Wie das Coronavirus den Menschen beeinflusst. Was tun?

Wie das Coronavirus den Menschen beeinflusst. Was tun?

Wir Menschen leben nach unserem eigenen System, nach Plänen, nach einer Zeitstruktur – anders gesagt: nach Routine und Gewohnheiten. Wir brauchen regelmäßige soziale Kontakte und eine gewisse Sicherheit. Doch das, was sonst zu unserer Lebensqualität gehört, hatte in der Corona-Krise keinen Platz mehr. Plötzlich war es nicht mehr möglich, die eigenen Nächsten zu sehen, den eigenen Gewohnheiten zu folgen und mit Gewissheit sagen zu können, was die Zukunft bringt. Wie sich das auf unsere Psyche auswirkt, wurde bereits in Untersuchungen zu den psychischen Folgen der Corona-Krise erforscht. Wie können Sie sich in dieser für viele schwierigen Zeit selbst helfen? Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel.

Die Corona-Pandemie: Untersuchungen zu den psychischen Auswirkungen

Da wir uns noch mitten in der Corona-Krise befinden, wenn auch bereits mit Lockerungen, gibt es bislang keine Ergebnisse zu den langfristigen psychischen Auswirkungen der Corona-Krise. Es gibt jedoch Untersuchungen dazu, wie sich Quarantäne und Einschränkungen auf unsere psychische Gesundheit auswirken. So belegt zum Beispiel eine Untersuchung der Donau-Universität Krems und des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP) eine deutliche Zunahme psychischer Probleme.

Der ÖBVP fand heraus, dass bereits zwei Wochen nach der Ausrufung des Ausnahmezustands 70 % der Patientinnen und Patienten von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten negative Folgen der Maßnahmen gegen COVID-19 bemerkten. Es sind dies Einsamkeit, Angst und Isolation; 16,3 % nannten sowohl positive als auch negative Folgen, nur 8,5 % bemerkten keine Veränderungen. Die Patientinnen und Patienten hatten das Gefühl, dass sich ihr psychisches Problem verschärft hatte. Außerdem kehrten Traumata und Neurosen zurück, die als aufgearbeitet galten.

Die Untersuchung der psychischen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen zeigte, dass Einsamkeit, Angst und Isolation von der Familie die häufigsten Auslöser sind. Viele beschäftigt außerdem ihre finanzielle und wirtschaftliche Zukunft. Die Angaben stammen von 1547 in Österreich zugelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Untersuchungen zu den psychischen Folgen der Corona-Krise für Jugendliche

Eine weitere Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ging der Frage nach, wie sich die Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Befragt wurden 1000 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren sowie 1500 Eltern von Kindern im Alter von 7 bis 17 Jahren.

Keine Umarmungen, weniger Berührungen, weniger Kontakte – unser gesellschaftliches Leben hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie erheblich verändert. Auch das wirkt sich auf die Psyche aus. Junge Menschen leiden am stärksten unter den Folgen der Selbstisolation: Sie sind einsamer, depressiver und antriebsloser als Ältere. Die Wissenschaftler erklären das damit, dass junge Menschen vor Beginn der Pandemie an ausgeprägtere alltägliche soziale Kontakte gewöhnt waren, die ihnen nun abrupt genommen wurden.

Zunahme von Depressionen und Angststörungen

Gestützt auf internationale Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Angststörungen, Depressionen und Stress bei jungen Menschen während der Krise zunehmen, vermuten die Wissenschaftler Folgendes: Da die Corona-Krise zu Veränderungen im sozialen Leben führt, wird sie auch zu einer geringeren Lebensqualität und Gesundheit führen. Zudem können weitere Maßnahmen gegen das Coronavirus zu noch mehr psychischen Problemen führen.

Beruf und Corona im Überblick

Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich kam in Bezug auf den Beruf zu folgenden Ergebnissen: Viele Befragte sorgten sich um ihre Existenzgrundlage, auch wenn Maßnahmen wie Homeoffice und Kurzarbeit ergriffen wurden. Eltern (vor allem von Kindern im Schulalter) fühlten sich durch die Arbeit von zu Hause stärker belastet. 53 % gaben an, Stress erlebt zu haben. Wer keine Kinder hatte, empfand die Arbeit von zu Hause als ruhiger als die Arbeit im Büro.

Internationale Untersuchung: das Problem der Pandemie

Eine internationale Untersuchung der Akademie für Arbeitshygiene der DPFA-bildung GmbH ergab: Mehr als die Hälfte (55 %) der Teilnehmenden empfand die Corona-Pandemie als schwierig. Dennoch waren sie positiv gestimmt, in dem Sinne, dass es einen Ausweg aus der Situation gibt. 48 % sahen in der Corona-Krise eine Bedrohung. Die Quarantäne empfanden 40 % als Belastung. Die größten Probleme waren fehlender körperlicher Kontakt und fehlender Schlaf sowie ein hoher „Konsum“ von Massenmedien.

Für introvertierte Menschen bringt die Pandemie weniger Stress

Eine laufende Langzeituntersuchung der Universität Leipzig kam ebenfalls zu dem Zwischenergebnis, dass unterschiedliche Persönlichkeiten in unterschiedlichem Maß unter den Kontaktbeschränkungen während der Pandemie leiden. „Introvertierte und emotional stabile Menschen empfinden die Pandemie im Vergleich zu extravertierten und neurotischen Menschen als weniger belastend“, sagte der Studienleiter Professor Hannes Zacher, Arbeitspsychologe an der Universität Leipzig. Im Rahmen der Untersuchung wurden zwischen April und September 2020 wiederholt knapp 600 Teilnehmende befragt. Laut Zacher haben Introvertierte in der Krise einen deutlichen Vorteil. In normalen Zeiten ging es Extravertierten allerdings besser als Introvertierten. Eine hohe emotionale Stabilität ist im Grunde eine günstige Eigenschaft, die in der Krise einen besonderen Vorteil verschafft. Extravertierte sind ihm zufolge gesellig, aktiv und gesprächig, Introvertierte dagegen in der Regel verschlossen, unabhängig und gern für sich allein. Emotional stabile Menschen sind ruhig, entspannt und sicher, während Neurotiker eher ängstlich, nervös und unsicher sind. Zusätzlich zu diesen beiden Merkmalspaaren wurden in der Untersuchung drei weitere zentrale Eigenschaften betrachtet: Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit und Offenheit. Diese hätten sich jedoch nicht auf das Stresserleben im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie ausgewirkt.

Coronavirus: psychologische Tipps für den Weg aus der Krise

Um die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zu verringern, empfiehlt es sich, psychosoziale Unterstützung in Anspruch zu nehmen. In der Begleitung durch eine Fachperson lernen Sie, mit Ihrer Hilflosigkeit und Ihrer Isolation umzugehen. Wenn Sie stark unter der Corona-Krise leiden, wenden Sie sich unverzüglich an jemanden. Auch eine Online-Beratung kann psychischen Problemen vorbeugen. Ihre Vorteile: leichter Zugang und Flexibilität.

Wenn diese Möglichkeit nicht in Frage kommt, dann erinnern Sie sich daran, was Ihnen früher Freude gemacht hat: Welche Beschäftigung, welches Hobby hat Sie so gefesselt, dass Sie alles um sich herum vergessen haben und ganz im schöpferischen Prozess aufgegangen sind? Es ist höchste Zeit, zu diesen Beschäftigungen zurückzukehren! Das gibt Ihnen Ressourcen, lädt Ihre Batterie auf, bringt Kraft und natürlich gute Laune!