Eis und Flamme. Kennenlerngeschichte Nr. 07

Eis und Flamme. Kennenlerngeschichte Nr. 07

Vor langer Zeit, als wir gerade erst anfingen, Persönlichkeitstypen und ihre Beziehungen zueinander zu erforschen, stellten wir uns die Frage: Was können einander eigentlich Typen geben, die theoretisch zusammenpassen? Zwei aufbrausende Menschen zum Beispiel, die auf den ersten Blick unmöglich miteinander auskommen können, haben womöglich viel mehr gemeinsam, als man sich vorstellen mag. Bei diesem Thema fielen mir aus irgendeinem Grund Rita und Ljolik ein. Sie waren genau so ein Beispiel: Aus Sicht der Alltagsvernunft geschah das Unglaubliche, eine Verbindung von Eis und Flamme – und doch war sie gut erklärbar, wenn man sich in der Psychologie auskennt.

Hintergrund: Die Geschichten werden auf Grundlage der Rückmeldungen und mit Einverständnis der Klientinnen und Klienten veröffentlicht. Die Namen wurden bewusst geändert. Am Ende finden Sie den fachlichen Kommentar mit der Analyse dieser Beziehung.

Direkt zum fachlichen Kommentar

Ljolik wusste allen Ernstes nicht, mit welchem Körperteil seine Eltern gedacht hatten, als sie ihm den Namen Lawrenti gaben – dafür wussten alle anderen ganz genau, mit welchem Körperteil Ljolik selbst für gewöhnlich dachte. Von seinem ganzen Auftreten her erinnerte er an einen begeisterten Welpen, der mit dem Schwanz wedelt und statt Pfoten Sprungfedern hat: Jede beliebige Initiative nahm er mit Hurra auf, preschte vor, feuerte die anderen an, damit sie nicht zurückblieben und ja nicht das große Schauspiel verpassten – nämlich ihn selbst, wie er die Sache an sich ausprobierte; und dann stürzte er sich kopfüber in den Strudel neuer Emotionen. Er war ein auffälliger, ewig junger Bursche mit von Natur aus kurzem flachsblondem Haar, mit Piercings in den Ohren und in der Zunge, mit vollkommen fulminanten Akzenten in der Kleidung – etwa einem Hogwarts-Schal zur Tiroler Lederhose und modisch roten Turnschuhen – und mit einer Menge Geschichten über seine Liebesabenteuer. Sein Auftauchen in einer Runde blieb nie unbemerkt: Er schrie, hämmerte auf den Tisch, fiel vom Sessel und zerschlug beinahe Teller an seinem eigenen Kopf.

freud--images_articles_ljod-i-plamya-istoriya-znakomstva_b2ap3_large_03_man_v02.webp

Am liebsten hätte ich ihm ein Bus-Schild aufgeklebt: „Ausschwenken nach links und rechts 1 Meter“, denn alles, was sich in diesem Gefahrenbereich befand, war so gut wie verloren. Ljolik selbst blieb dabei wie durch ein Wunder jedes Mal unversehrt – worüber sogleich eine Heldensaga gedichtet oder ein Lied zum Mitsingen an der Gitarre verfasst wurde.

Top Gun (4/8) Movie CLIP - Buzzing the Tower (1986) HD

Die ewige Jugend und der Lebensbrunnen hätten wohl weiter so gesprudelt, wäre nicht Rita in unsere Runde geraten. Früher war Rita öfter mit uns unterwegs, in letzter Zeit aber interessierte sie sich für anderes, stürzte sich auf ihre Karriere und änderte ihr Auftreten – und sicherheitshalber gleich auch ihren Bekanntenkreis. Jetzt war sie eine stilvolle dunkelhaarige Frau in modischer Garderobe, teuren Schuhen und mit perfekter Frisur. Bei ihrem Anblick kam einem nur ein Wort in den Sinn: umwerfend. Rita wusste genau, was sie vom Leben wollte, und genierte sich nicht, es sich mit allen verfügbaren Mitteln zu nehmen. Der Blick einer Löwin, die Gabe, jedem grob, aber klar seinen Platz zu erklären, das Gefühl eigener Überlegenheit und die Kunst, jeden Augenblick auszukosten – all das erhob sie über uns gewöhnliche Sterbliche.

freud--images_articles_ljod-i-plamya-istoriya-znakomstva_b2ap3_large_02_woman_v02.webp

Über solche Menschen sagt man übrigens manchmal auch: „die schluckt dich und verschluckt sich nicht einmal daran“. Als Ljolik beim Anblick Ritas deshalb mit tiefer Stimme „Mama!“ sagte, sich ans Herz griff und sie voller Bewunderung anzustarren begann, erklärten ihm einige allen Ernstes, diese Nummer sei ihm zu groß und überhaupt eine aussichtslose Sache. Aber wann hätte ihn je der gesunde Menschenverstand aufgehalten?

