In einem Bericht der italienischen Zeitschrift „Chi“ beschreibt Elisabetta Canalis ihre Beziehung zu ihrem Ex-Freund George Clooney als „Vater-Tochter-Beziehung“.Über Heirat oder Kinder wurde deshalb nie gesprochen.Ob die Beziehung zwischen dem 30-jährigen Model und dem 20-jährigen Schauspieler am Altersunterschied zerbrochen ist, bleibt offen.Die Probleme, von denen Canalis berichtet, sind für die Gruppe junger Frauen und älterer Männer allerdings nicht untypisch.
Doch was zieht Frauen an Männern mit grauen Schläfen an? Liebe, Vertrauen und Sicherheit – das ist es, was junge Frauen bei deutlich älteren Männern suchen.Diese Konstruktion funktioniert wegen des Altersunterschieds allerdings nicht immer.
Sie mögen ältere Männer? Ist das ein Vaterkomplex?
Dass reife Männer sich oft zu jungen Frauen hingezogen fühlen, ist nichts Neues.Prominente wie der Politiker Franz Müntefering (41 Jahre Altersunterschied zu seiner Frau Michelle) oder der Schauspieler Til Schweiger (23 Jahre zwischen ihm und seiner Freundin Francesca Dutton) haben das bereits anschaulich vorgeführt.Im Kopf entstehen schnell Zuschreibungen und Urteile, denn: Er ist alt und reich, sie ist jung und sexy.Zusammen eine wunderbar bequeme Partnerschaft. Andererseits weckt die Tatsache, dass junge Frauen ganz ohne Scherz reife Männer im Alter ihrer Väter und Großväter begehren, ebenso Zweifel wie die Vorstellung, ältere Männer könnten ernsthaft glauben, mit einer deutlich jüngeren Partnerin eine zweite Jugend zu erleben.Und doch sind es nicht nur Prominente, die diesem Muster folgen.Was ist also so anziehend am Altersunterschied?Und vor allem: Taugen solche Beziehungen für eine lange gemeinsame Zukunft?
Paare mit großem Altersunterschied haben es nicht immer leicht.Freunde und Verwandte stehen der Beziehung oft kritisch gegenüber und begegnen dem Paar mit den typischen Klischees: Er sucht eine junge Schönheit für sein Ego, sie sucht materielle Sicherheit und leidet an einem Vaterkomplex.Tatsächlich hält solche Paare nicht nur die Liebe zusammen.Fachleute wissen: Frauen, die sich zu einem viel älteren Mann hingezogen fühlen, haben in der Regel ein starkes Sicherheitsbedürfnis, oft hängt das mit einer ungelösten Vaterbeziehung zusammen.Besonders betroffen sind Frauen, deren Väter für sie schwer erreichbar waren oder von denen sie getrennt lebten.Solche Frauen sehen in gleichaltrigen Männern meist keine Männer, sondern eher Jungen, die man nicht ernst nehmen sollte – so beschreiben Fachleute dieses Phänomen.
Weniger moralische Verurteilung
Der Kölner Psychologe Ulrich Schmitz besteht darauf, moralische Verurteilung derzeit vollständig auszuklammern. Es gibt natürlich viele verschiedene Arten von „Spielen“, um seinen Platz in der menschlichen Gesellschaft zu finden.
„Dazu gehört auch die Anziehung zwischen Menschen mit sehr großem Altersunterschied“, sagt Schmitz. Für ihn wäre es anmaßend, „alles zu pathologisieren, was für das Auge zunächst ungewohnt ist“. Wenn zwei Menschen eine gleichwertige Beziehung führen, und sei sie nur sexuell, in der niemand unfair ausgenutzt wird, dann ist das eben eine der Variationsformen unseres Lebens. Aber ungewöhnlich ist es natürlich schon.“
Pathologisch werden Beziehungen zwischen Partnern mit großem Altersunterschied nach Ansicht des Psychologen Schmitz dann, wenn die Beteiligten es mit den „Spielen“ übertreiben: „Wenn junge Frauen sich noch kleiner machen und die Männer ihrerseits dominieren, reif und erfahren auftreten, kommt eine Wertung hinzu, die aus meiner Sicht inzestuöse Züge trägt“. Solche Verhaltensmuster erinnerten zu stark an eine Vater-Tochter-Beziehung.
In Partnerschaften mit großem Altersunterschied stellen sich solche Formen keineswegs automatisch ein.
