Ständchen unterm Fenster. Kennenlerngeschichte Nr. 21

Ständchen unterm Fenster. Kennenlerngeschichte Nr. 21

Katja war schon in der Schule klar, dass Romantik und sie zwei Dinge sind, die nicht zusammenpassen. Dafür war Katja zu logisch, zu korrekt. All diese Miniröcke, tiefen Ausschnitte, Lippenstiftproben auf dem Mädchenklo, rosa Bommeln an den Stiften und Schmollmünder – das war nichts für sie. Sie betrachtete das wie eine Forscherin ein neues Käferchen, ohne auch nur daran zu denken, es selbst zu versuchen. In der Schule gehört sich Lernen und kein Augenaufschlag!

Hintergrund: Die Geschichten werden auf Grundlage der Rückmeldungen und mit Einverständnis der Klientinnen und Klienten veröffentlicht. Die Namen wurden bewusst geändert. Am Ende finden Sie den fachlichen Kommentar mit der Analyse dieser Beziehung.

Direkt zum fachlichen Kommentar

Nach der Schule mit Goldmedaille und der Universität mit Auszeichnung tauchte Katja fast unbemerkt kopfüber in die Arbeit als Richterassistentin am Wirtschaftsgericht ein, und als sie für einen Moment wieder auftauchte, stellte sie fest, dass alle Freundinnen und Kolleginnen längst, wie es sich gehört, verheiratet waren und schon das zweite oder dritte Kind planten. Und genau dieses „wie es sich gehört“ biss besonders schmerzhaft. Nach dem „Wann heiratest du endlich?“ fragte gefühlt jeder. Die Kolleginnen unterhielten sich fröhlich darüber, wo man Kindersachen im Ausverkauf bekommt, womit man Kaffeeflecken aus dem Hemd des Mannes bringt und wer zum Jahrestag was geschenkt bekommen hat, gaben mit überzuckerten Fotos aus dem Familienurlaub an und pflasterten ihre Bildschirme mit Kussbildern samt Ehemann zu. Katja kam sich vor wie eine Außerirdische, wie ein Fremdkörper: schon zu alt fürs Feiern, aber noch zu jung für die Familienidylle. Es schien, als sähen alle Kolleginnen beim Blick auf die Uhr, wie lange es noch bis zum Feierabend ist – und Katja, wie lange es noch bis zum Ende der fruchtbaren Jahre ist.

Und was stimmte mit den Männern nicht? Da war sie doch, das ideale Mädchen: guter Job, hübsch, nicht dumm, gesund (sie hatte sogar zweihundert Ovulationstests im Internet bestellt, um sicherzugehen, dass ihre Eizelle jeden Monat pünktlich wie ein Uhrwerk springt), freundlich, häuslich, keine Zicke – und trotzdem wählten die Männer ausschließlich junge Dinger mit durch Stöckelschuhe verlängerten Beinen und einem Gepäck an Komplexen und Problemen, das noch voluminöser war als ihre mit Sicherheit operierten Brüste.

Frau des kompulsiven Typs
Frau des kompulsiven Typs

– Mach dir doch nicht so einen Kopf, jedem das Seine, vielleicht brauchst du das alles gar nicht … – beruhigte sie die Praktikantin Lisa. Lisa war jünger und dreimal so umfangreich wie Katja, dafür der gutmütigste und fürsorglichste Mensch der Welt. Bei ihrem Umfang hatte Kopfzerbrechen wirklich keinen Sinn.

Aber Katja konnte gar nicht anders, als sich einen Kopf zu machen. Jetzt war die Zeit zu heiraten und eine Familie zu gründen. Das war richtig und logisch. Also entwarf sie einen detaillierten Plan zur Zielerreichung, legte Fristen und „Milestones“ fest, wie es neuerdings modern hieß, druckte mehrere Kopien aus, laminierte sie und hängte sie zu Hause wie im Büro auf. Die erste Fassung des Plans bestand aus fünf großen Punkten:

  1. Sportliche Form: Po trainieren und Liegestütze, damit die Brust steht.
  2. Sich an Stöckelschuhe und Röcke gewöhnen. Ein Monat ohne Hose, um die Weiblichkeit zu erarbeiten.
  3. Dating-Portale – mindestens eine Stunde am Tag!!!!!
  4. Kein Freitag ohne Bar oder Disco!!!!!
  5. Männer nicht mit Intellekt erdrücken!!!!

