Fragen zur Depression

Fragen zur Depression

In einer depressiven Phase ist Wissen schon der erste Schritt zur Besserung. Hier finden Sie die wichtigsten praktischen Informationen zur Erkrankung.

Zum ersten Mal mit einer Krankheit konfrontiert zu sein, ist für alle eine Prüfung. Bei einer Depression kommt erschwerend dazu, dass sich nicht immer schnell eine eindeutige Diagnose stellen lässt. Vor allem am Anfang ist bei den Betroffenen vieles unsicher. Bin ich überhaupt depressiv? Oder bin ich einfach ein bisschen traurig? Ich möchte in dieser Phase Halt geben und einige der wichtigsten Fragen beantworten.

Frage zur Depression Nr. 1: Woran erkenne ich eine Depression?

Eine Depression sieht bei jedem Menschen anders aus. Typisch sind die sogenannten „Verlustsymptome“: Freudlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, das Gefühl, nichts wert zu sein, oder eine ausgeprägte Interessenlosigkeit. Menschen in einer schweren Depression erleben zusätzlich tiefe Traurigkeit und eine große innere Leere. Weitere häufige Beschwerden sind Schlafstörungen, starke Ängste, übermäßige Schuldgefühle und Konzentrationsschwierigkeiten.

Frage zur Depression Nr. 2: Welche Arten von Depression gibt es, und welche habe ich?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei große Kategorien. Menschen mit einer bipolaren Depression erleben nicht nur tiefe Traurigkeit, sondern auch manische Phasen, in denen sie förmlich vor Lebensfreude überschäumen. Bei einer unipolaren Depression bleiben diese extremen Hochphasen dagegen aus. Zu den Unterformen der Depression zählen die saisonale Depression und die Wochenbettdepression.

Frage zur Depression Nr. 3: Wann gilt eine Depression als chronisch?

Eine depressive Episode kann einmalig bleiben, die Beschwerden können aber auch wiederkehren. Manchmal liegen zwischen zwei depressiven Episoden mehrere Jahre, manchmal ist der Abstand viel kürzer. Von einer chronischen Depression spricht man erst, wenn die Symptome mindestens 2 Jahre durchgehend bestehen.

Frage zur Depression Nr. 4: Ist eine Depression unheilbar?

Anders als oft über die Unheilbarkeit der Depression geschrieben wird, sind viele Depressionen tatsächlich heilbar. Bei leichten Episoden kann eine kurze Psychotherapie helfen, das Problem wieder in den Griff zu bekommen. Auch bei einer chronischen Depression führt eine passende Therapie nach einiger Zeit häufig zu einer deutlichen Besserung.

Frage zur Depression Nr. 5: Wann kann man sagen, dass die Depression vorbei ist?

Depressive Episoden dauern in vielen Fällen 4 bis 8 Wochen, bei jedem Menschen kann das aber etwas anders aussehen. Oft gehen die Symptome von selbst zurück. Zieht sich eine depressive Episode länger als 3 Monate hin, ist es ratsam, sich Hilfe bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten zu holen.

Frage zur Depression Nr. 6: Welche Ärztin, welcher Arzt kann mir helfen?

Erste Anlaufstelle in einer depressiven Phase ist häufig die Psychiatrie. Dort wird der Zustand beurteilt und bei Bedarf werden Antidepressiva sowie eine Psychotherapie verordnet, die ebenfalls gut trägt – es gibt inzwischen viele verschiedene Ansätze. Bringt die Behandlung anfangs nicht die gewünschte Besserung, ist es sinnvoll, eine andere Form der Psychotherapie zu versuchen. Die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut sollte eine besondere Ausbildung für die Arbeit mit Depressionen haben und in engem fachlichem Kontakt mit der behandelnden Psychiaterin oder dem behandelnden Psychiater stehen!

Frage zur Depression Nr. 7: Machen Antidepressiva abhängig?