Das Aussehen spielt eine große Rolle
Auch der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger sieht keinen Grund, bei einer Verbindung zwischen einer jungen Frau und einem Mann, der älter sein könnte als ihr Vater, sofort Alarm zu schlagen: „Wir haben heute eine große Toleranz gegenüber allen möglichen Beziehungsformen.“
Ganz verbergen kann Krüger allerdings nicht, dass ihn der Gedanke an eine rein sexuelle Anziehung zwischen einer 20-Jährigen und einem 60-Jährigen irritiert. „Mit 20 spielt das Aussehen natürlich eine große Rolle. Für junge Frauen muss ein attraktiver Mann in der Regel schlank und kräftig sein“, stellt Krüger fest. Dass Frauen sich dann für einen viel älteren Mann entscheiden, der schlicht die Spuren des Lebens trägt, falle aus dem gewohnten Muster, sagt der Psychotherapeut: „Die Frau blüht auf, der alte Mann sieht das Ende des Lebens. Darin liegt die große Gefahr, sich selbst fremd zu werden und fremd zu bleiben.“ Also keine Chance auf ein Happy End? Zumindest dann nicht, wenn allein die körperliche Liebe im Vordergrund steht.
Junge Männer gelten oft als zu kindisch
Weit verständlicher als eine überwiegend sexuelle Beziehung finden beide Experten eine Partnerschaft, die auf Liebe, Vertrauen und Sicherheit beruht.Ältere Männer zeichnet häufig ein Gleichgewicht aus Selbstwertgefühl, Feinsinn und Ansehen aus.Das kommt bei jungen Frauen offenbar an.Zumal junge Männer aus psychologischer Sicht oft eitel, egozentrisch und eifersüchtig sind – Züge, die gleichaltrige Frauen häufig als kindisch empfinden.
Ein großer Altersunterschied funktioniert meist gut, solange der ältere Mann gesund und kräftig ist. Krankheit und der Abschied vom aktiven Arbeitsleben sind laut Krüger in der Regel der Stein des Anstoßes, an dem viele Beziehungen scheitern. Denn dann rückt in den Vordergrund, was beide Partner vorher oft verdrängt haben: Männlichkeit weicht körperlicher Schwäche, der selbstbewusste Geschäftsmann wird in Pension geschickt – und entweder langweilt er sich, oder er stürzt sich in Hobbys und Reisen, die die Partnerin nicht teilen und nicht genießen kann, weil sie noch mit Arbeit und Karriere beschäftigt ist.
So verschärfen sich die Unterschiede zwischen Jung und Alt. Beiden fällt es schwer, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Darin liegt die große Gefahr der Entfremdung. Es ist ein bisschen wie in Andreas Bouranis „Auf anderen Wegen“. Dort heißt es: „Mein Herz schlägt schneller als deins. / Sie schlagen nicht mehr wie eins.“ Doch genau darauf kommt es bei einer langfristigen Partnerschaft an, wie Forscher herausgefunden haben.
Welcher Altersunterschied ist ideal?
Krüger nennt in dieser Hinsicht zwei Grenzen: Bei einer Partnerschaft mit neun Jahren Altersunterschied steigt das Trennungsrisiko deutlich.Bei 20 Jahren Altersunterschied liegt das Trennungsrisiko bei 95 Prozent.Das bestätigt auch eine Studie zum idealen Altersunterschied der Emory University im US-Bundesstaat Atlanta: Auf Zahlen heruntergebrochen hat eine Beziehung tatsächlich die größten Chancen auf Dauer, wenn beide Liebenden gleich alt sind oder höchstens vier, maximal sieben Jahre zwischen ihnen liegen, wie die Forscher herausfanden.Das hängt stark mit der ebenso wechselhaften Lebensweise zusammen und vor allem mit der Sexualität.
„Mit der Sexualität ‚geht‘ unsere ganze Lebenserfahrung mit“, erklärt Krüger: „Und deshalb ist es gut, wenn der Mensch, mit dem ich schlafe, gleich alt ist.Hier spielt nicht nur das Körperliche eine Rolle, sondern unsere ganze Persönlichkeit – also das, was ich denke, was ich fühle, wer ich bin, wie weit ich bin.Gleichaltrige schwanken auf dieselbe Weise und teilen dieselben Unsicherheiten.Und das ist gut so, denn beide sprechen dieselbe Sprache – im Leben wie im Bett.“
Das Alter spielt eine Rolle – zumindest in der Liebe.








