Mascha wurde als Kind kaum je an den Zöpfen gezogen. Und das lag nicht nur daran, dass sie sich selten Zöpfe flocht – eher wussten alle, was ihnen dann blühte. Mascha konnte durchaus zurückschlagen. Natürlich kränkte es sie oft: Warum liefen alle den anderen nach und zogen ihnen an den Zöpfen, sie aber ließ man in Ruhe? Doch bald erklärte sie es sich so: Solche Trottel, die nichts anderes können, als an einem Zopf zu ziehen, braucht sie im Leben nicht. Und seither machten die „Trottel“ einen Bogen um sie.
Hintergrund: Die Geschichten werden auf Grundlage der Rückmeldungen und mit Einverständnis der Klientinnen und Klienten veröffentlicht. Die Namen wurden bewusst geändert. Am Ende finden Sie den fachlichen Kommentar mit der Analyse dieser Beziehung.
Direkt zum fachlichen KommentarMaria wuchs zu einer schönen und selbstbewussten Frau heran. Ihre Freundinnen beneideten sie um ihr prachtvolles dunkles Haar, um ihre perfekte Haltung, um ihr Selbstvertrauen, sogar um ihre Kompromisslosigkeit. Sie wusste immer, was gut war und was schlecht, was richtig und was falsch. Sie hatte einen außergewöhnlichen Verstand und eine kugelsichere Logik, scheute sich nicht, selbst mit der Geschäftsführung zu streiten, und schaffte es, sie davon zu überzeugen, dass sie im Recht war. Dafür erntete sie natürlich viele schiefe Blicke, vor allem von männlichen Kollegen, und den in solchen Fällen durchaus erwartbaren Spitznamen „Zicke“.
Sie ließ sich davon nicht unterkriegen, biss sich mit übermenschlicher Hartnäckigkeit an ihrer Karriere fest und träumte vom Posten der Chefredakteurin ihres monatlichen Wirtschaftsmagazins. Nichts konnte ihre Pläne durchkreuzen … Außer dem nächsten Trottel. Er war ein Feuerwerk an Enthusiasmus, ein irgendwoher abgeworbener „Spezialist“, vollkommen kopflos, der eher in die Boulevardpresse gehörte als in ihr seriöses Blatt. Und je weiter weg von ihr, desto besser! Doch der Direktor entschied anders und übertrug ausgerechnet Maria die Patenschaft über den „Neuen“. Niemand komme damit besser zurecht als sie.

Und dieser „Trottel“ war nicht bloß kopflos, sondern regelrecht hochexplosiv. Schlaksig, eckig, mit „perfektem“ Dreitagebart, grellen T-Shirts mit provokant sexistischen Aufdrucken, modisch zerrissenen Jeans und knalligen Turnschuhen (besonders verblüffte Mascha, dass seine Socken verschiedenfarbig waren, offensichtlich mit Absicht aus verschiedenen Paaren zusammengesucht). Er starrte Mascha mit kindlich weit aufgerissenen, begeisterten Augen an, ignorierte dreist die Hälfte dessen, was sie sagte, lachte laut und konnte sich mitten in ihrem Satz einfach umdrehen und gehen. Er gestikulierte ausladend, nahm den gesamten verfügbaren Raum ein, rutschte hin und her, spottete, machte aus allem eine Ein-Mann-Show (mit sich selbst in der Hauptrolle, versteht sich) und schien es gezielt darauf anzulegen, Mascha zu nerven und aus der Fassung zu bringen. Kurz gesagt: eine Art „Zöpfeziehen auf Level 80“ – es macht wahnsinnig wütend, aber man kann weder kontern noch ihn auf frischer Tat ertappen.
– „Mariwanna, he, Mariwanna?“ – der „Trottel“ hatte entweder jemanden gefragt oder irgendwo ihren Vatersnamen aufgeschnappt und nannte sie nun unweigerlich so, wie in Witzen die Lehrerinnen heißen.
– „Was willst du, Fritzchen?“ – Mascha hielt es nicht mehr aus. In Wirklichkeit hieß der „Trottel“ Oleg.