Im Lauf der Woche überschütteten die Kolleginnen Katja mit Vorschlägen für weitere Punkte, doch die waren so unlogisch, dass Katja beschloss, es bei dem zu belassen, was sie hatte. Den meisten wäre so ein Plan absurd vorgekommen, aber Katja war fest entschlossen, jeden Punkt bis ins kleinste Detail zu erfüllen. Und schon nach einer Woche brachte Punkt eins das erste Ergebnis.

– Entschuldigen Sie, ich habe in meinem Leben noch nie jemanden mit so grimmiger Entschlossenheit Liegestütze machen sehen! – sagte eine recht angenehme Stimme irgendwo von oben.

Katja hob den Kopf und sah einen ziemlich durchtrainierten, sympathischen Mann, der sie aufmerksam ansah. Dabei lag in seinem Blick weder Aggression noch Dominanz – nur aufrichtige Bewunderung.

– Ich … – Katja geriet ins Stocken. Man kann ja schlecht einem wildfremden Menschen erzählen, dass man Ziel, Aufgabe und Frist hat, die Brustmuskulatur aufzubauen, um ganz sicher unter die Haube zu kommen!

– Ach, genieren Sie sich nicht. Ich freue mich sogar, dass Sie so sind. Die meisten kommen nur her, um sich einen Mann zu angeln. Trainieren zum Schein und flirten auf Teufel komm raus! Ich arbeite hier als Trainer, ich weiß, wovon ich rede. Übrigens: Ich heiße Sergej.

– Katja …

– Wunderbar! Katja, darf ich Sie nach dem Training auf ein Wasser mit Zitrone und Minze einladen? Kaffee ist nach dem Fitnessstudio nämlich nicht besonders gesund.

– Äh … – absagen konnte Katja einfach nicht. So unaufdringlich sagte er das und sah sie dabei so hoffnungsvoll an.

Nach dem vorschriftsmäßigen Wasser mit Zitrone und Minze und einem kurzen Gespräch versuchte Katja redlich, sich davonzustehlen, doch daraus wurde nichts. Sergej schaffte es irgendwie, ihre Ausflüchte nicht nur zu durchschauen, sondern sie auch noch mit so kindlicher Unbefangenheit beim Namen zu nennen, dass man ihm nichts vorwerfen konnte.

– Ich weiß, ein Fitnesstrainer ist nicht ganz das, wonach die meisten Frauen suchen. Sie wollen coole Geschäftsmänner, die wissen, wie man sich alles vom Leben nimmt. Ich verstehe sie sogar. Aber nicht alle Menschen sind so. Ich habe eigentlich auch etwas zu bieten. Ich bin doch ein Mann! Und den Hof machen kann ich auch! Sag selbst: Mache ich dir etwa schlecht den Hof?

Mann des epileptoiden Typs
Mann des epileptoiden Typs

– Ich … Schwer zu sagen …

– Ach komm! Ich gebe mir seit einer halben Stunde alle Mühe, dir zu gefallen. Ist es wirklich so schlimm?

– Aber nein!

– Das heißt, ich habe eine Chance, dich auch noch zum Abendessen einzuladen? – freute sich Sergej. – Bitte, bitte, bitte, sag ja!

Und Katja konnte einfach nicht ablehnen, diesem Andrang hielt sie nicht stand. Diesem kindlichen, naiven, aufrichtigen Andrang.

Sergej erwies sich als ungewöhnlich romantisch. Er führte Katja in die verschiedensten Restaurants aus, brachte immer Blumen mit, achtete immer darauf, dass ihr Glas nicht leer blieb, und war die wahre Verkörperung eines echten Gentlemans. Vor langer Zeit hatte Katja sich einmal gefragt: Wäre sie ein Mann – wie würde sie Frauen den Hof machen? Damals hatte sie sich das ideale Verhalten eines Kavaliers ausgedacht, und nun saß die lebendige Verkörperung ihrer Fantasie vor ihr. Er bremste sie sanft, wenn sie nach der Geldbörse griff, er reichte ihr galant die Hand beim Aussteigen aus dem Bus, er wartete geduldig, bis sie ihm endlich zu vertrauen begann, und geriet jedes Mal ins Schwärmen über ihre weibliche Klugheit, ihre Sanftheit und ihre Schönheit. Ja, er war nicht der klassische Kavalier, mit dem man allen Kolleginnen und Freundinnen eins auswischen kann, aber wie er sich verhielt, wie er ihr den Hof machte, wie er sich kümmerte – das war erstaunlich, ungewöhnlich und rührend. Jedes Mal entschied Katja, dass er nicht das ist, was sie braucht, und jedes Mal konnte sie ihm nicht widerstehen.

