Inna gehörte zu jenen Klientinnen, die sofort die Initiative an sich reißen, ohne recht zu bemerken, dass sie es getan haben. Solchen Menschen steht in riesigen roten Buchstaben, umrahmt von bunten Blinklichtern, auf der Stirn geschrieben: „Ich lebe!!!“ – und wer es besonders schwer begreift oder kurzsichtig ist, dem führt Inna ihren Lebensgenuss jederzeit praktisch vor. Nicht weil es sein muss, sondern weil sie schlicht nicht anders kann.
Hintergrund: Die Geschichten werden auf Grundlage der Rückmeldungen und mit Einverständnis der Klientinnen und Klienten veröffentlicht. Die Namen wurden bewusst geändert. Am Ende finden Sie den fachlichen Kommentar mit der Analyse dieser Beziehung.
Direkt zum fachlichen KommentarEine auffallende Blondine, die sich ihrer etwas kräftigeren Proportionen – kräftiger, als die Modebranche sie uns verkauft – kein bisschen schämt, mit durchdringend blauen Augen (die vom Vater) und stets stilsicheren, selbstbewussten „Klamotten“. Ihre Sprache ist etwas rau und provokant, was nicht nur an ihrem Persönlichkeitstyp liegt, sondern auch an der Gewohnheit, in Moskau zu überleben; dazu ein aufmerksam abschätzender Blick und die beneidenswerte Fähigkeit, immer zu bekommen, was sie will – eine Fähigkeit, der sie selbst nie Beachtung geschenkt hat, nach dem Motto: Geht das denn auch anders? Zu uns kam sie auf der Suche nach einem „starken Mann“.
Man muss sagen: Der Mythos vom unbedingt starken Mann ist erstaunlich zäh, und Klagen von Frauen, ihre früheren Partner seien zu schwach oder zu passiv gewesen, höre ich regelmäßig. Männer klagen nicht – sie reiben sich einfach auf im Krieg gegen sich selbst, um diesem Bild zu entsprechen.

Ich habe mehrere Anläufe genommen, um Inna die Vorzüge eines weichen Partners zu beschreiben – eines Partners, der ihre scharfen Kanten ausgleicht, sie ergänzt und ihre Stärken sogar bereichert –, doch ihre Meinung änderte sich nicht, und ich lief Gefahr, selbst zu jenem letzten, gnadenlos niederzuwalzenden „Hindernis“ auf dem Weg zu ihrem Familienglück zu werden. Im Zorn, mochte sie ihn auch geschickt verbergen, erinnerte mich diese nordische Schönheit an nichts so sehr wie an die Walküre Brünhilde, die geschworen hatte, nur den zu heiraten, der sie besiegt. Ich brauchte dringend einen drachentötenden Siegfried … Und ich hatte einen. Nur passte er nach seinem Persönlichkeitstyp nicht so ideal zu ihr, wie unsere Werbung es versprach. Nachdem ich der plötzlich sehr ruhig gewordenen Inna in Kürze die Aussichten und Erwartungen im Umgang mit einem anderen aktiven Persönlichkeitstyp skizziert hatte – die Notwendigkeit, sich abzustimmen und Kompromisse einzugehen –, gab ich ihr Witaliks Kontakt.
Witalik entsprach der Bedeutung seines Namens vollkommen: ein Quirl, ein Springbrunnen an Ideen, ein Mensch wie ein Strom, der ganze Mengen mitzureißen vermag. Er brachte es fertig, überall gleichzeitig zu sein, alles in Bewegung zu setzen, allen Anweisungen zu erteilen und zu verschwinden, bevor irgendjemand zur Besinnung kam. Er dachte wahrhaft groß, napoleonisch, auch wenn er es vor lauter Wald bisweilen nicht für nötig hielt, einzelne Bäume zu unterscheiden. Die große Geste, der Schwung und die Verachtung fürs Detail zeigten sich auch in seiner Kleidung, seiner Sprache und seinen Bewegungen.
