Was lieben die Paranoiden? Wissen Sie das – und Sie können die grauen Eminenzen lenken! Eine kreative Aufgabe, nicht wahr?
Da die Paranoiden die „gefährliche Welt“ meiden, richtet sich ihr inneres Bedürfnis auf Selbstgenügsamkeit und Unabhängigkeit. Ihre Sätze:
„Mein Haus ist meine Burg!“ „Ich darf ganz sicher von niemandem abhängig sein!“
Ein Sicherheitspolster muss unbedingt sein: Das Leben hat einen Riss bekommen, und im Vorhaus steht der letzte gepackte Koffer. Es muss immer Fluchtwege geben.
Daraus entspringt das Thema der Liebe zum Alleinsein, bei dem es in Wahrheit nicht um Einsamkeit geht, sondern um Selbstgenügsamkeit:
„Ich genüge mir selbst! Der klügste Gesprächspartner bin ich.“
Natürlich gibt es trotzdem das Bedürfnis nach Gespräch, nach Austausch, nach anderen Menschen. Stoßen aber der Wunsch nach Kontakt und das Bedürfnis nach Selbstgenügsamkeit zusammen, gewinnt meist die Selbstgenügsamkeit als neurotisches Bedürfnis.
Je tiefer die Paranoiden in die Selbstgenügsamkeit eintauchen, desto mehr werden sie zu Außenseitern und Einsiedlern, ziehen sich von den Menschen zurück, schotten sich ab, verschließen sich in ihrem Turm. Öl ins Feuer gießt das Bedürfnis nach Unabhängigkeit: „Nehmt keinen Einfluss auf mich“ führt zum Verlust von Nähe und in die Einsamkeit.
Das Grundbedürfnis des Paranoiden ist das Bedürfnis nach Exklusivität. Es treibt ihn dazu, in die Welt hinauszugehen und dort etwas zu tun. Für Exklusivität braucht man Menschen – sitzt der Paranoide in seinem Turm, weiß er von seiner Exklusivität im Grunde gar nichts. Ist er aber zu den Menschen hinausgegangen und hat gezeigt, dass er exklusiv ist, dann ist das ein großes inneres Geschenk.
Exklusivität kann sich auch über materielle Dinge verwirklichen, über den Besitz materieller Objekte. Nicht bloß Einzigartigkeit, sondern volle Exklusivität ist es, etwas zu wissen, was sonst niemand weiß, etwas zu können, was sonst niemand kann. Männer verwirklichen Exklusivität in Leistungen oder in ihrer Stellung: Ich muss exklusiv werden und exklusiv sein. Eine Frau versteht Exklusivität in einem weiteren Sinn. Mindestens zeigt sie sich in Accessoires und in der Kleidung.
Bei aller Ängstlichkeit gehörten die Paranoiden zu den Ersten, die den Rock gezähmt haben. Ein absolut paranoider Kleidungsstil ist das leichte Kleid zu schweren Schuhen, also die Verbindung des Unvereinbaren. Auch der Stil durch Eleganz gehört zum Thema Exklusivität: das kleine Schwarze, Coco Chanel.
Zugleich versteht es der Paranoide großartig, mit Fakten zu jonglieren. Er kann Fakten zu jeder beliebigen logischen Kette ordnen und alles Mögliche beweisen. Genau das kann ihn allerdings auch selbst verwirren. Und dann nimmt der Paranoide dankbar gewisse unveränderliche Fakten an, gewisse Referenzpunkte, die sich nicht anders deuten lassen. Sherlock Holmes ist ein typischer Paranoiker.
Und außerdem lieben sie:
- Der Wahrheit auf den Grund zu gehen, den verborgenen Aufbau einer Sache zu verstehen.
- Den Prozess aus dem Hintergrund zu lenken („ich steuere, aber man sieht mich nicht“ – die grauen Eminenzen).
- Schwierige Aufgaben und ihre Lösung (das Zusammensetzen aller möglichen „Puzzles“ und Rätsel).
- Tapetenwechsel, Reisen (das hilft, den Kopf frei zu bekommen und sich selbst zu spüren).
- Den Austausch mit ganz verschiedenen Menschen (als Studium „neuer Strukturen“), spannende Gespräche.
- Bücher, Filme, Theater, Ideen (komplexe, ungewöhnliche).
- Die ewige, mitunter unlogische Opposition gegen alles, besonders gegen die amtierende Macht und gegen populäre Ideen (damit entsteht die Illusion innerer Freiheit).
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