„Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest“ – das ist die Goldene Regel. Sehr GEFÄHRLICH, sehr SCHÄDLICH und sehr NEUROTISCH. Warum diese Überzeugung schadet, warum man mit ihr verliert, warum sie Beziehungen zerstört – und wie man Gutes richtig tut.
Wir tragen sehr oft die irrationale Überzeugung in uns, andere Menschen müssten (oder sollten zumindest) sich uns gegenüber so verhalten, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten. Diese Überzeugung ist übrigens typisch für den depressiven Persönlichkeitstyp, sie ist in der Orthodoxie und in Russland weit verbreitet. In anderen Ländern, etwa in den USA, ist sie kaum anzutreffen.
Übrigens: Dieser Spruch hängt in Österreich am Eingang einer Reitschule. Geben Sie zu – in Russland käme niemand auf die Idee, so etwas hinzuschreiben:
„Tue niemandem etwas Gutes, dann hast du auch nichts Böses zu erwarten!“

Wir tragen sehr oft die irrationale Überzeugung in uns, andere Menschen müssten (oder sollten zumindest) sich uns gegenüber so verhalten, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten. Diese Überzeugung ist übrigens typisch für den depressiven Persönlichkeitstyp, sie ist in der Orthodoxie und in Russland weit verbreitet. In anderen Ländern, etwa in den USA, ist sie kaum anzutreffen.
Und diese Überzeugung ist:
- durch nichts gerechtfertigt und
- ausgesprochen schädlich.
Wir verhalten uns oft so, als wäre das eine feste Regel. Vereinbart haben wir das allerdings nie. Und der Ärger, die Kränkung und die Empörung, die danach kommen, drehen sich genau um diese Überzeugung.
„Wie kann das sein! Ich zu ihm so – und er zu mir so!“ Autor
Das ist eine sehr unrealistische Überzeugung, und man sollte sie bei sich selbst wie bei anderen im Blick behalten. Wichtig zu verstehen: Diese Überzeugung
- schadet,
- führt zu Enttäuschung und zerstört Beziehungen, und
- liefert anderen eine Strategie, bei der Sie Ihre Ressourcen einsetzen, im Austausch aber nichts zurückholen können.
Das Wort hat Ellis
1956 beschrieb Albert Ellis, der Begründer der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie, auf dem Kongress der American Psychological Association in Chicago zehn unsinnige Glaubenssätze, mit denen wir Angst schüren, besondere Ansprüche stellen und die Bedeutung des Geschehens kleinreden. Unter Nummer 3 stand der unvernünftige Glaubenssatz:
„Alles muss so sein, wie ich es will. Wenn das nicht eintritt, ist es furchtbar und ich halte es nicht aus!“
unvernünftiger Glaubenssatz
Was hat das mit der Goldenen Regel zu tun?
Damit verliert man!
Auf unsere Annahme, wer mehr investiert, dürfe auch mehr herausnehmen, kann der andere völlig klar und mit gutem Recht antworten:
„Habe ich dich darum gebeten? Das hast du aus eigenem Antrieb getan.“
Autor
Umgekehrt gilt: Trägt der andere diese Überzeugung in sich, gibt uns das im Rahmen des Karpman-Dramadreiecks die Möglichkeit, jederzeit darauf zu verweisen, dass wir das so nicht vereinbart haben. Wenn jemand uns eine solche „Rechnung“ präsentiert und erwartet, dass wir ihm gegenüber genauso handeln, können wir immer mit demselben Argument antworten:
„Das haben wir so nicht vereinbart!“
Autor
Sie zerstört persönliche Beziehungen!
Sehr oft bricht sich diese Erwartung in persönlichen Beziehungen Bahn – dort, wo ohnehin vieles stillschweigend vorausgesetzt wird. Wenn wir eine enge Beziehung aber auch als eine Vereinbarung zwischen zwei erwachsenen Menschen verstehen, dann können wir nichts stillschweigend voraussetzen. Wir müssen uns über die jeweiligen Beiträge verständigen – und einander erst danach „etwas Gutes tun“ und „Gutes tun“. Denn jemandem Gutes anzutun kann Folgen haben.
Wir können vom anderen nicht erwarten und nicht darauf bauen, dass er stillschweigend so handelt, wie wir ihm gegenüber gehandelt haben. Und dabei spielt es keine Rolle, ob das ehrlich und anständig war oder das Gegenteil.
Wie tut man denn nun Gutes?
Sucht man nach einer realistischen Alternative, könnte sie so lauten: „Andere Menschen verdienen die Behandlung, die sie in der jeweiligen Situation verdienen.“ Ob man mit einem Terroristen verhandelt, der gerade alle in die Luft sprengen wollte, ob man sein Wort hält, nachdem der andere seines gebrochen hat – das entscheidet sich an unseren Erwartungen.
Gutes tun beruht unter Erwachsenen grundsätzlich auf Austausch. Wenn ich mit dir tausche, muss vereinbart sein, was ich unmittelbar dafür bekomme. Besonders dann, wenn ich aus eigenem Antrieb etwas für jemanden tue, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Wollen wir das Gute in der Balance halten, damit es uns gegenüber nicht ausgenutzt wird – damit die Geschenke also nicht einfach behalten und nie erwidert werden –, dann verlangen wir, dass ein gleichwertiger Beitrag an jemand anderen geht.
Was heißt das? Ich habe etwas für einen anderen getan, und er fühlt sich nun in der Schuld. Ist das mein persönlicher Beitrag, erwarte ich nichts zurück und will ich das Thema schließen, dann stelle ich eine Gegenbedingung: „Tu dasselbe für jemand anderen.“








