden, was im Weg steht, um endlich sich selbst kennenzulernen – die eigenen wirklichen Gefühle, Wünsche, Träume –, muss man sein Inneres Kind heilen.
Wie finden Sie Ihr Inneres Kind?
Bevor Sie sich auf die Suche nach Ihrem Inneren Kind machen, sollten Sie sich vorbereiten und sozusagen unter fachlicher Begleitung in diese unbekannte Welt des Unbewussten eintauchen. Eine Fachperson, die mit den Methoden der Transaktionsanalyse arbeitet, hilft Ihnen, Ihr Kind zu finden und kennenzulernen, und zeigt Ihnen, wie Sie künftig mit Ihrem Inneren Kind in Kontakt bleiben und wie dieses Wissen Ihnen im Alltag hilft.
Im Internet bieten viele eine Schritt-für-Schritt-Strategie an: „das Innere Kind kennenlernen“, „Arbeit mit dem Inneren Kind“, Audio-Trainings zur „Heilung des Inneren Kindes“. Natürlich kann man das nutzen und ausprobieren (ich persönlich habe da meine Zweifel), aber die Erfahrung sagt: Ohne Begleitung bleibt vieles unverständlich und damit wirkungslos. Es ist wie mit der Mathematik – allein lernen oder mit einer Lehrperson: Der Unterschied liegt auf der Hand.
Im Klub „Freuds Erbe“ können auch Sie diesen Weg mit Unterstützung von Fachleuten gehen und Ihr Inneres Kind finden – melden Sie sich an und trauen Sie sich!
Woran erkennen Sie, dass Ihr Inneres Kind geheilt ist?
Menschen mit einem gesunden Inneren Kind verbrauchen keine Energie mehr (Energieerhaltungssatz) für innere Konflikte, in ihnen ist alles im Einklang, sie bewältigen gelassen alles, was das Leben ihnen bringt, sie sind voller Energie, Liebe, Ideen und Bewegung nach vorn, sie freuen sich über jeden Tag, sie sind flexibel, und das hilft ihnen, friedlich in der Gesellschaft zu leben. Man kann sagen: Der Mensch ist lebendig und lebt im Einklang mit sich selbst und mit der Welt!
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Inneres Kind finden, kennenlernen und lieben lernen!







