Harmonische Persönlichkeitszüge des autistischen Persönlichkeitstyps
Manchmal nennen wir das auch „Atmosphäre“ – jene Atmosphäre, die Menschen des autistischen Typs zu schaffen vermögen. Aus einer Unmenge von Kleinigkeiten, die wir gar nicht bemerken, fügen sie etwas zusammen, von dem auch uns wohl wird. Bei einem Gottesdienst etwa gibt es Menschen, die niemand wahrnimmt und dank derer dieser Gottesdienst zum Zauber wird. Dort haben sie eine Kerze angezündet, da etwas herbeigetragen, hier jemanden gestützt, dort sind sie mit einem Kelch vorbeigegangen. Ihre Handlungen bleiben im Ablauf des Ganzen fast unsichtbar, und doch schaffen genau sie jene besondere Atmosphäre und jenes Umfeld, in dem das alles überhaupt stattfindet. Menschen des autistischen Typs können das ausgesprochen gut, weil ihre Aufmerksamkeit für Kleinigkeiten sehr hoch ist.
Während Programmieren für die einen nur eine Ansammlung von Krakeln ist, gibt es Menschen des autistischen Persönlichkeitstyps, die ein Programm mit mehreren hunderttausend Zeilen ohne einen einzigen Fehler schreiben können. Und das alles dank der Aufmerksamkeit für Kleinigkeiten.
Autistische Menschen sind sehr empfindsam für äußere Signale, und zwar für die eigenen ebenso wie für die der anderen. Letzteres mündet in Fürsorge für die dringenden Bedürfnisse anderer Menschen – eben in jene „Atmosphäre“, von der oben die Rede war. Über ihre Empfindsamkeit für Empfindungen fangen sie die Signale jedes Menschen auf und spüren dadurch Bedürfnisse sehr genau. Ob als Kollege in der Arbeit, als nahestehender Mensch oder als Gesprächspartner: Sie können Unbehagen aus Ihrem Leben nehmen. Übrigens springen autistische Menschen sehr leicht auf die Stimmung ihres Gegenübers an, kommen davon aber nur schwer wieder los.
Dabei haben sie einen recht freien, unstereotypen Blick auf das Leben, denn ein Stereotyp ist bereits eine „Gestalt“, eine fertige Schablone – und die kann die autistische Persönlichkeit nicht aufbauen. Dadurch eröffnen sie manchmal eine völlig neue, unvorhersehbare Sichtweise.
Sie sind Pragmatiker, und ihr Pragmatismus ist bis zur Kunst getrieben. Alle anderen Persönlichkeitstypen haben nur Anflüge von Pragmatismus, wenn wir irgendwelche „Prinzipien“ ausrechnen. Menschen mit verletztem Recht zu sein aber sind genau diese Pragmatiker, denn bei ihnen ist alles bis ins Kleinste durchdacht.
Sie können eine Struktur ausgesprochen gut zu Ende bringen, wenn dabei alle Kleinigkeiten durchdacht werden. Abweichungen und Störungen eines großen Systems spüren sie viel früher als andere Persönlichkeitstypen – lange bevor größere Erscheinungen auftreten und das System zu zerfallen beginnt.
Und außerdem spüren sie Falschheit und Unaufrichtigkeit sehr leicht.
Konfliktträchtige Züge des autistischen Persönlichkeitstyps
Menschen des autistischen Persönlichkeitstyps fallen oft aus der Welt heraus, ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück, zeigen sich nicht und wirken sozial häufig unscheinbar.
Neigung zur Symbiose
Konfliktträchtig sind die Konfluenz und die fehlende Abgrenzung zwischen sich und den anderen, die Neigung zur Symbiose. Obwohl Menschen des autistischen Typs meinen, es gebe sie gar nicht, können sie sowohl sich selbst als auch andere Menschen sehr gut spüren – sie blicken buchstäblich in die Seele. Mit dem Unterschied, dass sie in dem Moment, in dem sie in die Seele blicken, aufhören, zwischen sich und dem äußeren Objekt zu unterscheiden. So sehr, dass sie die Signale zu verwechseln beginnen: Kommen sie gerade von dem anderen Menschen, oder kommen sie von mir? Sie nehmen beides als ein Ganzes wahr.
Und weiter schreibt dieser Mensch – je nach seinem Bildungsstand – alles entweder sich selbst oder dem äußeren Objekt zu, samt seinen Gefühlen, Emotionen, Erlebnissen und Empfindungen. Das zeigt sich darin, dass der Beobachter weiß, was wir fühlen, und zwar besser als wir selbst. Wir haben unsere Empfindungen noch gar nicht bemerkt, da kennt der Beobachter sie bereits und kann sie dir benennen. Zugleich beginnt der Beobachter, seine eigenen Empfindungen dem Objekt auf der Ebene der Gefühle zuzuschreiben – es gibt also sehr viel Übertragung und ein Zuschreiben des Eigenen an dich.
Neigung zur Wahrheit
Ein weiteres konfliktträchtiges Element ist die Neigung zur Wahrheit. Der autistische Persönlichkeitstyp nimmt Wahrheit als reine Tatsache ohne jede Bewertung wahr. Als Folge des verletzten Rechts zu sein wollen sie selbst wahrhaftig sein und verlangen dasselbe von anderen. Für alle übrigen Menschen aber ist Wahrheit Kritik, und Kritik tut weh. Menschen des autistischen und des psychopathischen Typs sagen die „Wahrheit ins Gesicht“, ohne uns dabei wehtun zu wollen.
Auferlegte Stille
Konfliktträchtig und disharmonisch ist das Auferlegen von Stille: die Forderung, den Ton leiser zu drehen, es weniger grell zu machen, um die äußeren Rezeptoren zu „beruhigen“ und die Menge der eingehenden Signale zu verringern. Sie beginnen das nachdrücklich nicht nur von sich selbst, sondern auch von ihrem Umfeld zu verlangen – indem sie es entweder daran gewöhnen oder davonlaufen. Das provoziert Konflikte.
