Das Innere Kind heilen – das kann Ihr Leben glücklicher und leichter machen. Wir alle tragen ein gekränktes Inneres Kind in uns, das darauf wartet, gehört und geliebt zu werden. In diesem Beitrag lesen Sie unter anderem, mit welchen Übungen das Innere Kind heilen kann.
Wer ist das Innere Kind?
Das geliebte Innere Kind ist unsere lebendige Seite. Sie zeigt sich vor allem in Eigenschaften wie Freude, Unbefangenheit, Offenheit, Neugier und Begeisterung.
Das ungeliebte und abgelehnte Innere Kind zeigt sich vor allem in Zügen wie Traurigkeit, Angst, Enttäuschung, Wut, Neid, Scham usw. ausgeprägtes Kaufverhalten.
Wem in der Kindheit Zuwendung und Liebe gefehlt haben, der kann alte Wunden aus eigener Kraft heilen – durch gründliches Hinschauen und den Kontakt zu seinem Inneren Kind. Wer danach seine Grundfähigkeiten weiterentwickelt, stärkt seine Wurzeln und lässt so mehr Fülle in sein Leben.
Die (Wieder-)Entdeckung unseres Inneren Kindes rührt unser Herz an. Von dort kommt unser Original, mit dem jeder Mensch geboren wird: die Natürlichkeit unseres Wesens, unsere Sanftheit, unsere Hingabe, unser Lächeln, unser Schreien, unser Staunen, unsere einzigartige und besondere Persönlichkeit, all unsere Talente, unsere Schöpferkraft, unsere Neugier, unsere Freude, Unbefangenheit und Intuition, die besondere Feinfühligkeit, Liebe und Sinnlichkeit, die uns ausmachen, und das Vertrauen, dass alles gut ist.
Warum tut es unserer Persönlichkeit gut, das Innere Kind zu entdecken und anzunehmen?
- Weil ein Bewusstsein und ein Gespür dafür entsteht, wie die eigene Gefühlswelt arbeitet.
- Weil man lernt, Gefühle zuzulassen und anzunehmen – und die eigene Gefühlswelt so verarbeitet wird.
- Weil sich beim Durcharbeiten schlechter Gefühle alte Wunden und Verletzungen der Kindheit heilen lassen.
- Weil bei der Arbeit an den schlechten Gefühlen das Gute in uns hervorkommt und wir eigene Bedürfnisse, Träume, Ressourcen und Fähigkeiten erkennen und nutzen können.
- Weil wir durch diese Entdeckung ganz werden und deshalb besser für uns selbst und für andere sorgen können.
- Weil wir dadurch immer besser mit uns selbst einverstanden sind und Verantwortung für die Bereiche unseres Lebens übernehmen.
Übung: Entdecken Sie Ihr Inneres Kind.
- Schreiben Sie drei Eigenschaften und drei Dinge auf, die Ihnen als Kind sehr wichtig waren.
- Überlegen Sie: Gibt es sie noch oder nicht? Halten Sie fest, welche Rolle diese Eigenschaften und Dinge heute in Ihrem Leben spielen. Warum sind sie Ihnen wichtig?
- Schreiben Sie ein schönes, berührendes Erlebnis aus Ihrer Kindheit auf. Welches Gefühl weckt die Erinnerung daran in Ihnen?
Das Innere Kind heilen – mit diesen Übungen gelingt es
Das Innere Kind kann erst heilen, wenn Sie dafür bereit sind. Dazu gehört auch, unangenehme Gefühle und Erinnerungen wahrnehmen zu können. Das braucht Geduld und eine liebevolle Beziehung zum eigenen Inneren Kind.
- Werden Sie mit Ihrem Inneren Kind schöpferisch. Versuchen Sie sich zu erinnern, was Sie als Kind gern gemacht haben. Entfalten Sie diese Freude, indem Sie wieder kreativ werden und Spaß daran haben – ohne den Anspruch, etwas leisten zu müssen. So finden Sie Anregung für mehr Kreativität.
- In der Meditation können Sie mit Ihrem Inneren Kind in Kontakt kommen. Stellen Sie sich Momente Ihrer Kindheit vor, in denen Sie bestimmte Gefühle hatten und vielleicht den Beistand eines geliebten Menschen gebraucht hätten.
- Sprechen Sie als Erwachsener mit Ihrem Inneren Kind. Hören Sie auf seine Bedürfnisse, nehmen Sie es an, zeigen Sie Mitgefühl – so, wie Sie es damals gebraucht hätten.
- Fragen Sie sich, was Ihr Inneres Kind heute noch braucht. Sie können unerfüllte Bedürfnisse aus der Kindheit stillen, indem Sie leben, was Sie früher nicht durften oder nicht konnten.
- Nehmen Sie die aufkommenden Gefühle vollständig an. Versuchen Sie zu verstehen, woher sie kommen, und wehren Sie sich nicht dagegen.
Noch ein paar Übungen
Verletzungen in der Kindheit nimmt jeder Mensch anders wahr. Ein Erlebnis kann für den einen zutiefst traumatisch sein und für den anderen nicht. Deshalb sollte man über die Erfahrungen anderer Menschen niemals urteilen.
