Wenn Energiemangel und Depression in der dunklen Jahreszeit wiederkehren, spricht man von einer Herbst- und Winterdepression. Was sollte man darüber wissen?
Der Rhythmus der Jahreszeiten wirkt auf unsere Gefühle und unser Verhalten. Bei manchen Menschen lösen diese saisonalen Veränderungen starke Schwankungen von Stimmung und Energie aus. Die Herbst-Winter-Depression kehrt Jahr für Jahr wieder. Sie ist eine der saisonalen Störungen des Gefühlslebens, deshalb nennt man sie auch saisonal abhängige Depression.
Was macht die Herbst-Winter-Depression aus und welche Behandlungsmethoden gibt es?
1. Frage: Was versteht man unter der Herbst-Winter-Depression?
Die Herbst-Winter-Depression ist eine Unterform der depressiven Erkrankung. Sie tritt in bestimmten Abständen zu einer bestimmten Zeit des Jahres auf. Daher der Begriff „saisonal abhängige Depression“. Der „Herbstblues“, der sich in schlechter Stimmung und Antriebslosigkeit zeigt, ist eine der mildesten Formen. In der medizinischen Terminologie heißt das Minor Depression (subsyndromale Depression).
2. Frage: Was sind die Anzeichen der Herbst-Winter-Depression?
Die Winterdepression hat viele Gesichter. Manche Patienten bemerken nur ein unbestimmtes Unwohlsein oder eine leicht gedrückte Stimmung, während andere Anzeichen einer voll ausgeprägten Depression zeigen können.
SYMPTOME AUF PSYCHISCHER EBENE
- anhaltende, depressive Stimmung, Ausweglosigkeit und Angst vor der Zukunft
- Gleichgültigkeit
- Antriebslosigkeit und Desinteresse an Hobbys
- nachlassende kognitive Fähigkeiten, schlechte Konzentration, schlechtes Gedächtnis und verlangsamtes Denken
- Gefühl der Minderwertigkeit und der sozialen Abgeschnittenheit
SYMPTOME AUF KÖRPERLICHER EBENE
- Schlafprobleme (besonders frühes Erwachen am Morgen)
- Müdigkeit und erhöhtes Schlafbedürfnis
- gesteigerter Appetit, besonders auf kohlenhydratreiche Kost
- Gewichtszunahme
- Kopf- und Rückenschmerzen
- Schwindel und Herzbeschwerden
3. Frage: Warum kommt es in der dunklen Jahreszeit zur Herbst-Winter-Depression?
Der Mangel an natürlichem Tageslicht und die geringere Lichtstärke im Herbst und Winter gelten als Hauptursache der saisonalen Depression. Melatonin ist ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des Organismus beeinflusst. Das Hormon wird nur in der Dunkelheit gebildet. Die Melatoninkonzentration im Blut ist nachts weit höher als am Tag. Wegen der geringen Beleuchtung in den Herbst- und Wintermonaten bleibt der Melatoninspiegel auch tagsüber hoch. Das erklärt auch das erhöhte Schlafbedürfnis bei der Herbst-Winter-Depression. Ein hoher Melatoninspiegel wiederum hängt mit einem niedrigen Serotoninspiegel zusammen. Der Organismus wandelt Serotonin in Melatonin um. Wenn uns dieses „Glückshormon“ fehlt, sinkt auch unsere Stimmung.
4. Frage: Wodurch unterscheidet sich die Herbst-Winter-Depression von einer gewöhnlichen Depression?
Die Symptome der saisonal abhängigen Depression ähneln denen einer gewöhnlichen Depression sehr. Allen Betroffenen gemeinsam ist eine grundlose Depression sowie ein Mangel an Antrieb und Energie. Die Hauptunterschiede liegen im Schlaf- und Essverhalten. Bei der Winterdepression bekommen die Menschen oft Lust auf kohlenhydratreiche Lebensmittel, zum Beispiel auf Süßigkeiten. In der Folge nehmen manche an Gewicht zu. Die gewöhnliche Depression zeigt sich dagegen in Appetitverlust und Gewichtsabnahme. Menschen mit saisonal abhängiger Depression haben außerdem ein deutlich erhöhtes Schlafbedürfnis. Der Schlaf selbst wird jedoch nicht als erholsam empfunden.
