Viele fürchten Veränderungen – Metathesiophobie, manchmal auch Neophobie genannt, also die Angst vor Neuem. Im Vertrauten, in der Routine und in den gewohnten Dingen fühlen wir uns wohl; Veränderungen in der Komfortzone begegnen wir mit Zweifeln, Misstrauen und Angst.
Niemand weiß genau, was sich verändert und worauf man sich einlässt. Warum kann nicht alles so bleiben, wie es ist? Das Problem: Die Welt ist nun einmal so eingerichtet, sie verändert sich ständig. Aufhalten lässt sich das nicht – und genau deshalb müssen Sie lernen, mit Ihrer Angst vor Veränderungen umzugehen und sie zu überwinden. Machen Sie nicht den Fehler, sich aus lauter Angst vor Veränderungen zu verschließen. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, woher die Angst vor Veränderungen kommt und was Sie tun können, um mit Veränderungen besser zurechtzukommen …
Die Ursachen: Woher kommt die Angst vor Veränderungen?
Es sollte niemanden überraschen, dass im Lauf eines Lebens viele Veränderungen anstehen. Nach dem Kindergarten kommen wir in die Schule, dann an die Universität – oft genug in einer anderen Stadt, in einem neuen Umfeld, mit neuen Freundinnen und Freunden. So geht es im Beruf weiter und im Privatleben ebenso: Immer wieder gibt es Wendepunkte, an denen Veränderungen unvermeidlich sind. Trotzdem trifft es viele unvorbereitet, sie sträuben sich und fürchten die Veränderung.
Aber warum? Tatsächlich kommen mehrere Ursachen für die Angst vor Veränderungen infrage:
Schlechte Erfahrungen
Eine mögliche Ursache sind schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit. Wer einmal eine Veränderung erlebt hat, die anschließend im Fiasko endete, möchte so etwas nicht noch einmal erleben. Eine einzige negative Erfahrung genügt oft, um eine dauerhafte Angst vor Veränderungen auszulösen. Künftig wird unterstellt, dass auch jede weitere Neuerung schiefgehen wird.
Selbstzweifel
Die Angst vor Veränderungen wird oft von Selbstzweifeln genährt. Gefürchtet wird, sich der neuen Situation nicht anpassen zu können. Wir haben also gar keine Angst vor der Veränderung selbst. Die Angst vor Veränderungen entsteht aus der Unsicherheit, ob wir die Veränderung bewältigen können.
Kontrollverlust
Die Angst vor Veränderungen kann auch aus der Furcht vor einem Kontrollverlust entstehen. Nie lässt sich im Voraus sagen, was sich genau verändern wird und ob es nach Plan läuft. Das Gefühl, diese Dinge nicht steuern zu können, führt zur Angst vor Veränderungen.
Die Psychologie der Veränderung
Anstehende Veränderungen erlauben einen Blick in die menschliche Psyche. Wie reagiert der Mensch? Wie geht er die Sache an? Fürchtet er die Veränderung oder blickt er ihr optimistisch entgegen? Dabei sind allerdings immer die Umstände zu berücksichtigen – Veränderungen lassen sich in zwei Arten unterteilen:
Freiwillige Veränderungen
Die erste Kategorie ist stets die angenehmere. Jede Veränderung geht hier von einem selbst aus, sie erfolgt aus eigenem Antrieb und entsprechend hoch motiviert. Wir wollen die Veränderung und tun alles dafür, was in unserer Macht steht. Freiwillige Veränderungen stehen zum Beispiel an, wenn die Arbeit keine Freude mehr macht und Sie kündigen und sich neu orientieren, oder wenn Sie das Studium freiwillig vorzeitig abbrechen, um ein Praktikum zu machen. Es ist Ihr Impuls, Ihre Entscheidung, Ihre Veränderung – ein großer Vorteil für die Psychologie dahinter. Das heißt nicht, dass es bei freiwilligen Veränderungen keine Angst gäbe. Aber es fällt Ihnen leichter, die Veränderung anzunehmen, und leichter, die Angst zu überwinden, weil Sie sich selbst schon dafür entschieden haben.
