5 Fragen zur Demenz

5 Fragen zur Demenz

Demenzerkrankungen sind die häufigsten neurologisch-psychiatrischen Alterserkrankungen, und die Zahlen steigen weiter. Rund zwei Drittel aller Demenzen gehen auf die Alzheimer-Krankheit zurück.
Der Neurologe Dr. Andreas Winkler, ärztlicher Leiter der Klinik Pirawarth, Leiter der neurologischen Rehabilitation und Vizepräsident von Alzheimer Austria, beantwortet die wichtigsten Fragen zu Vorbeugung und Behandlung von Demenz.

Frage 1: Wie viele Menschen weltweit leben mit einer Demenz?

Andreas Winkler: Demenz ist das Gesundheitsproblem des 21. Jahrhunderts. Schätzungen zufolge sind weltweit 40 Millionen Menschen über 70 betroffen, und diese Zahl wird sich in den kommenden 20 Jahren verdoppeln – zumindest bis 2050.
Diese globale Entwicklung trifft vor allem Entwicklungsländer; in Europa und anderen hoch entwickelten Ländern fallen die Zahlen niedriger aus, vermutlich dank besserer Vorsorge für Gefäße und Gehirngesundheit.

Die Häufigkeit steigt mit dem Alter: von rund 2 % bei den 65- bis 69-Jährigen über etwa 10–17 % bei den 80- bis 84-Jährigen bis zu mehr als 30 % bei den 90-Jährigen.

Frage 2: Welche Ursachen der Demenz sind bekannt?

In den letzten 20 Jahren ging man davon aus, dass Ablagerungen toxischer Eiweiße wie Beta-Amyloid 42 und Tau-Protein die Krankheit auslösen – sie gelten nach wie vor als ihre wichtigsten Kennzeichen. Heute wissen wir aus moderneren Forschungsmethoden, dass dieses Zusammenspiel sehr viel komplexer sein dürfte.

Frage 3: Heilbar ist die Krankheit bislang nicht. Woran arbeitet die Forschung derzeit?

Der Verlauf lässt sich mit Medikamenten nur symptomatisch mildern, nicht heilen. Damit das eines Tages weltweit anders wird, entwickelt man neue Therapieansätze, die vor allem auf der Immunologie aufbauen.
Da man nach den enttäuschenden Ergebnissen der Studien zu Therapien gegen Beta-Amyloid jedoch wieder ganz von vorn beginnen muss, wird es noch 5–10 Jahre dauern, bis potenziell wirksame Medikamente marktreif sind. Hoffnung setzt man auf weitere Ansätze wie die Beta-Sekretase-Hemmer, die sich derzeit erst in frühen Phasen der klinischen Forschung befinden.

Frage 4: Was kann man tun, um das eigene Erkrankungsrisiko zu senken?

Man muss weiter auf eine wirksame Therapie und auf Heilung hoffen – das eigene Risiko für nachlassende Gedächtnisleistung lässt sich aber schon heute vorbeugend senken. Denn wer auf sein Gehirn achtet, schützt sich zugleich vor anderen Erkrankungen, allen voran vor Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt!

Frage 5: Welche Rolle spielt dabei eine gesunde Ernährung?

Sie ist sehr wichtig, denn einer „gehirnfreundlichen“ Ernährung im Sinne der mediterranen Kost kommt besondere Bedeutung zu. Inzwischen ist außerdem gezeigt worden, dass bestimmte Nährstoffe in bestimmten Kombinationen und Dosierungen, die für die Funktion der Synapsen an den Nervenzellen wichtig sind, in großen klinischen Studien geprüft wurden und einen positiven Effekt auf die Gedächtnisleistung belegen konnten.