Top Gun - You've Lost That Loving Feeling

Anfangs nahm Rita Ljolik wie ein lästiges Krabbeltier wahr, an dem sie sich nicht einmal die Hände schmutzig machen wollte. Aber Ljolik war es nicht gewohnt, ignoriert zu werden. Er ließ die ganze Wucht seines Charmes, seinen ganzen Humor und seinen ganzen Ansturm auf Rita niedergehen. Er streute Komplimente, lachte, bewunderte, staunte, redete ohne Unterlass. Er redete sich immer mehr in Fahrt, um dieses Eis zu schmelzen, er rannte mit dem Kopf gegen Panzerglas – und in diesem Glas zeigten sich die ersten Risse. Rita wurde unruhig. An einen so ungenierten Ansturm war sie nicht gewöhnt. Und Ljolik wäre nicht Ljolik, wenn er nicht auch daraus ein Theater gemacht hätte.

- Margarita, du Göttliche, du Diva, du Femme fatale!!! – heulte Ljolik.

- Spinnst du, Welpe! – stellte Rita lakonisch fest.

- Ja, aus Liebe doch! – parierte Lawrenti unerschütterlich und ging sogleich weiter in die Offensive: – so eine prächtige Frau habe ich noch nie gesehen! Ich bin bereit, die Erde zu küssen, über die du gegangen bist, und den Sessel, auf dem du gesessen hast! Ich werde nie wieder jemanden lieben können! Wie soll ich jetzt leben?! Wie kann man überhaupt leben, wenn man weiß, dass die geliebte Frau einen nicht ernst nimmt???

- So ein verdammter Angeber! – brummte Rita, aber schon nicht mehr so gereizt.

- Was soll ich tun, sag es mir! Wie soll ich dir beweisen, dass ich es ernst meine?! – fragte Ljolik pathetisch und glaubte aufrichtig an das, was er sagte.

Schließlich hielt Rita es nicht mehr aus. Sie riss Tasche und Mantel an sich und stürmte zum Kellner, um ihre Bestellung zu bezahlen. Ljolik sprang hinterher und hinderte sie mit einer schönen Geste daran, die Geldbörse aus der Tasche zu ziehen.

Top gun Tom Cruise-сцена в лифте

– Ich kann nicht zulassen, dass eine so prächtige Frau in meiner Gegenwart für sich selbst bezahlt! Ich übernehme das!

Und er bezahlte tatsächlich, vor den Augen aller verblüfften Zuschauer. Und dann stürmte er los, um Rita einzuholen, die die Gelegenheit zum Entwischen genutzt hatte. Wir aber blieben mit heruntergeklappten Kinnladen sitzen und verdauten das Gesehene.

Was Rita und Ljolik gemeinsam hatten, war die Zielstrebigkeit. Beide ertrugen keine Absagen und waren bereit, bis zum Ende zu gehen. Und dann noch einmal und wieder von vorn. Früher oder später wurde Ljoliks Ansturm doch gewürdigt. Nicht beim ersten Mal, nicht beim zweiten und nicht beim dritten. Zuerst misstrauisch, mit der Bereitschaft, scharf zu schießen. Dann mit einem sorgfältig sogar vor sich selbst verborgenen Triumph.

Rita war zu selten dabei, um von Ljoliks Liebesabenteuern zu wissen. Ljolik kannte Rita zu schlecht, um heil davonzukommen, falls er etwas falsch machen sollte. Aber … Am Ende war das alles nicht wichtig.

Es geschah das Undenkbare: Sie fanden eine gemeinsame Sprache. Ljolik wuchs vor unseren Augen, wurde zu einem selbstsicheren und zielstrebigen Lawrenti, der wusste, was er vom Leben wollte, und stolz Arm in Arm mit Margarita einherging, ohne sich noch mit Hogwarts-Schals abzugeben (die roten Turnschuhe blieben – immerhin etwas). Rita wiederum wurde merklich weicher und weiblicher, denn genau so sah sie ihr heiß geliebter Lawrenti. Für viele war diese Bindung unverständlich, aber sie hielt – zumindest so lange, bis die beiden endgültig aufhörten, in unserer Runde aufzutauchen.

Berlin - Take My Breathe Away theme from Top Gun with Lyrics

Rita war zu selten dabei, um von Ljoliks Liebesabenteuern zu wissen. Ljolik kannte Rita zu schlecht, um heil davonzukommen, falls er etwas falsch machen sollte. Aber … Am Ende war das alles nicht wichtig.