Unfreiwillige Veränderungen
Das ist deutlich schwerer. Der befristete Arbeitsvertrag läuft aus und wird nicht verlängert, obwohl Sie gern im Unternehmen bleiben würden; Ihr Arbeitgeber meldet Insolvenz an, und Sie müssen sich zwangsläufig beruflich verändern. Solche ungewollten Schritte führen zu großer Angst vor Veränderungen und zunächst zur Abwehr. Die Chance darin zu sehen fällt schwer – neben der Angst vor der Veränderung wirkt die erzwungene Neuerung eher wie eine Last. Eine solche Veränderung durchläuft meist fünf aufeinanderfolgende Phasen:
- Zuerst wird die Veränderung vollständig abgelehnt und ihre Notwendigkeit ignoriert. Man tut so, als bliebe alles beim Alten.
- Es folgt Widerstand aus Angst vor der Veränderung. Es wird alles getan, um das Kommende zu verhindern.
- Mit der Einsicht, dass Widerstand nicht hilft, kommt der Tiefpunkt der Krise. Alles wird infrage gestellt, und die Angst vor der Veränderung ist besonders groß.
- Ab diesem Punkt geht es aufwärts. Schritt für Schritt werden neue Möglichkeiten erkundet und umgesetzt.
- Am Ende erkennen wir, dass zum Glück alles gar nicht so schlimm war wie befürchtet, und nehmen die neue Situation an. Auch die Angst vor Veränderungen wird kleiner oder ist bereits ganz verschwunden.

Deshalb müssen Sie die Angst vor Veränderungen überwinden.
Der Schlüssel zur gelungenen Veränderung: Es muss nicht immer der ganz große Schritt sein, der alles auf einmal umwirft und das bisherige Leben auf den Kopf stellt. Nötig und unvermeidlich ist das meist erst dann, wenn die Zeit wirklich reif ist. Aus Angst vor Veränderungen haben Sie dann so lange gewartet, dass es umso schwerer wird. Besser, Sie überwinden die Angst vor Veränderungen früh. Dann können schon kleine Korrekturen die gewünschte Wirkung entfalten. Es gibt drei gute Gründe, die Angst vor Veränderungen lieber früher als später zu überwinden:
Sie lösen Probleme, bevor sie größer werden
Natürlich ist Abwarten am Anfang der bequemere Weg. Sie hoffen, dass sich alles von selbst regelt und die Probleme möglichst schnell verschwinden. In manchen Fällen mag das funktionieren, eine erfolgversprechende Strategie ist es nicht. In der Regel muss man selbst etwas tun, damit sich wirklich etwas verbessert.
Wer früher handelt, ist im Vorteil. Allen gegenteiligen Hoffnungen zum Trotz haben Probleme die unangenehme Angewohnheit, mit der Zeit größer zu werden. Kurz gesagt: Je später Sie die nötigen Veränderungen angehen, desto schwerer wird es, den bereits entstandenen Schaden zu beheben.
Sie halten sich Möglichkeiten offen
Nicht jedes Fenster, das sich öffnet, bleibt offen. Die meisten Ihrer Möglichkeiten sind an ein bestimmtes Zeitfenster gebunden – und ist es einmal verstrichen, gibt es keinen Weg zurück. Machen Sie sich diese Endgültigkeit bewusst, wenn Sie das nächste Mal vor der Wahl stehen, ob Sie alles beim Alten lassen.
Das verschafft Ihnen außerdem die Zeit, die Sie brauchen, um klug und überlegt über eine Veränderung zu entscheiden. Sie müssen (noch) nicht sofort handeln, können die Alternativen in Ruhe prüfen und den Weg wählen, der den größten Erfolg verspricht.
Sie verbessern sich fortlaufend
Eine wichtige, aber leider oft unterschätzte Erkenntnis lautet: Verbesserung ist keine einmalige Aktion, sondern ein ständiger, fortlaufender Prozess. Es geht nicht darum, erst dann etwas zu ändern, wenn die bisherigen Methoden nicht mehr funktionieren. Erfolg haben die, die vorausschauend handeln und mögliche Veränderungen auch dann prüfen, wenn es gar nicht nötig wäre.