Inna und Witalik verabredeten sich noch für denselben Freitag. Wie es sich für jede starke, kluge und unabhängige Frau gehört, wusste Inna bestens, wie man sich schwach stellt. Doch die eigene Natur lässt sich nicht verstecken: Sie war es gewohnt, sich mit Schwung zu nehmen, was sie für ihr gutes Recht hielt, und konnte sich nicht vorstellen, dass es auch anders ginge. Witalik war verloren, und Inna feierte ihren Sieg im Voraus. Und doch lief im Restaurant etwas nicht nach Plan. Es dauerte lange, bis sie begriff, in welchem Moment sie von der gespielten Bescheidenheit dazu übergegangen war, Witalik mit kindlich offenem Mund und weit aufgerissenen Augen zuzuhören.

Inna und Witalik verabredeten sich noch für denselben Freitag. Wie es sich für jede starke, kluge und unabhängige Frau gehört, wusste Inna bestens, wie man sich schwach stellt. Doch die eigene Natur lässt sich nicht verstecken: Sie war es gewohnt, sich mit Schwung zu nehmen, was sie für ihr gutes Recht hielt, und konnte sich nicht vorstellen, dass es auch anders ginge. Witalik war verloren, und Inna feierte ihren Sieg im Voraus. Und doch lief im Restaurant etwas nicht nach Plan. Es dauerte lange, bis sie begriff, in welchem Moment sie von der gespielten Bescheidenheit dazu übergegangen war, Witalik mit kindlich offenem Mund und weit aufgerissenen Augen zuzuhören.
"Der Kerl hat es doch tatsächlich geschafft, mir den Kopf zu verdrehen!“, dachte sie, „na warte, wir haben schon ganz andere kleingekriegt!"
Sie versuchte, die Initiative zurückzuholen und von sich zu erzählen. Eine Weile hörte Witalik begeistert zu, dann befahl er ihr in einem Ton ohne Widerspruch, dieses und jenes Gericht zu bestellen. Vor so viel Dreistigkeit vergaß Inna glatt, wovon sie eben noch gesprochen hatte.
Der dritte Versuch, ihn zu unterdrücken, war noch aggressiver. Inna wusste selbst nicht mehr, ob sie ihn wirklich besiegen oder wenigstens prüfen wollte, wie stark er ist. Einerseits hatte sie ja selbst einen starken Mann verlangt, andererseits begriff sie erst jetzt, wie sehr sie sich abgewöhnt hatte, dass jemand tatsächlich stärker ist als sie. Jeden ihrer Versuche „dämpfte“ Witalik ab, scheinbar ohne die geringste Anstrengung. Er war klug, witzig, offen, aufrichtig und erstaunlich feinfühlig. Sie hatte das Gefühl, mit einem Panzer gegen Infanterie zu fahren – und diese Infanterie nahm ihr ohne einen einzigen Schuss, mit bloßen Händen, Platte für Platte die ganze Panzerung ab, lächelte dabei bezaubernd und machte auch noch Komplimente, dass man so eine offene und aufrichtige Frau nur selten treffe. Und schließlich gab Inna auf.
- Ich wohne gleich hier in der Nähe, an der Twerskaja. Fahren wir!
Das zweite Date organisierte Witalik. Inna fand sich plötzlich auf einer vollkommen durchgeknallten Party wieder – mit Trommeln und Tamtams, afrikanischer Kriegsbemalung und einer Menge dunkelhäutiger Tänzerinnen in Baströcken und oben ohne.
– Was soll denn das?! – wollte sie sich gerade empören.
– Ganz ruhig, ich wollte dich überraschen! – zuckte Witalik mit den Schultern, – du staunst so schön.
Nach und nach gewöhnte Inna sich das Staunen ab. Sie genoss diese seltsame Beziehung aufrichtig, all die wunderlichen Schätze Moskaus, von denen sie nichts geahnt hatte. Witalik schien vollkommen unmögliche Menschen und Orte zu kennen und gab ein Tempo vor, bei dem Inna kaum zur Besinnung kam … und dann war Witalik plötzlich verschwunden. Restlos. Er ging nicht einmal ans Telefon.