– „Mir gefällt das!“ – strahlte Oleg. – „Wir haben schon Decknamen füreinander!“
– „Was willst du?“ – seufzte Mascha bitter.
– „Warum hast du meinen Artikel über Kremnjow abgeschossen?“
– „Weil wir keine Boulevardpresse sind, die solche Gerüchte druckt.“
– „Sie kränken mich, Mariwanna, das sind keine Gerüchte! Ich habe geprüfte Informanten!“
– „Und wenn Kremnjow hier seine Anwälte auffahren lässt – wo sind dann deine Informanten?“
– „Wir wehren uns mit der Axt!“ – zuckte Oleg mit den Schultern.
– „Mit welcher Axt?!“ – Mascha war sich nicht sicher, ob er scherzte.
– „Mit der Feuerwehraxt. Die hängt im Stiegenhaus hinter Glas.“
– „Trottel!“ – seufzte Mascha resigniert.
Ein andermal rief Oleg sie mitten in einer Besprechung an und schaltete die Videoübertragung ein.
– „Wenn sie mich umbringen, bist du meine Zeugin!“
– „Wer bringt dich um?!“
– „Sag nichts, ich brauche Ruhe!“ – flüsterte er, und die restliche Zeit bewunderte Mascha, wie irgendwelche Kartons in einen Kleintransporter geladen wurden.
– „Übrigens, das ist Rauschgift! Dein Pharmaunternehmer, mit dem wir übermorgen das Interview haben, bessert so seine Finanzlage auf!“ – verkündete Oleg fröhlich, als alle weggefahren waren.
– „Ich habe nur Kartons gesehen!“ – schnitt Mascha trocken ab.
– „Dann frag ihn übermorgen, wenn er über die Übergewinne aus dem Aspirinverkauf schwadroniert!“
– „Bist du wahnsinnig?“
– „Dann frage eben ich!“
– „Hör auf!“
– „Ganz ehrlich, ich frage ihn, und danach kannst du mich mit der Feuerwehraxt verteidigen … oder erschlagen, ganz wie es dir lieber ist. Für dich bin ich zu allem bereit!“
– „Trottel …“
Mascha verstand aufrichtig nicht, was Oleg zu all diesen Aktionen trieb. Je schroffer sie ihn abblitzen ließ, desto abstrusere Ideen kamen in seinem verdrehten Kopf auf und desto mehr Überraschungen fand sie an ihrem Arbeitsplatz. Immerhin waren die Überraschungen wenigstens nicht so kopflos wie Olegs Einfälle. Mal waren all ihre sorgfältig sortierten Papiere in ein Sackerl gefegt und der Schreibtisch mit Rosenblättern ausgelegt, mal lag in jeder Schublade eine Tafel Schokolade. Allerdings hatte Oleg die Schokolade von Freitag auf Montag liegen lassen, und am Wochenende war es so heiß, dass sie zerlief … Schlimmer war es, als Mascha sich in ihren Sessel plumpsen ließ und neben dem Furzkissen auch noch einen versteckten Mechanismus auslöste, der hinter ihrem Rücken Luftballons aufblies. Da war selbst ihre eiserne Geduld am Ende.
– „Nikita Sergejewitsch, befreien Sie mich sofort von diesem Trottel!!!“
– „Maschenka, was ist denn los?“
– „Ich halte das nicht aus! Ehrlich, ich kann nicht mehr! Und wenn er dreimal genial und zweifacher Pulitzerpreisträger ist – halten Sie ihn bitte von mir fern!“
– „Was hat er denn getan?“
– „Er macht ständig irgendetwas … Jetzt hat er mir dieses … Furzkissen auf den Sessel gelegt! Und dazu noch Luftballons. Ich habe lange durchgehalten, ich dachte ehrlich, ich schaffe das, aber das ist unmöglich!“
– „Und ich dachte, dich könne nichts erschüttern …“ – murmelte Nikita Sergejewitsch. – „Versteh doch, er meint es nicht böse …“
– „Ich weiß ja, dass er es nicht aus Bosheit tut, sondern einfach, weil er ein Trottel ist … Aber es wäre leichter, wenn wir weniger miteinander zu tun hätten.“
– „Schade, ich hatte gehofft, sein Gespür für Skandale und deine Sachlichkeit würden euch zu einem guten Team machen … Gut. Ich setze euch offiziell an die entgegengesetzten Enden des Büros. Und ja, schade, dass du mit ihm nicht zurechtkommst. Ich hatte gehofft, du könntest mich einmal ersetzen – und eine Führungskraft kann sich den Luxus nicht leisten, irgendeinen Mitarbeiter zu ignorieren …“
– „Nikita Sergejewitsch!“ – heulte Mascha geradezu auf und wurde puterrot. – „Ich löse dieses Problem!“
Doch viel zu lösen gab es gar nicht. Oleg, ungewöhnlich finster, wartete bereits bei ihrem Computer auf sie. Er sah aus, als stünde ihm die Entscheidung seines Lebens bevor.