Und dann kam es noch dicker. Man sagt, mit dem passenden Mann werde eine Frau zu einer richtigen Frau. Katja fiel es schwer, das zu glauben, doch plötzlich bemerkte sie, wie viel Freude ihr der Kauf des nächsten Sommerkleides machte, das Zubereiten des Frühstücks (auch wenn Sergej dieses Frühstück in letzter Sekunde retten musste), das Wissen, dass Serjoscha jeden Moment anrufen kann. Bald klebte Katja schüchtern die ersten Selfies an ihren Bildschirm, auf denen sie Sergej küsste. Die Kolleginnen inspizierten die Fotos eifersüchtig und … nahmen Katja in ihren Kreis der Nicht-mehr-Alleinstehenden auf.

Das war ein völlig neues Gefühl. Katja war keine Außenseiterin mehr, keine Sonderbare. Niemand bat sie mehr, fremde Arbeit fertigzumachen, weil zu Hause ja niemand auf sie wartet. Niemand zögerte mehr, sie zu geselligen Runden einzuladen, weil sie nicht länger als frei und als gefährlich für fremde Ehemänner galt. Man sah sie anders an und sprach anders mit ihr. Dazu vergötterte Sergej sie geradezu und bewunderte ihren Geschmack, ihr Äußeres, ihre Manieren, ihre Sanftheit, Weiblichkeit und Zartheit. Er nahm ihr alles aus der Hand, was sie im Haushalt tun wollte, mit der Begründung, er sei schließlich der Mann.

Video preview

Und irgendwann kam es Katja so vor, als verlöre sie sich selbst, als würde sie zu emotional, zu unlogisch. Sergej schien alles in ihrem Leben zu kontrollieren und ließ ihr nur noch die Wahl des Cocktails. Einer schwachen Frau hätte das gefallen, aber dafür hielt Katja sich nicht, und so beschloss sie, die Kontrolle selbst an sich zu nehmen.

– Heute zahle ich das Abendessen! – erklärte sie kategorisch.

– Wozu denn, ich habe dich doch eingeladen, – widersprach Sergej sanft.

– Ich will das so! Und überhaupt, wir leben im 21. Jahrhundert! Wir haben Gleichberechtigung!

– Aha, und Feminismus, und alle Männer sind übergriffig, wenn sie für eine Frau zahlen.

– Ach, sei nicht beleidigt! – Katja ahnte, dass sie den Bogen überspannt hatte. – Ich bin einfach wirklich nicht so!

– So wie ich auch nicht. Ich bin ein Mann, und es tut mir gut, wenn ich für meine geliebte Frau sorgen kann. Tut dir das etwa nicht gut?

– Doch, aber ich bin es nicht gewohnt!

– Und ich bin es nicht anders gewohnt. Ich bin doch ein Kerl!

– Ja, das wiederholst du ständig.

– Und das gefällt dir nicht?

– Ich weiß doch auch so, wer du bist …

– Dann entspann dich und mach dir darüber keinen Kopf.

– Dann bin ich aber nicht mehr ich.

Sie stritten eine Weile, Katja steigerte sich fast bis zum Schreien hinein und verteidigte hartnäckig ihre Position, und Sergej gab nach.

– Das heißt, du brauchst, dass ich nicht ich selbst bin? So kann ich auch nicht. Ruf mich an, wenn du entschieden hast, was du von einem Mann willst! – sagte er schließlich und verließ ruhig das Restaurant, nicht ohne vorher den passenden Betrag samt Trinkgeld in die Ledermappe zu legen. Und Katja war plötzlich allein.