5. Frage: Wie zeigt sich die Herbst-Winter-Depression bei Kindern und Jugendlichen?
Ein Teil der Symptome entspricht dem Verhalten, das man bei Jugendlichen in der Pubertät ohnehin beobachtet. Dazu können Teilnahmslosigkeit, Lust auf Süßes oder Fast Food, Reizbarkeit und fehlende Motivation gehören. Das erschwert das Erkennen. Ein Warnzeichen kann sein, dass Ihr Kind diese Anzeichen jedes Jahr zur selben Zeit zeigt, nämlich im Herbst und Winter. Neben den genannten Symptomen weisen manchmal auch unklare körperliche Anzeichen wie Bauch- oder Kopfschmerzen auf eine Herbst- und Winterdepression hin.
6. Frage: Wie wird die Herbst-Winter-Depression diagnostiziert?
Das wichtigste diagnostische Kriterium ist der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Symptome und der Jahreszeit. Wenn die klassischen Anzeichen mindestens 2 Jahre hintereinander im Herbst oder Winter auftreten, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine saisonal abhängige Depression.
Wichtig: Lassen Sie die Ursache Ihrer Beschwerden von einer Ärztin oder einem Arzt abklären. Ähnliche Symptome hängen oft mit körperlichen Erkrankungen zusammen, etwa mit einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Blutarmut.
7. Frage: Herbst- und Winterdepression – wie kann die Lichttherapie helfen?
Der Mangel an Tageslicht verschiebt den Tag-Nacht-Rhythmus (den zirkadianen Rhythmus). Es entsteht ein hormonelles Ungleichgewicht, das mit Erschöpfung und gedrückter Stimmung einhergeht. Bei der Behandlung der Herbst- und Winterdepression ist es wichtig, das fehlende Licht zu ersetzen. Dafür werden Lampen mit sehr starkem Lichtstrom eingesetzt, mit einer Einwirkung von 10 000 Lux aufs Auge.
Zum Vergleich: An einem klaren Sommertag sind es etwa 100 000 Lux, an einem trüben Tag etwa 20 000 Lux, die durchschnittliche Beleuchtung in Büros beträgt dagegen nur 250 bis 700 Lux.
Üblicherweise beginnt man die Lichttherapie mit einer Sitzungsdauer von 15-30 Minuten. Umfang und Häufigkeit können schrittweise gesteigert werden. Eine Besserung tritt erst nach einigen Tagen ein. An der positiven, stimmungsaufhellenden Reaktion ist die gesamte Netzhaut des Auges beteiligt. An ihren Rändern hat sie viele Sinneszellen, die das Licht auffangen.
8. Frage: Herbst-Winter-Depression – was kann man selbst tun?
Mehr Licht!
Bringen Sie mehr Licht in Ihr Leben und in Ihren Alltag. Zusätzliche Decken- und Stehlampen sorgen für eine hellere Beleuchtung im Innenraum und schaffen zugleich eine angenehme Atmosphäre.
Bewegung an der frischen Luft
Auch Sport bewährt sich im Kampf gegen die dunklen Gedanken. Besonders in Verbindung mit der Wirkung des Lichts. Das heißt: Vor allem Sport im Freien fördert die Bildung stimmungsaufhellender Endorphine.
Essen Sie mit Genuss
Achten Sie außerdem auf eine ausgewogene Ernährung. Manche Nahrungsbestandteile wie der Eiweißbaustein Tryptophan oder die Aminosäure Tyrosin regen die körpereigene Serotoninproduktion an. Serotonin ist auch als „Glückshormon“ bekannt.
Heilkräuter
Auch Johanniskraut ist bei leichten und mittelschweren Depressionen nützlich. Zu beachten ist allerdings, dass die stimmungsaufhellende Wirkung bei einer Tagesdosis von 900 Milligramm in der Regel erst nach der 2. Einnahmewoche eintritt.
Vitamin C
Nach meinen persönlichen Beobachtungen an meinen Patienten verbessert die intravenöse Gabe von Vitamin C nicht nur die Immunabwehr und die Regeneration deutlich, sondern auch den psychischen Zustand. Die Patienten beschreiben ihn als leicht, angenehm, „nichts belastet mich“, stabil.