– „Mascha, hast du es immer noch nicht begriffen?“
– „Wovon redest du?“
– „Na, du bist doch nicht blind! Siehst du wirklich nicht, dass ich für dich alles tun würde? Dass ich immer da bin, wenn du mich brauchst? Bin ich dir wirklich völlig gleichgültig?!“
– „Nein, wir arbeiten doch zusammen …“
– „Arbeiten … Ach … Du willst nur arbeiten?“ – Oleg wartete auf eine Antwort, doch Mascha war wie erstarrt. – „Gut! Ich werde dich beim Arbeiten nicht länger stören!“

Und Oleg ließ ab, befreite Mascha von sich selbst. Ins Büro kehrte die lang ersehnte Stille ein. Doch diese Stille freute Mascha nicht mehr. Sie wollte es sich selbst nicht eingestehen, aber ohne Oleg war es langweilig und grau. Es schien, als zöge das Leben an ihr vorbei: Es dreht sich als buntes Karussell voller Gelächter und Zuckerwatte, voller greller Bilder und farbiger Lämpchen, und Mascha steht daneben, im Schatten, und kann nicht mitmachen. Wie in der Kindheit, als andere Mädchen an den Zöpfen gezogen, abgeschlagen und zum Spielen eingeladen wurden, während man sich mit ihr lieber nicht anlegte.
Und warum hatte sie niemand gewarnt, dass Burschen mit dem Zöpfeziehen bloß darum bitten, dass man sie beachtet? Dass man nur so tun soll, als sei man verärgert, nachgeben und Hilflosigkeit spielen soll? Und vor allem: Warum sagt ihr niemand, was sie jetzt tun soll, wo es schlicht keine Möglichkeit mehr ist, stolz den Kopf zu werfen, alle Burschen Trottel zu nennen und das Interesse an ihnen zu verlieren? Diesmal wollte sie Oleg zurückhaben. Sie vermisste seine Kapriolen und seine Witze, sein Chaos und seine Fröhlichkeit. Aber der Stolz, dieser verdammte Stolz! Mascha wollte sich nicht einmal ausmalen, wie sie „reumütig“ zu Oleg gehen sollte – zumal er sie sicher längst aus seinem Leben gestrichen hatte. Mascha hätte es genauso gemacht. Nur Weichlinge können sich nie entscheiden, sagen mal ja, mal nein, gehen nie ganz und kommen nur für eine Weile zurück. Nein heißt nein! … Auch wenn es wehtut …
Oleg versuchte tatsächlich, Mascha aus seinem Leben zu streichen, so weit das eben möglich war, wenn man für dieselbe Zeitschrift arbeitet. Er verbrachte so wenig Zeit wie möglich im Büro, war ständig für Interviews und Recherchen unterwegs, explodierte bei der geringsten Erwähnung ihres Namens und starrte finster zu Boden, wenn sie sich im Gang begegneten. Er begriff nicht ganz, wie es dazu gekommen war, dass alles, was er tat, die Sache nur schlimmer machte; offenbar hatte sich nicht nur Maria Iwanowna gegen ihn verschworen, sondern das Schicksal selbst, das die beiden nicht zusammenkommen ließ. Natürlich gab es in ihrem Verlag jede Menge Mädchen, die ihm nachsahen – nur eben Mascha gab es nur einmal. Mutig, klug, wunderbar, entschlossen und unnahbar wie die Eismauer im Norden von Westeros.