Video preview

Das Märchen endete genauso plötzlich und unbegreiflich, wie es begonnen hatte. Und Katja hatte es geschafft, genau den „richtigen“ Menschen zu vertreiben, dessen Fotos jetzt an ihrem Bildschirm im Büro hingen. Sie versuchte, alles in Fächer zu sortieren, zu verstehen, an welchem Punkt es schiefgelaufen war, wo und wer den strategischen Fehler gemacht hatte, wer mehr im Recht war … Doch die Logik hat in Fragen der Liebe ihre Grenzen. Je länger Katja nachdachte, desto weniger verstand sie. Hätte ihr nur jemand vorher die Spielregeln erklärt, sie hätte es bestimmt hinbekommen; so aber musste sie kopfüber ins Ungewisse springen, in die völlige Abwesenheit von Regeln und Vorschriften … Und selbst der Stapel Bücher darüber, wie man einen Mann erobert, über den Sergej so lange gekichert hatte, gab für ihre konkrete Lage keine Antworten.

Eine Woche später war Katja dem Wahnsinn nahe. Sie lief mit zerzausten Haaren durch die Wohnung und wusste nicht, was sie anfangen sollte. Ihr war klar, dass auch Sergej sie verlassen hatte, und ja, sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie sich so etwas künftig vermeiden lässt. Und dann kamen die akustischen Halluzinationen.

Stell dir die ganze Welt vor, so riesig, wie sie ist,

Genau so, wie sie ist, in Wirklichkeit, ganz echt,

Mit Feldern, Vögeln, Blumen und mit Menschen drin,

Doch ohne Liebe – stell dir vor: ganz ohne Liebe.

Es gibt Ozeane, Wolken, Städte, weit und breit,

Nur von der Liebe hat noch niemand je gehört …

Autor

Das war Serjoschas Stimme, und deshalb konnte es das einfach nicht geben. Inzwischen kamen ein paar verzweifelte Gitarrenakkorde, und dann setzte der Refrain ein:

Genauso ziehen Sterne durch die blaue Nacht,

Genauso scheint am Morgen aus der Höh die Sonne,

Nur wozu ist sie da? Und wer braucht sie noch?

Die Welt, in der die Menschen einander nicht brauchen.

Genauso geht der Sommer aus, und Frost zieht ein,

Und unterm Schnee wartet die Erde auf den Frühling,

Nur ich, ich brauche sie nicht, hörst du, ich brauche sie gar nicht,

Die Welt, in der du und ich einander nicht brauchen.

Autor

Katja trat schüchtern ans Fenster. Zum Glück nur der erste Stock. Sie musste die Stirn an die Scheibe drücken und das Licht mit den Händen abschirmen, um überhaupt etwas zu sehen. Und die akustische Halluzination stieg zur optischen auf.

Stell dir die ganze Welt vor, so riesig, wie sie ist,

Genau so, wie sie ist – und dass es Liebe gibt,

Wenn sie erfüllt ist vom Atem des Frühlings,

Und ihr die ganze Zeit die buntesten Träume kommen.

Und wenn im Leben einmal etwas nicht gelingt,

Dann stell dir wieder jene Welt ganz ohne Liebe vor

Autor

Serjoscha lächelte glücklich, als er Katja sah, nickte, winkte irgendwohin und sang mit neuem Schwung den Refrain.

Genauso ziehen Sterne durch die blaue Nacht,

Genauso scheint am Morgen aus der Höh die Sonne,

Nur wozu ist sie da? Und wer braucht sie noch?

Die Welt, in der die Menschen einander nicht brauchen.

Genauso geht der Sommer aus, und Frost zieht ein,

Und unterm Schnee wartet die Erde auf den Frühling,

Nur ich, ich brauche sie nicht, hörst du, ich brauche sie gar nicht,

Die Welt, in der du und ich einander nicht brauchen.

Nur ich, ich brauche sie nicht, hörst du, ich brauche sie gar nicht,

Die Welt, in der du und ich einander nicht brauchen

Autor

Irgendwo hinter den Büschen tauchten ein paar Muskelpakete mit einer riesigen Leiter auf, die sie so an Katjas Haus stellten, dass sie knapp unter ihrem Fenster an der Wand lehnte. Sergej warf sich die Gitarre auf den Rücken und kletterte hinauf. Kurz darauf klopfte er schon an das Fenster der verdutzten Katja. Bis sie begriffen hatte, dass sie das Fenster öffnen sollte, stand unten bereits ein Polizeiauto, gerufen von einer wachsamen Oma, die aus ihrem Fenster kreischte, im Nachbarstiegenhaus werde jemand vergewaltigt und ausgeraubt. Die Polizisten, die von unten den gesamten Tatbestand vor Augen hatten, kicherten nur einträchtig.

