Beim paranoiden Persönlichkeitstyp ist die Angst vor Verwandlung und Veränderung am stärksten ausgeprägt – vor äußerer wie vor innerer. Das ist nicht die Angst vor dem Neuen, das ist die Angst vor Veränderungen. Könnte man sofort in dieses „Neue“ hineingelangen, wäre alles gut. Aber es braucht ja die Veränderung, eine schmerzhafte und blutige, und unbedingt eine mit Verlusten. Und das macht große Angst.
Der Paranoide versucht, die Verwandlung so gering wie möglich zu halten. Brennt es aber wirklich und gibt es dafür logisch stimmige Voraussetzungen, dann lässt er sich auf diese Verwandlung ein. Und der eindrücklichste Verwandlungsprozess überhaupt ist die Geburt.
Den Kern der feministischen Bewegung bilden Paranoide mit der Angst vor Veränderung und vor der Geburt.
Daher rührt das Bestreben, keine Kinder zu bekommen, daher kommen die Vorstellungen von „Frauen als Männern“, vom Unisex, vom gleichberechtigten Teilen der Ergebnisse, nicht aber der Möglichkeiten. Denn die Geburt macht aus mir eine richtige Frau. Vor der Geburt – wer weiß schon, wie ich von außen bin, vielleicht bin ich innen ein Mann. Doch sobald ich geboren habe, ist es vorbei: Die Verwandlung ist vollzogen. Sonst aber: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und keinerlei Rollen. Habe ich nicht geboren, so sind wir Brüder; habe ich geboren, so bin ich schon Schwester.
Die übrigen Ängste haben Sie bereits in den vorangegangenen Kapiteln gelesen:
- Angst vor verborgener Beeinflussung, vor Einwirkung (auf sie).
- Davor, die eigenen Ideen und Wünsche zu verwirklichen, denn das könnte die Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen zerstören und zu Bestrafung führen.
- Davor, tiefes, starkes Erleben nach außen zu zeigen (ringsum sind ja „Feinde“), vor Aufrichtigkeit, Direktheit, vor Szenen.
- Davor, für die Gesellschaft berechenbar zu sein („man hat mich durchgezählt“)
- Davor, dass alles einfacher ist, als es scheint (die Welt ist einfach, gut und primitiv).
- Vor Verrücktheit, Unangemessenheit, Unverständlichkeit und vor der Strafe dafür (besonders in Gestalt einer Unfreiheit der eigenen Ideen und Wünsche).
- Davor, etwas nicht zu wissen, ungenau, uninformiert, in den Augen der Gesellschaft nicht kompetent zu sein.
- Vor Täuschung, vor Verrat (in der Nähe) und dadurch – Furcht vor seelischer Nähe; vor Gleichgültigkeit, vor Heuchelei (der Nahestehenden).