Inna tobte. Sie stellte alles auf den Kopf: klapperte die Telefone sämtlicher bekannter Ermittler, Ganoven und Freundinnen ab, mobilisierte alle Kontakte, durchkämmte ganz Moskau … Sie rief bei uns an und forderte mit solcher Empörung „diese verdammten passiven Kerle, die sich bloß nicht aufspielen“, dass ich fast ernsthaft um deren Wohlergehen zu fürchten begann. Zum Glück fand sich Witalik … in Petersburg. Als die rasende Walküre, beinahe die Tür aus den Angeln hebend, in sein Hotelzimmer stürmte, rettete ihn nur die aufrichtige Freude in seinen Augen vor der unausweichlichen Abrechnung. Nachdem er ihre empörten Rufe und Schimpfworte ehrlich angehört hatte, umarmte Witalik sie leise und gestand ebenso ehrlich:
– Ich hatte Angst. Dass alles zu Ende geht, dass es jetzt ernst wird und anders. Aber ich bin weggefahren und habe verstanden: Ich kann tatsächlich nicht ohne dich!
Und Inna glaubte ihm, warum auch immer.
Aus WikipediaDie Walküre („die die Gefallenen auswählt“) ist in der skandinavischen Mythologie die Tochter eines ruhmreichen Kriegers oder eines Königs, die auf einem geflügelten Pferd über das Schlachtfeld reitet und entscheidet, welcher der gefallenen Krieger in den himmlischen Saal – nach Walhall – kommt.
Brünhilde („Panzer + Kampf“) ist eine kriegerische Heldin der germanisch-skandinavischen Mythologie und Epik, eine der Hauptfiguren des altgermanischen Nibelungenzyklus. Brünhilde schwor, nur den zu heiraten, der sie im Kampf bezwingt. Das war Siegfried, der als Beweis seines Sieges ihren Gürtel an sich nahm.
Fachlicher Kommentar
Innas Persönlichkeitstyp ist psychopathisch. Das sind Menschen, die auf jede erdenkliche Weise ihr Recht zu sein unterstreichen. Sie genießen das Leben in all seinen Erscheinungsformen, und zugleich zeigt sich bei ihnen in allem das Streben zu kontrollieren und zu herrschen. Sie haben recht hohe Ansprüche an sich selbst – und genau dieselben an ihre Umgebung.
Witali ist ein ausgeprägter Vertreter des frustrierenden Persönlichkeitstyps. Für ihn zählen vor allem Bewegung und das Brodeln des Lebens; er startet immer neue Projekte und kann oft beim Erreichten nicht stehen bleiben. Das Problem von Menschen wie Witali ist die Unlust, sich um Kleinigkeiten zu kümmern, und die fehlende Bereitschaft, Verantwortung und negative Ergebnisse ihrer Projekte anzunehmen. Ihr wichtigster Abwehrmechanismus ist die Vermeidung: Im Zweifel verschwinden sie – so, wie er es in dieser Geschichte vorgeführt hat.
Beide Persönlichkeitstypen sind miteinander kompatibel, und beide sind sehr energiegeladen. Witali wird Innas Direktheit und Aufrichtigkeit schätzen, ihre Fähigkeit, die Lage so zu sehen, wie sie ist, alle Details durchzuarbeiten und keine überflüssigen Verwicklungen zu schaffen, in denen er selbst sich regelmäßig verliert. Inna wiederum ist bereit, in Witali einen starken und unabhängigen Menschen anzuerkennen – einen, den sie nicht unterdrücken kann, auch wenn dieser Effekt vor allem seiner Wendigkeit und seinem Geschick im Manövrieren zu verdanken ist. Genau diese Fähigkeiten fehlen Inna, sie bewundert sie an ihm – und darin ergänzt Witali sie bereits. Der Strom, den er erzeugt, lässt sie das Leben voller und intensiver spüren; ihr Schwung wiederum erlaubt ihm, seine Vorhaben zu ordnen und zu Ende zu bringen.
Das ist eine Beziehung auf Augenhöhe. Damit sie gelingt, müssen die beiden sich in jeder Frage miteinander abstimmen und entscheiden, wer heute nachgibt und wie ein Kompromiss aussieht. Abwechselnd wird man „kapitulieren“ und sich führen lassen müssen. Gibt immer nur eine Seite nach, verwandelt sich die Beziehung in einen langen, stetig wachsenden Konflikt.
Wie vermeiden Inna und Witali einen solchen „Stellungskrieg“? Ganz einfach: Damit eine Beziehung nicht nur beginnt, sondern dauerhaft nicht nur intensiv, sondern auch unkompliziert bleibt (woran es unserem Paar fehlt), genügt es, sich an denKennenlernklub nach Kompatibilität zu wenden. Es gibt ein paar einfache Kniffe.