Besonders im unternehmerischen Umfeld lässt sich das immer wieder beobachten. Erfolgreiche Unternehmen warten nicht, bis ihr Geschäftsmodell in der Sackgasse steckt, die Umsätze einbrechen oder die Kundschaft zur Konkurrenz wechselt. Sie befinden sich stattdessen in einem ständigen Prozess der Veränderung und Verbesserung.
Was gegen die Angst vor Veränderungen hilft
Bleibt die Frage: Was können Sie tun, um mit Ihrer Angst vor Veränderungen umzugehen? Klar ist, dass es nicht leicht wird, denn Ängste zu überwinden verlangt Ausdauer, Disziplin und einiges an Arbeit. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, der Angst vor Veränderungen entgegenzutreten und sie in den Griff zu bekommen:
- Stehen Sie zu Ihrer Angst. Es bringt nichts, die Angst vor Veränderungen zu ignorieren, kleinzureden oder so zu tun, als gäbe es sie nicht. Um eine Angst zu überwinden, müssen Sie ihr ins Gesicht sehen. Der erste Schritt besteht darin, sie anzunehmen und sich selbst einzugestehen.
- Sprechen Sie darüber. Darüber zu sprechen kann helfen, mit der Angst vor Veränderungen besser umzugehen. Vertrauen Sie sich Ihrer Partnerin, Ihrem Partner oder einer guten Freundin an. Erklären Sie, was Ihnen Sorge macht und wovor Sie sich angesichts der bevorstehenden Veränderung fürchten. Ein solches Gespräch eröffnet eine andere Sicht und hilft gegen die Angst, weil Sie Zuspruch und Rückhalt bekommen.
- Denken Sie an den schlimmsten Fall. Angst vor Veränderungen bedeutet meist die Furcht vor den schlimmsten Folgen. Was, wenn wirklich alles schiefgeht? Denken Sie diesen Gedanken zu Ende – Sie werden feststellen, dass selbst das schlimmste Szenario oft gar nicht so schlimm ist. Zu wissen, was im schlimmsten Fall passieren kann, gibt Ihnen viel Sicherheit.
- Blicken Sie optimistisch nach vorn. Wichtig ist auch die richtige innere Haltung: Wer von vornherein glaubt, die Veränderung nicht bewältigen zu können, verstärkt seine Angst nur. Glauben Sie stattdessen an sich, machen Sie sich Mut und erkennen Sie Ihre Stärken an. Optimismus ist ein sehr gutes Mittel gegen die Angst vor Veränderungen.
- Gehen Sie kleine Schritte. Die Angst vor Veränderungen lässt sich leichter bewältigen, wenn Sie zunächst kleine Schritte gehen. Sie müssen nach Möglichkeit nicht alles auf einmal ändern. Kleine Anpassungen sind leichter zu bewältigen, und Sie gewöhnen sich an die neue Situation. So merken Sie auch, dass es keinen Grund gab, die Veränderung zu fürchten – und trauen sich beim nächsten Mal mehr zu.
Angst vor Veränderungen: Zitate
Die Veränderung hat die Menschen seit jeher beschäftigt. Viele bekannte Persönlichkeiten haben ihre Gedanken dazu formuliert. Hier einige dieser Aussprüche und Zitate – zum Nachdenken, zum Anstiften und, hoffentlich, zum Umsetzen:
Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll
Georg Christoph Lichtenberg
Man muss um Wunder beten, aber für Veränderungen arbeiten. Thomas von Aquin
Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte. Gustav Heinemann
Veränderungen sind so notwendig wie die Erneuerung der Blätter im Frühling. Vincent van Gogh
Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst. Mahatma Gandhi
Nur die Allerdümmsten und die Allerklügsten können sich nicht ändern. Konfuzius
Wer lange Zeit glücklich sein will, muss sich oft ändern. Konfuzius
Das Leben gehört den Lebenden an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein. Johann Wolfgang von Goethe
Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist. Henry Ford
Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Chinesisches Sprichwort
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Wolf Biermann
Das Geheimnis der Veränderung besteht darin, alle Energie nicht auf die Bekämpfung des Alten, sondern auf den Aufbau des Neuen zu richten. Sokrates







