Grundprobleme der modernen Psychotherapie

Grundprobleme der modernen Psychotherapie

In der modernen Psychologie gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs „Psychotherapie“. Der Begriff Psychotherapie gehört zur Klasse der unscharfen Begriffe: Für sich genommen versteht ihn jeder, doch sich gemeinsam über ihn zu verständigen, fällt schwer. Wahrscheinlich beginnt genau hier das Problemfeld der modernen Psychotherapie.

Der erste Schritt ist die Wahl einer Philosophie oder persönlicher Präferenzen, an die sich der Psychotherapeut in seiner Arbeit halten wird. In der heutigen Welt gibt es zahlreiche Richtungen der Psychotherapie: Gestalttherapie, Psychoanalyse, Verhaltenstherapie und andere. Die gewählte Richtung steckt einen gewissen Rahmen für die Auswahl der Methoden und Verfahren ab, von denen es für die Arbeit mit dem Klienten eine riesige Menge gibt.

Eines der Grundprobleme ist das Paradigma, in dessen Rahmen Psychotherapie betrachtet wird: das medizinische oder das psychologische – und die beiden unterscheiden sich erheblich voneinander.

Man kann festhalten, dass die Mission der Psychotherapie (der psychologischen Praxis) darin besteht, auf die Herausforderungen des Lebens und der Zeit zu antworten und dem Klienten (dem Einzelnen, der Familie, der Gruppe, der Organisation) dabei zu helfen, die Herausforderungen des Lebens und der Zeit anzunehmen und im Umgang mit ihnen sein Potenzial so zu verwirklichen, dass die Lebensqualität und – im weiteren Sinne – die Gesundheit erhalten bleiben, ebenso die Fähigkeit, sich zu entwickeln und bereit zu sein, neue Herausforderungen anzunehmen und zu bewältigen.

Wichtig ist dabei, dass ein gewöhnliches Hochschulstudium nicht ausreicht, um als Psychotherapeut zu arbeiten. Hier gibt es eine eigene Ausbildung, die an eine Reihe von Bedingungen geknüpft ist.

Zu beachten ist, dass es auch Auffassungen gibt, wonach die Psychotherapie die Kriterien der Wissenschaftlichkeit nicht erfüllt – vor allem sind ihre Ergebnisse nicht reproduzierbar. Ebenso wirft die Frage viele Zweifel auf, was als objektiv zu gelten hat. Viele Forscher meinen, die Psychotherapie habe weder einen eigenen Objekt- noch einen eigenen Gegenstandsbereich. Zugleich lässt sich jedoch keine einzige psychotherapeutische oder psychologische Theorie, die der Psychotherapie zugrunde liegt, widerlegen.

In der Psychotherapie hat die Persönlichkeit des Psychotherapeuten große Bedeutung, ebenso seine Motivation und sein Interesse. Die Eigenart des Berufs liegt in erster Linie in einem besonderen Verhältnis zum anderen Menschen, der ja der Gegenstand seiner beruflichen Tätigkeit ist. Das zeigt sich darin, dass in der Arbeit des Psychotherapeuten die folgenden verbindlichen Regeln und Haltungen gegenüber dem Klienten vorhanden sein müssen.

• Sorgsamer Umgang mit dem Geheimnis des Klienten;

• Vertrauen in die Geschichte des Klienten;

• Verstehen des Klienten;

• Wertfreie Haltung gegenüber dem Klienten und anderes mehr.

Was die Persönlichkeit des Psychotherapeuten betrifft, so sind der Kommunikationsstil und mögliche psycholinguistische Fehler zu bedenken (zum Beispiel: der Gebrauch der Verneinung „nicht“, der Begriffe „besser – schlechter“ und anderer).

Ein weiteres Problem ist, dass viele Klienten den Therapeuten als Magier und Zauberer wahrnehmen. Sie meinen, der Psychotherapeut werde all ihre Probleme in ein, zwei Sitzungen lösen.

In letzter Zeit wird Psychotherapie immer beliebter. Leider gibt es auch Therapeuten, die daraus ein „Geschäft machen“, etwa indem sie Netze von Ausbildungsseminaren aufbauen, genau nach den Prinzipien und Gesetzen des Network-Marketings, und Ähnliches.

Psychotherapie hat es in der überschaubaren Geschichte immer gegeben. Zuerst betrieben sie Anführer und Priester. Die Psychotherapie hatte geistlichen Charakter, sie war eine Kunst. Danach nahmen sich Humanisten und traditionelle Praktiker der Psychotherapie an. In ihren Händen wurde die Psychotherapie zu einem Handwerk

Die wissenschaftliche Psychotherapie hat trotz ihrer Jugend bereits einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des modernen Menschen geleistet.

Abschließend lässt sich sagen: Psychotherapie ist ein interaktiver Prozess der psychologischen Ordnung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Menschen, einer Familie, einer Gruppe, der Gesellschaft insgesamt – um ein gesetztes Ziel zu erreichen.