Es gibt da so eine Sache im Leben: die siebenjährigen Entwicklungszyklen. Sieben Jahre lang entwickelst du dich vor dich hin, und dann – zack – sieht die Welt ringsum plötzlich anders aus. Die Psychologie erklärt das mit der Entwicklung unserer Psyche. Am einfachsten lässt es sich an Kindern zeigen. In den ersten sechs Lebensjahren sind ihre Welt und die einzigen „lebendigen“ Menschen um sie herum ihre Familie. Selbst die Kinder im Kindergarten gehören eher in die Kategorie Spielzeug. Schön, dass es sie gibt, aber es gibt auch ohne sie genug zu tun.
Und mit etwa sieben – bumm – wachsen Kinder in die Erkenntnis hinein, dass die Welt reicher ist: Neben der Familie gibt es auch Gleichaltrige, und die haben ebenfalls Einfluss. Die nächsten sieben Jahre lernen Kinder, mit diesen Gleichaltrigen zusammenzuleben, und das ist auch nicht einfach. Die Familie lässt sich noch eher auf etwas ein, dort gibt es eine einfache Dynamik und Hierarchie. Hier aber muss man verhandeln, ernsthafte Kompromisse eingehen, Bündnisse schließen, um die Führung kämpfen … Kurz, alles ist viel ernster. Und etwa ab vierzehn ist es Zeit, in dieser noch komplizierter gewordenen Gesellschaft den eigenen Platz und die eigenen Leute zu finden, sich zugleich von deren Meinung unabhängig zu machen und jene loszuwerden, die einem nicht guttun oder schaden … Und dazu kommen ja noch die erste Liebe, die ersten Versuche, sich von der eigenen Familie abzulösen, die Rebellion …

Die Psychologie sagt, das alles schaffen die meisten von uns mehr oder weniger. Interessant wird es ab 21. Und für viele auch strittig. Denn dieser Zyklus ist bei uns mit der Familie verbunden – genauer: mit der Gründung des eigenen Stammes und … mit Nachwuchs. Bumm, krach, zack! Welche Kinder mit 21?! Das ist doch vorvoriges Jahrhundert, Patriarchat, Konservative und „Frömmler“!
Schon, schon – aber Jahrtausende lang wurden Familien genau in diesem Zeitraum gegründet. Auch die Physiologie ist in dieser Zeit für die Fortpflanzung am günstigsten, für die Gesundheit hat es weniger Folgen, die Erholung geht schneller … Die Erwartungen der Gesellschaft ebenso. Mädchen wurden natürlich auch früher verheiratet, und Kinder kamen auch früher … Aber erstens wurde die Familie als „mein Stamm“ doch erst dann betrachtet, wenn die Menschen dafür bereit waren, und zweitens sprechen wir hier von einer aktiveren Entwicklung, die Frauen in vielen Gemeinschaften verwehrt war. Und gerade diese Tatsache – dass das Alter von 21 bis 28 der Gründung des eigenen Stammes zugedacht war und niemand weiß, wie viele Generationen es noch braucht, bis sich Gehirn und Körper auf unsere neuen Realitäten umstellen – ist besonders interessant. Denn heutige gebildete Menschen nutzen dieses Alter für Ausbildung und beruflichen Aufstieg. Und es ergibt sich eine sehr interessante Kombination: Die Gesellschaft verlangt von uns Selbstverwirklichung, aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und schnelle Karriere, während unser Bewusstsein dafür noch gar nicht herangereift ist. All das Genannte gehört nämlich zur nächsten Etappe, zum Alter von 29 bis 35. Was kommt also vorher heraus? Genau jenes berühmte „Büro-Plankton“ und die seltenen, dafür umso auffälligeren zielstrebigen jungen Fachkräfte, bei denen die Parolen tatsächlich am stärksten ankommen, im großen Unternehmen seien alle eine große, glückliche Familie. Und genau für diese Familie schuften sie bis spät in die Nacht, und mit genau dieser Familie trinken sie freitags Bier in der Bar.