Aufmerksamkeit für Kleinigkeiten und Verletzung der Hierarchie
Dazu gehört auch die übermäßige Aufmerksamkeit für Kleinigkeiten. Aus Sicht des autistischen Menschen gibt es keine übermäßige Aufmerksamkeit für Kleinigkeiten, denn das sind überhaupt keine Kleinigkeiten. Indem er Kleinigkeiten kontrolliert und versucht, sein Umfeld gestalthaft zu erfassen, verletzt der Beobachter sehr leicht die Hierarchie. Aus unserer Sicht kann er für zehn Kopeken eine alte Frau erschlagen. Für ihn sind ein nahestehender Mensch und der Blumentopf auf der Fensterbank vollkommen gleichwertig und gleich wichtig. Leidet der Blumentopf, so kostet es ihn nichts, einen Menschen zu treten – selbst wenn dieser in der Hierarchie höher steht.
Freiheit und eigene Bedürfnisse
Disharmonisch ist das Einfordern des Rechts auf Freiheit und auf Befriedigung der eigenen körperlichen Bedürfnisse. Das Thema des eigenen Komforts ist die Basis, der Schlüssel, und zwar in sehr körperlicher Ausführung:
„Wenn ich etwas tue und es mir dabei angenehm ist, hat die ganze übrige Welt zu warten.“
In der klassischen Ausprägung reagieren Menschen des autistischen Typs sehr schlecht auf abrupte Veränderungen ihres Umfelds. Wenn jemand in der Arbeit etwas nach einem Plan erledigt, den er sich selbst zurechtgelegt hat, und die Chefin oder der Chef hereinstürmt und die Aufgaben ändert, dann „hängt“ der autistische Mensch. Statt umzuschalten und etwas anderes zu tun, entsteht eine lange Pause, in der er ausschließlich in das Erleben des eigenen Komforts abtaucht. An die Arbeit denkt er in diesem Moment überhaupt nicht, denn nun muss die ganze Welt neu getestet und ein neues System erfunden werden – was wiederum zu Konflikten führt.
Ihn aufzuhalten oder aus diesem Zustand herauszuholen, ist schwierig, denn der Versuch stößt auf ernsthafte Aggression, mit der er seinen körperlichen Komfort verteidigt. „Sie haben mir gerade die äußere Realität genommen, lassen Sie mir wenigstens meinen Komfort! Ich habe das Recht, hier zu sitzen und Löcher in die Luft zu starren!“
Besonderheiten beim Alkoholkonsum
Autistische Menschen trinken Alkohol ausschließlich wegen der körperlichen Empfindungen. Wenn er ihnen einen bestimmten Zustand auf der Ebene der Empfindungen verschafft, der ihnen gefällt und Freude macht, werden sie Alkohol trinken. Gefällt er ihnen nicht, trinken sie überhaupt nicht.
Während wir unterschiedlich viel trinken können, gibt es beim autistischen Typ immer eine klare Norm: „so lange, bis ich genau diesen Zustand erreiche“. Deshalb bleibt es, komme was wolle, bei vier Krügeln Bier, wenn es eben vier Krügel Bier sind – genau so viele, um exakt diesen bestimmten Zustand zu erreichen. Und auf weniger lässt er sich nicht überreden, weil es keinen Sinn hätte (der Zustand würde nicht erreicht). Sobald der Zustand erreicht ist, fällt das Trinktempo abrupt ab. Danach kann es nur noch ums Halten gehen.
Körperliche Merkmale
Eine Frau des autistischen Typs ist in der Regel sehr zierlich und behält sogar eine gewisse Kindlichkeit im Gesicht.
Beim Mann ist es schwieriger, denn das männliche Geschlechtliche ist unabhängig vom Persönlichkeitstyp da. Männer dieses Typs sind in der Regel körperlich sehr groß und durchaus auffällig. Und doch bleibt dieser „Schrank“ in der Ecke unbemerkt. Der Mensch ist körperlich recht groß, und trotzdem vergisst man ihn ständig und übersieht ihn.
Kleidung: weich, in lockeren Formen, körperlich bequem. Farben: natürlich, gedämpft. Grelle Elemente gibt es in der Kleidung praktisch keine.
Ängste und Manipulationen
Um auf autistische Menschen einzuwirken, muss man ihre Ängste kennen und ihre wichtigsten Manipulationen erkennen. Sie fürchten Unfreiheit, körperlichen Schmerz und Ungerechtigkeit. Am meisten fürchten sie Betrug und Einschränkungen.
Wichtigste Rollen und Manipulationen
„Ich vertraue dir nicht, du hast mein Vertrauen verloren.“ Von einem autistischen Menschen hört man das ziemlich oft.
„Ohne mich bricht alles zusammen, ich bin unersetzlich.“ Da sie den Wert jeder Kleinigkeit kennen und wissen, wie sehr jede Kleinigkeit alles verändert, ist ihnen klar: Nimmt man jetzt „so eine Kleinigkeit wie mich“ weg, bricht alles zusammen.
Das liebste Spiel: „Schrei nicht, ich habe ein gutes Gedächtnis für Fakten.“ Das kommt der Wirklichkeit allerdings sehr nahe. Kaum jemand außer den autistischen Menschen ist imstande, Fakten zu bestimmen und zu benennen (was war, wann, wer dabei war, wie das Wetter war und so weiter). Deshalb können wir autistischen Menschen in dieser Hinsicht meistens vertrauen. Manchmal aber nutzen sie das aus, und dann beginnt die Manipulation.