– Jeder echte Kerl muss wenigstens einmal im Leben durch das Schlafzimmerfenster seiner Liebsten steigen! – erklärte er stolz.

– Das ist das Wohnzimmer … – wandte Katja schwach ein, doch Sergej bedeutete ihr mit einer Geste zu schweigen.

– Gegen „Liebste“ gibt es hoffentlich keine Einwände?

Und die gab es nicht.

Fachlicher Kommentar

Katja ist der kompulsive Persönlichkeitstyp. In ihrem Weltbild, in ihren Handlungen, in ihren Gedanken – in allem – stützt sie sich auf bestehende Traditionen, Kanons, Logik und Regeln (die der eigenen Familie, die der Gesellschaft). Ihr ist wichtig zu verstehen, in welchem System sie lebt, wie die Spielregeln lauten, wie man ihnen entspricht und dass alles vorhersehbar ist. Ohne einen solchen verlässlichen, stabilen Halt quält sie sich meist mit Zweifeln und mit der Schwierigkeit zu wählen, „wie es richtig ist“. Kompulsive Menschen brauchen eine Führung von außen.

Mehr über den kompulsiven Persönlichkeitstyp

Sergej ist der epileptoide Persönlichkeitstyp. Für Menschen dieses Typs ist typisch, die direkte Aufmerksamkeit auf ihre Person zu fürchten und sie sich zugleich unterbewusst zu wünschen. Es sind sehr sinnliche und flexible Menschen, die die Welt oft emotional sehen, durch die rosarote Brille. Frauen dieses Typs sind die lebendige Verkörperung von Weiblichkeit, Männer aber meiden diese Weiblichkeit in unserer Kultur häufig und bemühen sich, den echten Macho zu spielen. Sie sind emotional und brauchen einen führenden Partner – was sie mitunter durch ihr Spiel vom starken, selbstsicheren Mann kompensieren.

Beitrag über den epileptoiden Persönlichkeitstyp

Er ist romantisch, sie ist anständig. Alle klassischen Regeln des Werbens werden eingehalten, auch wenn er dabei etwas hölzern ist und nach Schablonen wirbt. Einerseits hasst er Frauen. Andererseits bewundert er sie. Er harmonisiert sie, macht sie weiblicher. Sie ist so anständig, dass sie nicht ablehnen kann, wenn ihr korrekt der Hof gemacht wird.

Das ist eine partnerschaftliche Verbindung weiblichen Typs. In einer solchen Verbindung bauen beide ihr gemeinsames Nest und brauchen kaum jemanden sonst. Es wird eine ruhige Beziehung, in der niemand den anderen stört, in der man sich immer verständigen kann und die übrige Welt in den Hintergrund tritt. Zugleich hängt die Verbindung dieser beiden Persönlichkeitstypen stark von Absprachen und einem eingespielten Regelwerk ab. Für Sergej ist, wie für alle epileptoiden Menschen, typisch, mehr Aufmerksamkeit und Nähe bekommen zu wollen, als er gibt, schnell gekränkt zu sein und dem Partner Nähe und Sex zu entziehen, um ihn zu erziehen. Für Katja ist, wie für alle kompulsiven Menschen, typisch, Sex sehr stark zu romantisieren, an der eigenen Geschlechtszugehörigkeit zu zweifeln und sich allerlei große Fragen zum Thema Beziehungen zu stellen.

In dieser Beziehung wird es nichts Ordinäres geben, alles wird schön, romantisch und korrekt sein, aber beide Persönlichkeitstypen sind geführte Typen, was die Beziehung weniger belastbar machen kann. Wir nennen das eine Ehe zweiter Klasse: Die Menschen finden eine gemeinsame Sprache und entwickeln einander, brauchen aber ein bestimmtes Regelwerk und klare Spielregeln, damit die Ehe länger hält.