Was passiert zwischen 29 und 35? Nach der Theorie der siebenjährigen Entwicklungszyklen ist es in dieser Zeit an uns, von der Familie enttäuscht zu werden. Und parallel dazu, wie oben geschrieben, uns in Karriere, Selbstverwirklichung, Auftritt in der Gesellschaft und so weiter zu stürzen. Unser Kopf arbeitet noch besser als zuvor. Es kommen Ehrgeiz, Motivation, Selbstständigkeit; wir sind bereit, immer verantwortungsvollere Projekte zu übernehmen. Wofür setzen wir diesen Kopf ein? Sehr viele, die ich aus der großen Bürofamilie kenne, gründen in dieser Zeit ihre eigenen Familien. Und Achtung: Sie betrachten das tatsächlich als Projekt. Daher wohl auch die Mode, das beste aller Elternteile zu sein (Selbstverwirklichung halt), und das wilde Herumhetzen zwischen Frühförderkursen, Nachmittagsbetreuung, Kursen, Zusatzstunden und sonstigem Klumpert (durchgestrichen) nützlichen und fördernden Aktivitäten. Denn die ganze Wucht des Ehrgeizes lässt sich ins Projekt „Familie“ stecken – in der Bürofamilie sind wir ja, wie es sich gehört, mit dreißig „enttäuscht“, jedenfalls lassen wir uns dort nicht mehr so leicht dazu bringen, bloß für ein Lob zu schuften.

Und was ist mit 35? Genau jene Selbstverwirklichung, wenn es Zeit wird, sich auch von der Gesellschaft abzulösen, von dem enttäuscht zu werden, woran wir so hartnäckig gearbeitet haben, und das zumindest weit gelassener zu nehmen. Und davor liegen noch mehr als ein Zyklus, mehr als eine Krise und mehr als eine weitere Bewusstseinserweiterung – ganz ohne begleitende Substanzen. Aber davon in einem anderen Artikel.
Ich bin nicht bereit zu sagen, ob das alles gut oder schlecht ist. Es ist eine Beschreibung und einer der Versuche, neue Realitäten und neue Tendenzen zu erklären. Nicht bei allen, natürlich, aber mir erscheint es so. Dabei ist längst nicht gesagt, dass das alles schlecht ist. Ja, bei manchen bleibt der eigene Stamm eben die Arbeit. Ja, manche reifen erst nach vierzig zu den psychologischen 21 heran, suchen sich junge Frauen und gründen ihren Stamm noch einmal neu. Und ja, bewussteres Elternsein ist wahrscheinlich gar keine schlechte Idee – wenn man es nicht zur Schau stellt, sondern die Interessen des Kindes im Blick behält. Vielleicht handelt alles, wovon wir singen, ohnehin nur von uns selbst, und ich beschreibe hier bloß mein eigenes Durchlaufen dieser Zyklen. Vielleicht ist das grundsätzlich bei allem so. Und dennoch: Das Durchlaufen der Alterskrisen habe nicht ich bemerkt, sondern viele Fachleute aus Psychologie, Philosophie und Esoterik. Und wie es anderen geht, weiß ich nicht – mich interessiert immer, wie sich das in unserer sich rasch verändernden Welt zeigt.
Und zum Schluss: Woran merken wir diese Krisen? Ich persönlich daran, dass mir bewusst wird: Hier gibt es für mich nichts mehr zu tun. Daran ist nichts Tragisches, was wir sonst unter einer Krise verstehen. Der Himmel stürzt nicht ein, der Boden verschwindet nicht unter den Füßen. Kurz: Dramatik ist möglich, aber keineswegs zwingend. Ich persönlich weiß einfach klar: Das war’s, die Etappe ist zu Ende, es ist Zeit weiterzugehen. Und wie ist das bei Ihnen?