Über Antidepressiva gibt es unterschiedliche Meinungen. Meist bemerkt man die Wirkung erst nach ein bis zwei Wochen Einnahme. Treten Nebenwirkungen wie starke Müdigkeit, sexuelle Unlust oder Übelkeit auf, ist es ratsam, mit der Psychiaterin oder dem Psychiater über einen Wechsel des Präparats zu sprechen. Die meisten Medikamente unterscheiden sich stärker in der Verträglichkeit als in der Wirkung.

Frage zur Depression Nr. 8: Wer schreibt mich krank, wenn ich eine Depression habe?

Bei einer Depression läuft der Krankenstand im Wesentlichen so ab wie bei anderen Erkrankungen. Die Hausärztin oder der Hausarzt schreibt gleich nach der Untersuchung krank oder überweist an eine Fachärztin, einen Facharzt. Viele Untersuchungen zeigen, dass Arbeitgeber diese Erkrankung nicht als etwas wahrnehmen, das von der Arbeit befreit – hier gibt es noch einiges zu bedenken. Depression und Erschöpfung gelten nicht immer als Gründe, für die man einen Krankenstand geben sollte. Außerdem fürchten Betroffene oft die Stigmatisierung (die soziale Etikettierung). Als Übergangslösung greifen viele zur Notlüge einer erfundenen Grippe. Auf Dauer ist Offenheit aber sicher der bessere Weg, denn Arbeitgeber können Mitarbeitende bis zu einem gewissen Grad dabei unterstützen, eine weitere depressive Episode zu verhindern.

Frage zur Depression Nr. 9: Warum geht es einem am Abend besser und am Morgen schlechter?

Viele Betroffene erleben die Depression am Morgen besonders schwer. Ein Grund dafür ist das Gefühl, dem bevorstehenden Tag nicht gewachsen zu sein. Vor allem aber stört die Erkrankung den Tagesrhythmus, weil bestimmte Hormone nicht richtig ausgeschüttet werden. Routinen wie Dehnübungen direkt nach dem Aufwachen helfen dabei, den morgendlichen Stress loszuwerden.

Frage zur Depression Nr. 10: Warum bin ich besonders im Frühling so niedergeschlagen?

Untersuchungen zeigen: Die meisten Menschen durchleben eine akute depressive Phase im Frühling, erst im Sommer geht ihre Zahl wieder zurück. Fachleute vermuten, dass sich Menschen mit einer Neigung zur Depression ihrer Erkrankung in dieser Jahreszeit noch stärker bewusst werden. Während Natur und Menschen mit dem besseren Wetter und dem beginnenden Frühling langsam „aufwachen“, erlebt der Betroffene weiterhin tiefe Traurigkeit.

Frage zur Depression Nr. 11: Warum kommt es nach der Geburt häufig zu einer Depression?

Schätzungen zufolge kämpft in Österreich etwa jede siebte Mutter nach der Geburt ihres Kindes mit einer depressiven Episode. Dieses Phänomen, bekannt als Wochenbettdepression, tritt meist einige Wochen nach der Geburt auf und kann mehrere Monate dauern. Die Ursachen werden einerseits in den hormonellen Veränderungen im Körper der Frau vermutet, andererseits stehen Mütter vor einer völlig neuen Lebenssituation.

Frage zur Depression Nr. 12: Welche Sportart hilft gegen Depression?

Auch wenn eine Depression scheinbar alle Energie raubt, lohnt es sich, den inneren Schweinehund zu überwinden. Bewegung ist ein wichtiger Halt im Umgang mit psychischen Erkrankungen. Regelmäßigkeit ist dabei viel wichtiger als die Wahl der Sportart. Ideal sind Sportarten, die keine Erklärung brauchen und Ihnen Freude machen.

Frage zur Depression Nr. 13: An wen kann ich mich im Notfall wenden?

Die Telefonseelsorge erreichen Sie rund um die Uhr für ein Beratungsgespräch unter der Nummer 142 (Österreich).