Es geschah das Undenkbare: Sie fanden eine gemeinsame Sprache. Ljolik wuchs vor unseren Augen, wurde zu einem selbstsicheren und zielstrebigen Lawrenti, der wusste, was er vom Leben wollte, und stolz Arm in Arm mit Margarita einherging, ohne sich noch mit Hogwarts-Schals abzugeben (die roten Turnschuhe blieben – immerhin etwas). Rita wiederum wurde merklich weicher und weiblicher, denn genau so sah sie ihr heiß geliebter Lawrenti. Für viele war diese Bindung unverständlich, aber sie hielt – zumindest so lange, bis die beiden endgültig aufhörten, in unserer Runde aufzutauchen.

Jemand erzählte, Lawrenti habe endlich eine ordentliche Arbeit gefunden und steige in einem großen Konzern rasch auf. Er stellte Produkte auf Präsentationen vor und machte daraus regelrechte Shows, die ihm diesmal ein ansehnliches Einkommen einbrachten. Rita stand ihm nicht nach: Sie erreichte in ihrem Feld immer neue Höhen und genoss es sichtlich, wenn sich die Gelegenheit ergab, sich bei einer Firmenfeier ganz weiblich in seinen Arm zu hängen.

Fachlicher Kommentar

Ritas Persönlichkeitstyp ist psychopathisch. Das sind Menschen, die auf jede erdenkliche Weise ihr Recht zu sein betonen. Sie genießen das Leben in allen seinen Erscheinungsformen, und zugleich zieht sich durch alles ihr Streben zu kontrollieren und zu herrschen. Sie stellen ziemlich hohe Anforderungen an sich selbst und genau dieselben an ihre Umgebung. Sie sind sehr geschickt und kommen beruflich leicht voran. Häufig haben Frauen dieses Typs Schwierigkeiten mit der weiblichen Selbstidentifikation.

mehr über den psychopathischen Persönlichkeitstyp lesen

Ljolik ist der hysteroide Persönlichkeitstyp. Er gehört zu den auffälligen, bunten Menschen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Denn sein inneres Bedürfnis ist es, sich mit Aufmerksamkeit zu sättigen. Genau deshalb steckt Ljolik seine Umgebung mit Leben und Emotionen an – die Rückmeldung aus dem „von ihm erschaffenen Universum“ braucht er ja so sehr. Sein ganzes Leben ist ein Spiel, ein Ein-Personen-Theater, wobei weniger das Genre zählt als das Publikum.

mehr über den hysteroiden Persönlichkeitstyp erfahren

Genau hier kommen Ritas Eigenschaften zum Tragen: Zielstrebigkeit, Fokussierung und ein gewisses Mentorentum, wie sie ihrem Persönlichkeitstyp eigen sind. Sie lenkt und korrigiert Ljoliks Spiel so, dass er sein Maximum erreicht, und schenkt ihm dabei ihre Aufmerksamkeit – sie „erschafft“ ihn faktisch. Im Gegenzug bekommt sie von ihm Abwechslung, eine emotionale Färbung ihrer Wirklichkeit und einen Reichtum an Eindrücken. An seiner Seite bekommt das Leben, das ohnehin aus Rita heraussprudelt, neue Geschmäcker und Schattierungen. Dazu kommt: Ljolik hat eine sehr ausgeprägte Femininität und Emotionalität, und dass er gerade diese Eigenschaften auf Rita projiziert, lässt sie sich weiblicher und schöner fühlen – ohne dass sie dafür ihre charakteristische Durchsetzungskraft ablegen oder sich selbst verbiegen müsste.

Das ist eine partnerschaftliche Ehe nach männlichem Muster. Beide Partner werden Karriere machen und sich immer aktiv in der Gesellschaft verwirklichen, und beide werden lernen müssen, Kompromisse zu schließen und sich zu einigen, um die Beziehung zu erhalten. Außerdem ist es eine überaus emotionale Verbindung, in der auf laute Streitigkeiten leidenschaftliche Versöhnungen folgen, nach denen ihre Partnerschaft nur noch fester wird. Und so wird es bleiben, bis … Aber davon sprechen wir jetzt nicht. Genau dafür gibt es den Klub „Kennenlernen nach Freud“ für ernsthafte Beziehungen. Damit es kein „bis …“ gibt.

Möchten Sie wissen, mit wem Sie harmonisch leben können? Füllen Sie das Formular aus – wir rufen Sie an und besprechen die Einzelheiten.