Hier könnte man Auslassungspunkte setzen wie im Film „Frühling in der Sarjetschnaja-Straße“, wo es den romantischen Zuschauern überlassen blieb, zu entscheiden, ob die Hauptfiguren mit ihren ganz ähnlichen Charakteren zusammenkommen. Leider habe ich diese Freiheit nicht. Die Helden meiner Geschichte haben mir auch erzählt, wie es weiterging. Und wenn ich das nicht aufschreibe, verzeihe ich es mir nie – denn am liebsten mag ich Geschichten, die so wahr sind, dass man sie kaum glauben kann. Deshalb sage ich statt der Auslassungspunkte: JA, sie fanden am Ende zusammen – und wie!
Nach fast einem halben Jahr, in dem beide taten, als sei nichts gewesen, fiel Oleg Mascha direkt vor die Räder. Sie schaffte es gerade noch zu bremsen. Oleg sprang auf, sah sich um, erkannte das einzige vertraute Gesicht, stieg ungefragt ins Auto, legte sich auf den Rücksitz und brüllte: „Gib Gas!“ Mascha fuhr los, als wäre nichts geschehen, und hielt sich brav an das Tempolimit.
– „Gib Gas, sag ich!!!“
– „Nicht nötig.“
– „Wir müssen sie abhängen!“
– „Oder lieber keine Aufmerksamkeit erregen, indem wir fahren wie in einem billigen Actionfilm. Sollen sie denken, ich hätte niemanden mitgenommen. Beruhige dich und erzähl, was los ist.“
– „Es geht um die Tochterfirmen des Ölkonzerns, über den ich eine Reportage mache. Da ist eine sehr hässliche Geschichte, ich habe ein Video gedreht …“
– „Haben sie dich erwischt?“ – Mascha wartete das Ende der Erzählung gar nicht ab. Es war ohnehin klar, dass Oleg wieder einmal eine kriminelle Geschichte ausgegraben hatte, die die Redaktion seit jeher nicht brauchen konnte. In diesem Moment schoss um die Ecke ein schwarzer Geländewagen mit ausgesprochen finsteren Muskelpaketen darin.
– „Sie sind mir immer noch auf den Fersen, ich sag doch, gib Gas!“ – heulte Oleg auf.
Mascha erfasste die Lage blitzschnell. Sie wäre diese Straße ohnehin gefahren, Verdacht konnte gar nicht aufkommen, und falls man sie anhielte, würde sie sich schon herausreden.
– „Da unter dem Sitz rechts liegt eine alte Decke, die stinkt nach Hund“, sagte sie ruhig, „deck dich vorsichtshalber zu, und zwar so, dass ich dich nicht sehe.“
– „Wozu brauchst du nach Hund stinkende Decken?“ – brummte Oleg und warf sich seine Tarnung flink über die Schultern.
– „Meine Schwester hat einen Alabai. Wir waren beim Tierarzt.“
– „Du schuldest mir eine Dusche …“
Die Muskelpakete im Geländewagen zogen mit ihrem Auto gleich und wurden langsamer, um zu sehen, wer drinsaß. Maria bedeutete ihnen unwirsch, dass sie ihr zu nahe kämen. Die Hauptsache war, sich zu verhalten, als sei nichts geschehen – hätte sie nicht gewusst, wen sie suchten, wäre sie über eine solche Dreistigkeit maßlos empört gewesen. Die Rechnung ging auf: Die Muskelpakete entspannten sich sichtlich und lachten sogar noch anzüglich über sie. Mascha reckte stolz die Nase und gab Gas. Die Männer im Geländewagen durften die Suche nach Oleg nicht abbrechen, deshalb bogen sie bald ab.