- Arbeiten Sie mit dem Verzeihen. Verzeihen Sie nicht nur sich selbst als Kind oder dem Menschen, der Ihnen wehgetan hat, sondern auch sich als Erwachsenem, der diese unangenehmen Gefühle und Erinnerungen jahrelang unterdrückt hat.
- Schreiben Sie alles auf, was Ihnen durch den Kopf geht – alles, was Sie Ihrem Inneren Kind gern sagen würden. In diesem Brief dürfen Sie sich alles von der Seele schreiben.
- Verbringen Sie Zeit allein mit sich, ziehen Sie sich bewusst zurück. Zeit mit uns selbst ist sehr wichtig, um zu fühlen und wahrzunehmen. Spüren Sie Ihr Inneres Kind und versuchen Sie zu verstehen, was es Ihnen sagen will.
- Nutzen Sie die Möglichkeit einer Gruppenstunde, in der mehrere Menschen zusammenkommen und einen Teil ihrer Geschichte miteinander teilen. Hier finden Sie Gleichgesinnte und können einander stützen. Im Klub „Freuds Erbe“ ist das möglich.
Was Ihnen die Heilung des Inneren Kindes bringt
Die Arbeit mit dem Inneren Kind ist ein Konzept aus der Psychologie und geht auf unterdrückte Gefühle, Emotionen und Erinnerungen aus der Kindheit zurück.
- Diese unterdrückten, unverarbeiteten Erfahrungen können unsere Lebensqualität erheblich einschränken. Sie können uns sogar krank machen und uns daran hindern, im Leben voranzukommen. Die Schattenarbeit kann helfen, ungewollte Anteile der Persönlichkeit zu verarbeiten.
- Glaubenssätze, innere Blockaden und einschränkende Verhaltensmuster gehören zum ungeheilten Inneren Kind.
- Kontrolle, Abhängigkeit, Macht, Anerkennung, Harmoniebedürfnis, Bindung, Hilflosigkeit und viele andere Verhaltensweisen sind Hinweise darauf, dass das Innere Kind Heilung braucht.
Nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Inneren Kind auf
Was du als Kind geliebt hast, bleibt bis ins hohe Alter in deinem Herzen.
Khalil Gibran
Es sind vor allem die Erfahrungen der ersten sieben Lebensjahre, die entscheiden, welchen Kurs unser Leben nimmt, zu welcher einzigartigen Persönlichkeit wir heranwachsen, wer wir sein werden und wer wir heute, in diesem Augenblick, sind. Es sind die inneren Bilder, die Denk- und Verhaltensweisen und die Grundstimmungen der frühen Kindheit, die wir in uns tragen, die uns geformt haben und die heute unser Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmen. Deshalb ist es so wichtig, sich an das Kind zu erinnern, das wir einmal waren, und mit ihm in Verbindung zu bleiben. Es lebt die ganze Zeit in uns, und alles, was wir erlebt haben, spielt in unserem Leben eine Rolle. Besonders dann, wenn uns etwas stark berührt und einen Widerhall gefunden hat. Das heißt: Alles, was mich „trifft“, „betrifft mich auch“ (Robert Betz).
Die Gegenwart ist immer eine Wiederholung der Vergangenheit. Der Blick zurück eröffnet oft eine Einsicht in unser Leben, die uns auf wichtige Lebensthemen hinweisen und Veränderungsprozesse anstoßen kann. Es gibt also noch viele Fragen, auf die wir in unserem Leben eine Antwort suchen. Wenn wir bereit und mutig genug sind, über uns nachzudenken, uns des eigenen Kindes in uns zu erinnern, Brücken zu ihm zu bauen und es kennenzulernen, gibt uns das die wunderbare Möglichkeit, uns von alten, hinderlichen Verhaltens- und Denkmustern zu verabschieden und Neues offen anzunehmen.
Bestätigt wird das durch wissenschaftliche Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie, der Bindungsforschung und der Neurobiologie. Der Hirnforscher Gerald Hüther beschreibt unser Gehirn als „sozial-emotionales Konstrukt“ und hält fest, dass alles, was wir fühlen, wahrnehmen, denken und tun, eng mit den Bildern, Erfahrungen und Gedanken verbunden ist, die wir seit unserer Kindheit in uns tragen – und die immer dann neu belebt werden, wenn wir hier und jetzt bewusst oder unbewusst an sie erinnert werden. Dann finden all unsere Sorgen, Ängste, unsere Traurigkeit und natürlich auch unsere Lebenserfahrung voller Kummer, Freude und Liebe ihren Ausdruck. Erfüllte und unerfüllte Bedürfnisse ebenso wie erwünschte und unerwünschte Gefühle, die uns plötzlich tief berühren und etwas in uns auslösen. (Hüther, Gerald; Aarts, Maria: Beziehung wirkt Wunder – Was Kinder und Jugendliche zum Aufwachsen brauchen).