– „Du kannst rauskommen“, erlaubte Mascha, „ich bin nicht ihr Typ.“
– „Dafür meiner! Diese Nerven – das ist doch der Wahnsinn! Ich bin begeistert!“
– „Hör auf.“
– „Nein! Wir waren praktisch schon in ihren Händen, und sie hat es auch noch geschafft, sie zusammenzuschimpfen! Du bist eine Superfrau! Übrigens, wohin fahren wir eigentlich?“
– „Jetzt fahren wir zu meiner Schwester und ihrem Alabai aufs Land – für den Fall, dass diese Muskelpakete noch einmal nachprüfen wollen, ob ich dich ihnen nicht im Kofferraum vor der Nase weggefahren habe. Das Kennzeichen haben sie sich bestimmt gemerkt …“
– „Hör mal, ab jetzt gehe ich nur noch mit dir auf Recherche! Wir zeigen es ihnen allen! Gleich, ich klettere nur schnell nach vorn!“
Fachlicher Kommentar
Maria ist der manische Persönlichkeitstyp. Das sind Introvertierte mit aktiver Lebensposition, die von der Logik geleitet werden. Sie hat ihre festen Überzeugungen und Prinzipien und dazu die Vorstellung, die einzige Trägerin der Wahrheit zu sein. Zugleich steckt darin der Gedanke, dass die Idee über dem Menschen steht, und der Dienst an dieser Idee. Um diese eigene Wahrheit zu finden, arbeiten sich Menschen des manischen Typs recht tief in ein Thema ein und studieren vieles, doch Schlüsse und Ergebnisse bleiben am Ende weitgehend „schwarz-weiß“. Maria fürchtet sich davor, selbst Gefühle zu zeigen, denn mit ihnen lässt sich schwer beweisen, dass man im Recht ist, und ein Fehler passiert schnell. Zugleich zieht es sie zu den Gefühlen hin, sie fesseln und wärmen sie. Ihren begründeten Standpunkt hingegen äußert sie ohne Furcht, ebenso wie sie für sich selbst einsteht. Sie ist durchsetzungsstark und strebt nach beruflichem Aufstieg.
Oleg verkörpert der hysteroide Persönlichkeitstyp nach der S-Theorie. Seine Grundlage ist das offene, unverhohlene Erregen von Aufmerksamkeit, und zwar mit allen verfügbaren Mitteln. Das sind auffällige, weithin sichtbare Menschen, die oft die Provokation lieben, grelle Details in der Kleidung und Skandale, und die sich in keinem vorgegebenen Rahmen halten lassen. Menschen des hysteroiden Typs sind sehr emotional, kennen praktisch keine Tabuthemen und verstehen nicht recht, wo andere ihre Grenzen haben. Für sie ist das ganze Leben ein Spiel, das sie mit größter Begeisterung spielen.
Er erregt ihre Aufmerksamkeit wie ein drolliges Tierchen. Zunächst nimmt sie ihn nicht ernst: Er benimmt sich falsch, verstößt gegen dieses und jenes, richtet dabei aber keinen größeren Schaden an und treibt seinen Unfug nur im Kleinen. Er packt sie bei ihrem Wunsch, Ordnung zu schaffen: „So ein Lausbub bin ich! Versuch doch, mich zu erziehen!“ Sie nimmt ihn in Erziehung, ohne sich einzugestehen, dass er sie unterhält.
Oleg färbt Marias schwarz-weiße Welt ein wie eine Explosion in einem Farbenlager. Er kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass jemand anders leben könnte. Zugleich ziehen ihn ihre Fokussiertheit an, ihr Selbstvertrauen, ihre Fähigkeit, alles rational zu erklären, und der Umstand, dass sie ihn nicht einengen wird. Erziehen ja – das ist ein Zeichen von Aufmerksamkeit –, aber einengen nicht.
Tatsächlich glauben Menschen des hysteroiden Typs bei all ihrer Auffälligkeit und Anziehungskraft nicht recht daran, dass man sie lieben kann. Und wenn sie aufrichtiges Interesse spüren, gehen sie sehr leicht darauf ein. Sie aber verliebt sich, während sie das Spiel treibt, in dieses Tierchen. Und er erwidert die Zuneigung – wie jedes Haustier.
Das ist eine Ehe zweiter Klasse: Für ein gelingendes Zusammenleben werden Oleg und Maria eigene Regeln entwickeln müssen, jeden Tag aushandeln, wer heute der Passive ist und wer nachgibt. Beziehungen bauen hier grundsätzlich auf Absprachen auf.










